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Beiträge aus dem Schwerpunkt
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Dominic Johnson: In Wahlen geteilter Kongo
Peter Croll und Volker Franke: UN Peacebuilding Commission braucht positiven Friedensbegriff
Francis Rolt: Missverstandene Rolle der Medien
 12/2006
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Was Medien leisten können
Bilanz der ersten Jahre
Die Rolle von Journalisten in Krisenregionen wird oft nicht verstanden. Sie können zur Eskalation von Gewalt beitragen, aber auch Frieden, Versöhnung und Verständigung fördern. Es geht zudem nicht nur um Nachrichten. Sogar Seifenopern können Konflikte vermeiden helfen, wenn sie strittige Themen aus unterschiedlichen Blickwinkeln behandeln und gegenseitiges Verständnis fördern. Die Geberländer sollten ihre Unterstützung für Medien überdenken.
[ Von Francis Rolt ]
Die Vielfalt des Rundfunks reicht vom internationalen Satellitenfernsehen bis hin zu kleinen kommunalen Radiosendern. Sie können destruktiv, aber auch konstruktiv wirken. Manchmal tun sie beides, ohne sich darüber klar zu sein. Manchmal aber spielen Medien eine der beiden Rollen auch ganz bewusst.
Friedenskonsolidierung, Staats- und Nationsbildung stellen nicht unbedingt ein Kontinuum dar. Aus Frieden allein entstehen nicht notwendig gut regierte, stabile Staaten. Frieden bedeutet manchmal einfach die Abwesenheit von Gewalt, während die übrigen Bedingungen, die zur Eskalation der Gewalt beigetragen haben, gleich bleiben, wie zum Beispiel Ungleichheit, ungerechte Sozialsysteme oder Vorurteile.
Gewaltsame Konflikte können aber auch beim Schaffen eines Staates oder einer Nation durch ehrgeizige Politiker hervorgerufen werden. Slobodan Milosevic zum Beispiel setzte bei seiner Strategie der Staats- und Nationsbildung auf Exklusion; er gebrauchte dazu sehr wirkungsvoll die Medien. Dass es auch oppositionelle Sender wie Radio B92 gab, änderte daran nur wenig, zumindest kurzfristig. Es nährte allerdings die Hoffnungen derer, die den Kurs von Milosevic falsch fanden und das Apokalyptische seiner Vision erkannten.
Milosevic ist nicht der einzige Gewaltherrscher, der sich der Medien bediente. Charles Taylor aus Liberia machte es ebenso. Seine Vision für das Land beschränkte sich auf die Errichtung einer hierarchischen Kleptokratie (was möglicherweise auch die wahre Vision Milosevics war). Taylor ging es nicht darum, eine Nation oder einen Staat aufzubauen, doch gelegentlich bediente er sich patriotischer Rhetorik. Ähnliche Tricks haben auch anderswo funktioniert man denke nur an die jüngste Vergangenheit von Simbabwe, an Zaire unter Mobutu, an Ruanda und Burundi während unterschiedlicher Phasen seit der Unabhängigkeit oder an das krisengeschüttelte Angola der letzten 40 Jahre.
Meistens wissen Medienprofis mehr darüber, wie man eine Gemeinschaft oder ein Volk aufwiegeln kann also wie man Konflikte aktiv schürt , als darüber, wie man Frieden und Verständigung fördert. Das gilt für rund um die Uhr aktive internationale Nachrichtensender ebenso wie für kommunale Radiostationen mit zehn Watt Sendeleistung, die zwei Stunden am Tag Programm machen. Es ist offenbar viel schwieriger, eine positive als eine negative Wirkung zu erzielen. Zudem sind sowohl positive als auch negative Einflüsse nur schwer nachzuweisen. Es ist sogar fraglich, ob das berüchtigte Radio Television Mille Collines in Ruanda tatsächlich primär verantwortlich für den Genozid war oder ob es die Ereignisse lediglich widergespiegelt hat.
Schwierige Journalisten
Einige Nachrichtenjournalisten finden die Vorstellung absurd, die Medien könnten positiven Einfluss nehmen. Lyse Doucet meiner Meinung nach eine der besten BBC-Journalistinnen sagte 2002 auf einer Konferenz der Deutschen Stiftung für Internationale Entwicklung, dem Vorläufer von InWEnt: Journalisten sind keine Missionare oder Entwicklungshelfer. Wir gehören auch nicht zur Regierung. Niemand sollte von uns verlangen, Partei zu ergreifen nicht einmal in Zeiten des so genannten globalen Kriegs gegen den Terror.
