E+Z - Entwicklung und Zusammenarbeit (Nr. 10, Oktober 2000, S. 267)
Verwaltungsförderung - ein vernachlässigter Arbeitsbereich
Reinhold E. Thiel
Im vorigen Heft von E+Z war von Länderkonzepten die Rede und davon, dass die Partnerländer ihre eigenen Entwicklungsstrategien entwerfen sollten: ownership, country in the drivers seat. Darauf aber sind diese Länder häufig nicht vorbereitet. Die Administrationen in vielen Entwicklungsländern, vor allem in den ärmeren, sind kaum in der Lage, effiziente Dienstleistungen für ihre Bürger zu erbringen, geschweige denn, Strategien für die Beseitigung der Armut und die wirtschaftliche und soziale Entwicklung ihres Landes zu entwerfen. Es wäre also die wichtigste Aufgabe, die es zur Zeit gibt, die fehlenden Voraussetzungen für Ownership herzustellen. Gebraucht wird der capable state: Die Entwicklungszusammenarbeit müsste dazu beitragen, ihn zu schaffen.
Für dieses Arbeitsfeld gibt es das etwas altmodische Wort Verwaltungsförderung. Die Aufgabe, die sich dahinter verbirgt, wird von der deutschen Entwicklungspolitik seit Jahren ignoriert. Das BMZ-Sektorpapier Verwaltungsförderung stammt aus dem Jahr 1983 und wurde seither nicht aktualisiert. 1995 wurde der Verwaltungswissenschaftler Rainer Pitschas gebeten, einen neuen Entwurf zu schreiben, was er auch tat - das Papier gefiel dem Ministerium nicht und blieb in der Schublade. Dafür mag es Gründe gegeben haben; es wurde aber auch niemand anders beauftragt. Zwei Mitarbeiter der GTZ, Albrecht Stockmayer und Markus Steinich, haben einen weiteren Entwurf geschrieben; auch über seinen Verbleib ist nichts bekannt. Im BMZ wurde für das zuständige Referat eine Zeitlang die Auflösung erwogen, dann wieder verworfen, aber es blieb bei einem Mauerblümchen-Dasein. Bei der GTZ wurde die entsprechende Arbeitseinheit radikal verkleinert. Zwar hat die GTZ im Auftrag des Ministeriums eine Reihe von Projekten zur Dezentralisierung der Verwaltung durchgeführt, aber mit beschränktem Erfolg (s. u.). Die DSE hat beharrlich ihre Kurse zur Personalentwicklung im Bereich der öffentlichen Verwaltung betrieben, die inzwischen häufiger im Gastland stattfinden. Veränderungen gab es auch beim Deutschen Entwicklungsdienst: Der ließ sich, schon 1994, von Klaus Simon ein neues Konzept schreiben und baute den Arbeitsbereich Verwaltungsberatung aus. Aber DED und DSE sind zu schwach, um die vielerorts notwendigen fundamentalen Verwaltungsreformen anzustoßen und zu begleiten.
Die Aufgaben, vor denen die Verwaltungszusammenarbeit (VZ) steht, sind groß und komplex. Das britische Entwicklungsministerium hat im Juni dieses Jahres den Entwurf eines Sektorpapiers zur öffentlichen Diskussion vorgelegt (Making Government Work for Poor People, 32 S.). Darin wird ein Resümee bisheriger VZ gezogen: The majority of civil service reform projects have been unsuccessful. Die Gründe: Viele der Projekte haben sich entweder auf zu kleine Ausschnitte der Administration bezogen, oder sie haben nichts weiter als eine Verminderung der Zahl der Staatsbediensteten angestrebt. Nötig sind aber umfassende Reformen: In most countries, improved service delivery will depend on comprehensive reform of public services. Nötig ist the adoption of a comprehensive government-wide
approach. Die britische Entwicklungspolitik, die auch ihr Budget kontinuierlich steigert, hat dies zu einem ihrer Schwerpunkte gemacht. In Tansania und Uganda sind umfassende Verwaltungsreformen mit britischer Hilfe durchgeführt worden, offenbar mit beträchtlichem Erfolg. Jetzt wagt man sich an den scheinbar hoffnungslosen Fall Kenia: Soeben hat Großbritannien die ersten 35 Millionen Pfund für eine Reform der öffentlichen Verwaltung in diesem Land bereitgestellt.
Dass auch in Deutschland, trotz des Reformstaus im Ministerium, weiter über den Arbeitsbereich nachgedacht wird, zeigen die Beiträge dieses Heftes. Markus Adam beschreibt in einem einleitenden Artikel, wie sich die Vorstellung von Good Governance entwickelt hat, die die theoretische Untermauerung von Verwaltungsreformen darstellt. Franz Thedieck beleuchtet die Situation der Verwaltungsförderung im BMZ und mahnt eine Verstärkung der Aktivitäten an. Friedrich Bolay, Reinhard Koppe und Paul Schlüter berichten über die Kooperation zwischen der DSE und dem vietnamesischen Verwaltungsinstitut. Jörn Altmann schließlich zieht ein Resümee der Zusammenarbeit im Bereich der Dezentralisierung. E+Z Entwicklung und Zusammenarbeit, herausgegeben von der Deutschen Stiftung für internationale Entwicklung (DSE) Redaktionsanschrift: E+Z Entwicklung und Zusammenarbeit, Postfach, D-60268 Frankfurt
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