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Medien


Vergewaltigung als Kriegsverbrechen

Handbuch für die Lobbyarbeit

Fremde Kulturen ernster nehmen

Mythen der Globalisierung


12/2006
 

Vergewaltigung als Kriegsverbrechen

medica mondiale e.V. (Hg.):
Sexualisierte Kriegsgewalt und ihre Folgen.
Handbuch zur Unterstützung
traumatisierter Frauen in verschiedenen Arbeitsfeldern.
Mabuse-Verlag, Frankfurt/Main 2004,
440 S., 29,80 Euro, ISBN 3-935964-48-X

Sexualisierte Gewalt gegen Frauen gibt es in jedem Krieg. Oft sind die Opfer ebenso zahlreich wie die Kriegstoten – wenn es nicht sogar mehr sind. In der Regel bleiben die Täter straffrei und die Opfer ohne Hilfe. Wiederaufbauprogramme in der Nachkriegszeit gehen meistens an ihren Bedürfnissen vorbei. Erst seit kurzem kümmern sich einige Nichtregierungsorganisationen um das Problem und bieten Hilfe an – zum Beispiel die deutsche Organisation medica mondiale, Herausgeberin dieses Handbuchs, das sich auf Erfahrungen aus elf Jahren Arbeit in einem halben Dutzend aus Kriegen hervorgegangenen Ländern stützt.

Die sieben Kapitel orientieren sich am holistischen Ansatz der Organisation sowie den Bedürfnissen der Opfer. Sie behandeln juristische Aspekte sowie Fragen medizinischer Hilfe und psychosozialer Beratung und spiegeln Erfahrungen aus Bosnien, Kosovo, Albanien und Afghanistan wider. Der Artikel von Gabriela Mischkowski illustriert den langen Weg von der erweiterten Haager Konvention von 1907, die Vergewaltigung nur indirekt verbot, bis zur Gründung des Internationalen Strafgerichtshofs, der Vergewaltigung, erzwungene Schwangerschaft und Menschenhandel als Straftatbestände betrachtet und Instrumente zur internationalen Strafverfolgung bietet. Als erstes verurteilte das Sondertribunal für Ruanda Vergewaltigungen in Kriegszeiten, gefolgt vom Tribunal für das frühere Jugoslawien. Allerdings bedeuten solche Verfahren Stress und Risiken für die Opfer, die vor Gericht aussagen. Sie benötigen daher unabhängige und kompetente Beratung und Unterstützung.

Zuvor brauchen die Opfer jedoch Hilfe, um mit ihren physischen und emotionalen Verletzungen fertigzuwerden. Monika Hauser, Gründerin und eine der Geschäftsführerinnen von medica mondiale, erklärt, wie die gynäkologische Behandlung von Vergewaltigungsopfern sowie Geburtshilfe an die prekären Bedingungen in Kriegsgebieten angepasst werden muss. Ingeborg Joachim und Karin Griese, zwei Psychologinnen, die von Anfang an für medica mondiale gearbeitet haben, bieten professionelle Richtlinien, die sich auf ihre umfangreichen wissenschaftlichen Studien zu Posttraumatischen Belastungsstörungen (PTSD) stützen. Bibliografische Hinweise am Ende jedes Kapitels, Internetlinks zu einzelnen Ländern und Themen sowie Informationen über das Mandat und die Arbeitsweise des Internationalen Strafgerichtshofs sind für weitere Recherchen nützliche Hilfsmittel.

Das Handbuch richtet sich hauptsächlich an Fachkräfte, die mit traumatisierten Frauen arbeiten. Es ist aber für alle eine lohnende Lektüre, die sexualisierte Gewalt nicht ungestraft sehen und bei der Bewältigung von Verletzungen helfen wollen. Das Buch sollte eine Pflichtlektüre für Experten sein, die Wiederaufbauprojekte in Nachkriegssituationen planen und verwirklichen.

Eva-Maria Bruchhaus