Hier müssen zwei Punkte beachtet werden. Zum einen interpretiert diese Aussage meine Argumentation völlig falsch. Es geht nicht darum, dass Journalisten die eine oder andere Seite unterstützen, beispielsweise die internationale Gemeinschaft gegen den Terror. Das hat weder etwas mit Friedenskonsolidierung noch mit Journalismus zu tun. Journalisten sollten aber akzeptieren, dass sie sowohl denen gegenüber eine Verantwortung haben, über die sie berichten, als auch denen gegenüber, für die sie berichten. Leider haben genau jene Profijournalisten die größten Schwierigkeiten mit dem Zuhören, die für Debatten möglichst weit offen sein sollten.
Zum anderen haben viele lokal tätige Journalisten, mit denen ich in Konfliktgebieten zusammengearbeitet habe, mit dem Konzept kein Problem. Vielleicht ist es für sie leichter einsichtig, dass die von ihnen gesendeten Nachrichten sich direkt auf das Leben ihrer Familien, auf ihre Städte oder sogar Länder auswirken im Guten wie im Schlechten. Deshalb überlegen sich die Fähigsten unter ihnen sehr genau, was sie sagen und wie sie es sagen nicht im Sinne von Selbstzensur, sondern in Bezug darauf, wie sie über Ereignisse berichten.
Die Geber können das friedensfördernde Potenzial des Rundfunks dadurch erhöhen, dass sie den Aufbau von Netzwerken aus Radio- oder Fernsehsendern unterstützen, die dann gemeinsam an konfliktmindernden Programmen arbeiten. Ein Beispiel sind Wahlen: In fragilen Staaten sind das gefährliche Zeiten, in denen Friedensabkommen gebrochen und Verlierer gewalttätig werden, weil sie die Niederlage nicht akzeptieren. Es kursieren unzählige Gerüchte, die Gemüter kochen hoch, das Gewaltpotenzial ist allgegenwärtig.
In solchen Zeiten können Sendernetzwerke sehr nützlich sein. Jeder Partner deckt den Bereich oder die Region ab, wo sein Einfluss und sein Wissen am größten sind. Diese Expertise können die Sender sich wechselseitig zugute kommen lassen. Deartige Vereinbarungen haben mit zu den relativ friedlichen Wahlen in Liberia, Sierra Leone und Burundi beigetragen. Schnelle und zuverlässige Berichterstattung über die Ergebnisse hat die Transparenz und die Glaubwürdigkeit dieser Wahlen erhöht.
Nachrichten und andere Sendungen
Für friedensfördernde Medien gibt es keine Blaupause. Die Sender müssen kreativ sein. Und dabei geht es nicht nur um Nachrichten. Andere Inhalte können für die Friedensförderungen ebenso relevant oder sogar noch wichtiger sein. Medien und Nachrichtenjournalismus sind keine Synonyme.
In einem Krisengebiet traut niemand den Nachrichten. Die Menschen hören sich mehrere Kanäle an und versuchen sich aus den verschiedenen Versionen ein Bild zu machen. Andere Programme dagegen Seifenopern, Kindersendungen, Talkshows, Dokumentationen et cetera werden mit größter Aufmerksamkeit verfolgt. Wenn es den Medien gelingt, strittige Themen in diesen Formaten anzusprechen, dann können sie Brücken bauen und friedliche Lösungen fördern. Nachrichten und aktuelle Themen machen nur einen kleinen Teil der Gesamtsendezeit aus; andere Sendungen locken oft mehr Zuschauer und Zuhörer an und haben damit auch größeren Einfluss.
Die Geber konzentrieren sich meistens auf die freie Meinungsäußerung, die Journalistenausbildung (insbesondere das Verfassen von Nachrichten) und die Unabhängigkeit der Medien. Das sind wichtige Themen, ist aber nicht alles. Die Geberländer sollten anderen Aspekten der Medienarbeit mehr Aufmerksamkeit widmen.
In Postkonfliktländern erschöpft sich Medienförderung allzu oft in der Einrichtung von Sendern, ohne dass über Inhalte nachgedacht wird. Wenn man nicht weiß, was friedensfördernde Programme auszeichnet, ist es durchaus möglich, dass ein neuer Radio- oder Fernsehsender einen Konflikt unabsichtlich verstärkt.
