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Beiträge aus der Rubrik Tribüne
Die Weltbank mahnt Reformen an
Billige Bananen oder faire?
 8-9/2003
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Billige Bananen - oder faire?
Bauern und Plantagenarbeiter werden ausgebeutet
Von Carolin Callenius
Die Fakten sind bekannt: die Arbeitsbedingungen auf den Bananenplantagen Lateinamerikas sind miserabel, die gewerkschaftliche Arbeit wird behindert und die Umwelt mit Füßen getreten. Doch was zur Zeit stattfindet, bezeichnen die 30 Nichtregierungsorganisationen, zusammenschlossen in EUROBAN (European Banana Action Network), als race to the bottom, als Wettlauf der Konzerne zu immer niedrigeren Standards.
Drei internationale Konzerne, Chiquita, Dole und Del Monte, kontrollieren zusammen zwei Drittel der weltweiten Bananenexporte. Davon ist Chiquita (ehemals United Fruit Company) trotz hoher Marktverluste noch immer marktführend. Chiquita handelt nicht nur mit Bananen, sondern produziert auch auf eigenen Plantagen bzw. mit festen Verträgen. Es hat eine eigene Schiffsflotte, Reifungsanlagen und eigene Vertriebsstrukturen in den Konsumentenländern.
Multis drücken die Produktionskosten
Allerdings, trotz Oligopol und vertikaler Integration haben die Konzerne nur wenig Spielraum bei den Absatzpreisen. Bananen sind billig wie nie zuvor. Der Weltmarktpreis sei in den letzten zehn Jahren jährlich um ein Prozent gesunken, klagt Cyrus Freidheim, Direktor von Chiquita. Die weltweite Überproduktion ist dafür verantwortlich, aber auch die Verhandlungsmacht von Supermarktketten wie Wal-Mart. Die Macht der Konzerne beschränkt sich weitgehend auf ihre Beziehung zu den eigentlichen Produzenten, wo sie sich gegenseitig in Bezug auf Produktionskosten, ökologische Standards und Arbeitnehmerrechte unterbieten.
Deshalb investieren alle drei Firmen in neue Bananenanbauregionen wie Indien, Indonesien oder Nordost-Brasilien, wo sie Standortvorteile wie noch billigere Arbeitskräfte, schwache Gewerkschaften, niedrige Umweltschutzauflagen und geringe Steuerlast vorfinden. Aber auch in den traditionellen Anbauregionen Mittel- und Lateinamerikas sind die Kosten unterschiedlich hoch. In Ecuador kostet die Produktion einer Banane nur halb soviel wie in Panama. Der Grund: Die Arbeiter haben keine Rechte, keine Sozialversicherung, sie leben in Armut und Elend.
Im Vergleich dazu erschien die Produktion bei der panamesischen PAFCO, einer hundertprozentigen Tochterfirma, Chiquita zu teuer. 2003 wurde PAFCO verkauft. Trotz drastischer Verringerung des Mitarbeiterstamms soll das Unternehmen in den vergangenen sechs Jahren Verluste von 90 Mio. US$ gemacht haben. Eine Kooperative ehemaliger Arbeiter und Arbeiterinnen kaufte die Plantagen für 20 Mio. US$. Zugleich wurde ein zehnjähriger Liefervertrag mit Chiquita abgeschlossen. Der Konzern wälzt so das Risiko einer schlechten Ernte und die Verantwortung für die Einhaltung sozialer Mindeststandards ab und sichert sich andererseits Vorkaufsrechte ein gutes Geschäft. Für die neuen Besitzer ist das Geschäft schlechter, das Risiko des Preisverfall tragen sie. Bereits jetzt kündigte der Vorsitzende der Kooperative an, die sozialen Leistungen des bisherigen Unternehmens wie die Kosten für private Stromversorgung, Müllabfuhr, Trinkwasser und Schulbusse könnten nicht mehr übernommen werden. Langfristig drohen Arbeitsbedingungen wie in Ecuador. Dennoch bot der Kauf für die Menschen die einzige Überlebenschance überhaupt.
Kampf um Marktanteile
Seit dem 1. Juli 1993 gibt es in der EU eine Gemeinsame Marktordnung für Bananen (GMOB), und seit dieser Zeit herrscht der sogenannte Bananenkrieg um Marktanteile. Der europäische Markt ist mengenmäßig für den Bananenhandel bedeutend: Jede dritte exportierte Banane wird in Europa verzehrt, jede zehnte in Deutschland. Zudem können Importeure aufgrund der Marktordnung einen Zusatzgewinn abschöpfen (Quotenrente), da in der EU das Preisniveau um 38 % über dem Weltmarkt liegt. Nach der ursprünglichen GMBO wurde ein Mengenkontingent für Bananen von europäischen Produzenten (v. a. Frankreich und Spanien) reserviert, die hohe Subventionen erhalten, ein weiteres Kontingent für die ehemaligen Kolonien in Afrika, Karibik und Pazifik (AKP-Länder), die zollfrei importieren dürfen. Die andere Hälfte war für zollpflichtige Importe aus Lateinamerika vorgesehen. Auch die für den Import notwendigen Lizenzen wurden kontingentiert: 66,5 % für die traditionellen Importeure (auf Grundlage der letzten drei Referenzjahre), 30 % für europäische Importeure, die auch mit EU- und AKP-Staaten handelten, 3,5 Prozent für neu hinzukommende Firmen.
