E+Z - Entwicklung und Zusammenarbeit (Nr. 10, Oktober 2001, S. 307)


Die Bekämpfung von AIDS setzt Aufklärung voraus
In Afrika und Asien hilft die DSE bei der Enttabuisierung der Immunschwächekrankheit

Aus der Arbeit der DSE


Die Fachgruppe Gesundheit im Bonner Zentrum der DSE für Bildung, Gesundheit und öffentliche Verwaltung hat die Umsetzung des Konzepts von "Primary Health Care" zum Ziel. Allgemein zugängliche, bezahlbare und qualifizierte Gesundheitsdienste leisten zusammen mit wirtschaftlicher Entwicklung und politischer Stabilität einen wichtigen Beitrag zur Armutsminderung. Weil Gesundheit ein öffentliches Anliegen ist und der Staat eine maßgebliche Rolle für die Basisgesundheitsversorgung der Bevölkerung spielt, richten sich die Maßnahmen der Fachgruppe vor allem an Fach- und Führungskräfte aus staatlichen Gesundheitsdiensten und Fortbildungsinstitutionen, aber auch an NROs.


Weltweit leben mehr als 36 Millionen Menschen mit dem AIDS-Virus HIV, davon über 25 Millionen in Afrika südlich der Sahara. Lebensrettende Medikamente sind für die infizierten Menschen in den meisten Teilen der Welt unerschwinglich. Allein im Jahr 2000 starben laut Bundesgesundheitsministerium weltweit rund drei Millionen Menschen an der Immunschwäche. AIDS ist eine Katastrophe für die Erkrankten und ihre Familien. Zugleich hat die Krankheit katastrophale Auswirkungen auf die wirtschaftlichen und sozialen Strukturen der am meisten betroffenen Länder. In einigen afrikanischen Ländern ist die durchschnittliche Lebenserwartung auf das Niveau der 50er Jahre gesunken. Besonders die erwerbstätigen Familienmitglieder sind infiziert; die Zahl der AIDS-Waisen weltweit ist auf über 13 Millionen gewachsen.

Anders als im Falle vieler anderer Infektionskrankheiten können Menschen sich vor AIDS durch Verhaltensänderungen und Prävention schützen. Aber Verhaltensänderungen setzen Enttabuisierung und Aufklärung voraus, und beides stößt in vielen Gesellschaften auf kulturelle, gesellschaftliche, religiöse oder politische Widerstände. Diese Widerstände verbauen jungen Menschen, vor allem solange sie nicht verheiratet sind, in vielen Ländern den Zugang zu Wissen über und Methoden von Familienplanung, was ein wesentliches Hindernis für selbstverantwortliches Sexualverhalten und damit auch die AIDS-Prävention ist. Die DSE organisiert seit 1998 Seminare für Teilnehmer aus afrikanischen und asiatischen Ländern, in denen es darum geht, solche Widerstände zu überwinden und Aufklärung zu erleichtern. Dazu werden Vertreter staatlicher und nichtstaatlicher Organisationen aus den Bereichen Gesundheit, Jugend, Bildung und Erziehung sowie Fachkräfte aus Projekten der GTZ zu Familienplanung und AIDS-Prävention eingeladen. Im länderübergreifenden Dialog sollen Erfahrungen über Programmansätze ausgetauscht und Strategien entwickelt werden, um wichtige gesellschaftliche Akteure zu sensibilisieren. Begleitet werden diese Seminare, die ab 2002 zu einem überregionalen Programmpaket ausgebaut werden, von der Entwicklung zielgruppenspezifischer Medien für Jugendliche zu Themen der Sexualaufklärung.


Erfahrungsaustausch
zwischen Ärzten
aus afrikanischen Ländern

Medizinisch-fachliche Weiterbildung muss - insbesondere in Entwicklungsländern - bei der Einführung neuer therapeutischer Verfahren nicht nur prüfen, ob diese medizinisch machbar sind, sondern auch, ob sie finanzierbar sind. Zielkonflikte zwischen der Sicherung einer medizinischen Grundversorgung und den Erfordernissen einer teuren und infrastrukturintensiven Spezialtherapie wurden im Dezember 2000 bei einem Nachkontaktseminar des Ärzteprogramms der DSE diskutiert. Dazu eingeladen waren 34 Ärzte und Ärztinnen aus 14 afrikanischen Ländern, die nach dem Medizinstudium in Deutschland in ihren Heimatländern im Gesundheitssektor tätig sind. Die Teilnehmer beschäftigten sich mit dem Stand der Pandemie in ihren Herkunftsländern und mit beispielhaften Ansätzen der AIDS-Arbeit auf staatlicher und nichtstaatlicher Ebene. Sie diskutierten die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse (Virologie, neue diagnostische Verfahren, Behandlung und Prävention von opportunistischen Infektionen wie z. B. Tuberkulose, Zusammenhänge mit tropischen Erkrankungen und Geschlechtskrankheiten, Stand der Impfstoffentwicklung) und bewerteten Ansätze zur Vorbeugung der Mutter-Kind-Übertragung sowie zur Einführung von antiretroviralen Arzneimitteln. Zur kontinuierlichen Weiterentwicklung des gemeinsamen Wissensstandes und zur Intensivierung des Süd-Süd-Erfahrungsaustausches soll dieser Nachkontakt des Ärzteprogramms ab 2002 auf der Grundlage von Informations- und Lernangeboten im Internet fortgesetzt werden.

Die Bekämpfung von AIDS ist nicht mehr nur eine Aufgabe des Gesundheitssektors, sondern längst eine Querschnittsaufgabe der deutschen Entwicklungszusammenarbeit insgesamt. Ziel einer für Dezember 2001 in Berlin geplanten Tagung ist es, den Stellenwert von AIDS als Entwicklungshindernis zu erörtern, um die Krankheit bei der Planung, Durchführung und Evaluierung von Projekten und Programmen besser berücksichtigen zu können. Dazu sind Vertreter aller Fachbereiche der DSE, des DED, der GTZ, der KfW und von Consultingfirmen eingeladen worden.


HIV-Prävention und Medien

Aufklärung bedeutet auch Öffentlichkeitsarbeit: Gemeinsam mit dem Internationalen Institut für Journalismus (IIJ) der DSE plant die Fachgruppe Gesundheit einen Trainingskurs zur Berichterstattung über AIDS in der Presse ausgewählter Länder des südlichen Afrika. Diese Maßnahme zielt darauf ab, der AIDS-Problematik mit ihren wirtschaftlichen und sozialen Konsequenzen einen angemessenen Platz im öffentlichen Bewusstsein zu verschaffen und persönliche Verhaltensänderungen zu bewirken. Journalisten anerkannter Tages- und Wochenzeitungen sollen sich im Rahmen des Seminars damit auseinandersetzen, wie die Berichterstattung über AIDS in den Medien ihrer Heimatländer intensiviert werden kann. Den Teilnehmern sollen neue fachliche Erkenntnisse über die Pandemie, ihre Übertragungsformen und über Präventionsmethoden vermittelt werden. Auf dieser Grundlage sollen sie die journalistische Darstellung der Problematik diskutieren.


Weitere Informationen:

DSE, Zentrum für Bildung, Gesundheit und öffentliche Verwaltung,
Fachgruppe Gesundheit, Tulpenfeld 4, 53113 Bonn,
Tel.: 0228/2434-813, Fax -844,
E-Mail: e_koob@dse.de
Internet: www.dse.de/zg/zg.htm



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