Search for Common Ground (SFCG) ist die erste Nichtregierungsorganisation, die sich auf friedensfördernden Rundfunk spezialisiert hat. SFCG hat in Nigeria zum Beispiel eine TV-Serie produziert, die viele der Probleme anspricht, die das Land beschäftigen. Ein Magazin in Sierra Leone, das auf die Rehabilitierung von Ex-Kombattanten abzielte, wurde von ehemaligen Feinden gemeinsam gestaltet. Von Kindern und früheren Kindersoldaten gestaltete Sendungen in Liberia, Sierra Leone und der DR Kongo sollten auch andere Kinder ermutigen, aus dem Busch herauszukommen. Eine Dokumentarreihe in Burundi präsentierte Helden, die Angehörige der jeweils anderen Ethnie gerettet haben, anstatt sie umzubringen. In Israel/Palästina beschäftigte sich eine Fernsehserie mit der schwierigen Endstatus-Frage. Eine Radio-Seifenoper hilft in Nepal jungen Menschen, sich aus der Zwangslage zwischen Armee und Maoisten zu befreien.
Andere Organisationen und Produktionsfirmen, Radio- und Fernsehsender machen eine ähnliche Arbeit. So produzierte Trojan Horse Productions (jetzt Storyteller Films) zum Beispiel eine hervorragende Fernsehserie über friedensfördernde Initiativen in Uganda, Somalia und anderen Ländern. Radio Netherlands Training Centre bietet Kurse zu friedensförderndem Radio und Fernsehen an. Baraka FM in Mombasa hat die Führer christlicher und muslimischer Gemeinden an einen Tisch gebracht, um Missverständnisse aufzuklären und schwelende Konflikte zu entschärfen. Das ist etwas ganz anderes als das, was andere, nicht-lokale Radio- oder TV-Sender machen, die solche Prediger gern deshalb zusammenbringen, damit sie sich in der Sendung streiten.
Es gibt nur wenige Sender, die ihr Programm systematisch dem Ziel der Friedenskonsolidierung verschrieben haben. Dabei kann ein solches Programm genauso herausfordernd, spannend und interessant sein wie normale sprich: kommerzielle Programme.
Nur sehr wenige Geber interessieren sich für die Produzenten solcher Programme sie setzen auf kurzfristige Wirkung und konzentrieren sich auf Nachrichten. Dabei lassen nur wenige Produzenten die Chance ungenutzt, friedensbildende Formate herzustellen, wenn sie denn mit den nötigen Fähigkeiten und Kenntnissen ausgestattet werden. Viele versuchen sogar, friedensfördernde Programme zu produzieren, ohne zu wissen, wie das geht. Sie versuchen mühsam, an Informationen zu kommen, und verschlingen sie geradezu, wenn sie welche finden. Dass ein Projekt wie SCGF Radio for Peacebuilding in Afrika (www.radiopeaceafrica.org) so viele Profis auch aus nichtafrikanischen Ländern anzieht, zeigt, wie dürftig die verfügbaren Informationen sind. Anders ausgedrückt: Die Medien insgesamt und nicht nur die Nachrichtensender verdienen die Aufmerksamkeit der Geber.
Schlussfolgerung
Ich arbeite seit acht Jahren in diesem Bereich und war davor mehr als zehn Jahre lang journalistisch tätig. In dieser Zeit hat sich nicht viel geändert. Immer noch wollen die Geber Beweise dafür, dass positive Programme funktionieren, sind aber nicht bereit, die erforderliche Forschung zu finanzieren. International tätige Nachrichtenjournalisten meinen noch immer, sie hätten mit Friedenskonsolidierung nichts zu tun, obwohl viele durchaus bereit sind, als Kriegsbefürworter aufzutreten, wie der Irakkrieg gezeigt hat. Nur wenige Organisationen und Geber sind bereit, in die Weiterbildung von friedensfördernden Radio- und TV-Experten zu investieren, die keine Nachrichten machen. Dieser Bereich steckt noch in den Kinderschuhen, die Forschung greift das Potenzial nur langsam auf. Akademiker bewegen sich lieber auf sicherem Terrain und diskutieren über freie Meinungsäußerung und Zensur, statt sich auf das unwegsame Gebiet friedensfördernder Medien zu begeben.
Doch der Eifer, mit dem Radio- und TV-Sender in Konfliktländern diese Ideen aufnehmen, wenn sie ihnen erst einmal nahegebracht wurden, ermutigt mich. Das sind keine einfachen Themen, sie erfordern harte Arbeit und die Bereitschaft, sich mit neuen Konzepten und Ideen auseinanderzusetzen. Doch überall in Afrika und auch anderswo greifen Radio- und TV-Verantwortliche sie auf und leisten ganz außergewöhnliche Arbeit.
Francis Rolt
ist Radiodirektor von Search for Common Ground, einer Organisation aus den USA zur Verhütung von Gewaltkonflikten. Er hat das von SFCG betriebene Studio Ijambo in Burundi geleitet und führt auf der ganzen Welt Trainingskurse durch.
francis.rolt@sfcg.be
http://www.sfcg.org
http://www.radiopeaceafrica.org
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