Aber dagegen gab es Widerstand. Auf Betreiben von Chiquita (verbunden mit hohen Spenden) haben die USA zusammen mit Mexiko, Guatemala und Ecuador vor der Welthandelsorganisation geklagt. Aus dem Streit ging Chiquita als klarer Sieger hervor. Es wurde entschieden, dass 83 % der Quote nach historischen Marktanteilen an Erstimporteure vergeben werden müssen. Im Juli 2001 wurde daraufhin die GMOB reformiert, und der Bananenkrieg scheint fürs Erste beigelegt; doch bleibt die Zukunft ungewiss. Zum einen hat die EU der WTO zugesichert, dass bis 2006 das Quotensystem für Bananen wegfällt und ein reines Zollsystem eingeführt wird. Zum anderen werden 2004 zehn neue Länder in die EU aufgenommen, und es ist noch ungewiss, ob diese einem höheren Bananenpreis zustimmen werden, der sich aus der Subventionierung von Bananenproduzenten in europäischen Übersee-Gebieten und der Präferenz von AKP-Bananen ergibt. Besonders Polen importiert bislang große Mengen billiger ecuadorianischer Bananen. Und Ecuador droht bereits mit einer neuen Klage, da die zollfreie Einfuhr von AKP-Bananen in die neuen Mitgliedsländer widerrechtlich sei.
Bei einer Liberalisierung des Bananenmarkts in 2006 befürchten die AKP-Staaten eine gravierende Verschlechterung ihrer Position. Bei niedrigen Zöllen auf Dollar-Bananen würden die karibischen Kleinbauern aus dem Markt gedrängt. Da ein großer Teil der Bevölkerung von St. Vincent, St. Lucia und Dominica vom Bananensektor lebt, wären Massenarbeitslosigkeit und Armut die Folge. Die Produzenten in Lateinamerika befürchten, dass eine Liberalisierung zum Preis-Dumping führen könne, was ihre Situation weiter verschlechtern würde. Die EU schließlich fürchtet, dass bei niedrigeren Preisen höhere Ausgleichszahlungen an die europäischen Produzenten notwendig werden.
Zukunft einer nachhaltigen Bananenpolitik
Das Grundproblem der Bananenproduktion ist, wie bei allen Agrar-Massenprodukten, dass die Produktion beliebig ausgeweitet werden kann und die Märkte deshalb überschwemmt werden. Die Ökonomen nennen das einen Käufermarkt. Das hat zur Folge, dass die externen volkswirtschaftlichen Kosten (d. h. die sozialen Kosten) nicht in den Weltmarktpreisen berücksichtigt werden können. Die Produktionsausdehnung geht zu Lasten der bereits jetzt vom Bananenanbau lebenden Familien. Der freie Markt wird dieses Problem noch verschärfen. Nur eine Möglichkeit ist zur Zeit sichtbar, wie wenigstens einem kleinen Teil der Bananenproduzenten geholfen werden kann: der faire Handel mit Bananen, der zunehmend in Weltläden und sogar in Supermärkten stattfindet. Der deutlich höhere Preis kommt unmittelbar den Bananenproduzenten zugute. Durch den Kauf von Bananen, die in Deutschland seit Ende der 80er Jahre über Banafair vermarktet werden, kann obendrein eine Unterstützung von Bananengewerkschaften und Organisationen, die sich in den Ländern für politische und soziale Veränderungen einsetzen, geleistet werden.
Dass dies angesichts der anstehenden Marktliberalisierung nicht ausreicht, ist allen Beteiligten klar. EUROBAN hat deshalb einen Diskussionsprozess initiiert und Anna Dickson, Politologin an der Universität Durham, beauftragt, Vorschläge für ein neues internationales Bananenabkommen zu erarbeiten1. Der wichtigste Vorschlag der Studie: Ein Abkommen zwischen Bananen produzierenden und konsumierenden Ländern soll für ein Gleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage sorgen sowie soziale und ökologische Normen festschreiben. Es ist jedoch äußerst fraglich, ob die Hauptexportländer, die Konzerne und die Importländer sind einigen können. Ähnliche Abkommen für andere Produkte (Kaffee, Kakao) sind bisher gescheitert. Ein anderer Vorschlag, der vor allem kleineren Produzenten einen Marktzugang ermöglichen soll, zielt auf eine Verknüpfung der Zölle mit ethischen und ökologischen Kriterien. Dies ist jedoch bislang im WTO-Regelwerk nicht vorgesehen.
Die Vorschläge der EUROBAN-Studie machen deutlich: Eine einfache Lösung, wie das freie Spiel der Kräfte gebändigt werden kann, ist noch nicht in Sicht. Es fehlen die notwendigen internationalen Instrumente, und es fehlt der gemeinsame politische Wille, die schlechter werdenden Arbeitsbedingungen und den fortschreitendem Raubbau an der Natur zu bekämpfen.
Toward an international agreement on bananas. A discussion paper prepared by Anna K. Dickson. EUROBAN May 2003. www.bananalink.org.uk
Carolin Callenius arbeitet als freie entwicklungspolitische Journalistin, Trainerin und Gutachterin zu agrar- und frauenpolitischen Themen in Stuttgart.
carolin.callenius@web.de
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