E+Z - Entwicklung und Zusammenarbeit (Nr. 1, Januar 2001,
S. 20)

Das Internet macht es Journalisten leichter und der Zensur schwerer
Die neuen Medien spielen in der Journalisten-Fortbildung der DSE eine immer größere Rolle
Peter Prüfert

Das Internationale Institut für Journalismus (IIJ) der DSE hat seinen Sitz in Berlin. Das Ziel der Fortbildungsprogramme des IIJ ist die fachliche Qualifizierung von Presse- und Agenturjournalisten aus Entwicklungsländern. Durch pluralistische und informative Berichterstattung sollen Fortschritte in der Demokratisierung der Partnerländer erreicht werden.
Zielgruppen sind u. a. Reporter und Redakteure, Fachjournalisten, Manager von Verlagen und Agenturen sowie Journalistenausbilder. Die Arbeitsschwerpunkte des IIJ sind durch die journalistische Praxis bestimmt. Durch "learning by doing" werden journalistische Techniken vermittelt, die sich mit allen wichtigen Bereichen des Zeitungsmachens befassen. Spezialkurse richten sich z. B. an Wissenschafts- oder Wirtschaftsjournalisten. Seminare und Workshops bietet das IIJ in Kooperation mit lokalen Partnern auch im Ausland an.
"Frau Ministerin, erlauben Sie ein paar Fragen?" Es ist Tag der offenen Tür beim BMZ in Berlin. Geduldig beantwortet Heidemarie Wieczorek-Zeul die Fragen der Journalisten aus Afrika und Asien, obwohl ihre Begleitung drängt. Der nächste Termin wartet.
Für die meisten der Journalisten - Teilnehmer des dreimonatigen Fortbildungsprogramms "Elektronische Redaktion" des Internationalen Instituts für Journalismus (IIJ) der DSE - ist das eine ganz neue Erfahrung: hautnahen Kontakt und direkten Zugang zu prominenten Politikern zu haben, ohne endlose Sicherheitschecks und Wochen vorher schriftlich eingereichte Fragen. Gelebte Demokratie, wie sie vor Ort in den wenigsten Entwicklungsländern demonstriert werden könnte. "Ich wünschte, wir könnten mit den Politikern zu Hause ebenso leicht reden", sagt einer der kenianischen Journalisten.
Scheinbar hat ein Programm zum Thema "Elektronische Redaktion" mit Demokratie wenig zu tun. Aber eben nur scheinbar. Denn Journalismus hat mit Zugang zu Information, mit Aufklärung, mit bewusster Teilnahme an gesellschaftlichen Prozessen zu tun - mit ebenden Elementen, die zum Wesen der Demokratie gehören. Das ist es, was diese Erfahrung für die Teilnehmer so wichtig macht.

Das Internet macht die Kontrolle
von Informationen immer schwieriger
In vielen Ländern, die sich von jeher durch repressive Regime auszeichnen, hat es in den letzten Jahren dramatische Veränderungen gegeben: Teilweise gibt es dort heute Dutzende von privaten Zeitungen. Zwar werden vielerorts noch verzweifelte Rückzugsgefechte ausgetragen, um den Zugang zu Informationen zu kontrollieren oder diese sogar zu zensieren. Doch macht das Internet solche Bemühungen mehr und mehr zunichte. Es ist abzusehen, dass auch die letzten Versuche der Einflussnahme und Kontrolle wegen erwiesener Erfolglosigkeit aufgegeben werden.
Der Kurs des IIJ behandelte die folgenden, für die Arbeit des Journalisten im und mit dem Internet zentralen Themen:
- Orientierung im Internet;
- Herausfiltern relevanter Informationen;
- Attraktive Präsentation und Aufbereitung von Informationen im Internet, ohne dem eigenen Druckmedium Konkurrenz zu machen.
Der Kurs war ein großer Erfolg. Auch die Journalisten, die bereits Erfahrungen mit der Arbeit im Netz hatten, konnten neue Erkenntnisse mitnehmen, etwa zur Frage, welche Inhalte in welcher Form entweder ins Blatt oder auf den Internetseiten erscheinen sollten. Damit wurden weitere kleine Schritte auf dem Weg zur Professionalisierung der Presse in den Heimatländern der Kursteilnehmer getan. Den Journalisten wurde deutlich, dass ihr Beruf die sachliche, korrekte und möglichst objektive Berichterstattung bedeutet, die es dem Leser erlaubt, sich in der Gesellschaft zu orientieren. Wenn der Journalist dies beherrscht, dann kann er seine Rolle im Spiel der demokratischen Meinungsbildung erfüllen.
Die Fortbildungsprogramme des IIJ finden aber nicht nur in Deutschland statt. Im vergangenen Jahr wurden Seminare in Indien, Nepal, Togo und Mali veranstaltet. Dabei ging es um so wichtige Themen wie Recherche, journalistische Darstellungsformen und Wirtschaftsjournalismus.
Ein weiterer "Ort" für Fortbildungsaktivitäten ist das Internet. Von Juni bis November 2000 führte das IIJ dort ein Pilotprogamm für Wirtschaftsjournalisten aus sieben Ländern durch: mit Vorlesungen, Informationsaustausch und praktischen Übungen, Korrekturen und Diskussionsrunden (Chats) - alles im Netz. Als Teilnehmer an dieser Veranstaltung waren Absolventen früherer Programme ausgesucht worden. Dieser erste Versuch ist sehr erfolgreich verlaufen, und es zeigte sich, welch ideales Medium das Netz für die Nachkontaktpflege ist. Das Resultat ermutigt dazu, in den kommenden Jahren weitere Fachthemen in Internetkursen einer noch größeren Zahl von Journalisten zugänglich zu machen.
Seit einigen Jahren nutzt das IIJ bereits das Internet für eine andere Form der Nachkontaktpflege: Ein elektronisches Netzwerk verbindet einige hundert Teilnehmer früherer Kurse und erlaubt es ihnen, untereinander Kontakt aufzunehmen und Erfahrungen und Informationen auszutauschen. Davon wird rege Gebrauch gemacht, und das Netz wächst ständig weiter. Die aktivste Gruppe in diesem Netz sind die Umweltjournalisten. Sie haben sich bereits zu weiteren Sub-Netzen zusammengeschlossen, in denen Informationen rasch weitergeleitet werden.

Auf dem Balkan will das IIJ helfen,
Konflikte abzubauen
Auf einem anderen Gebiet wird das IIJ in den kommenden Jahren verstärkt aktiv werden. Im Rahmen des Stabilitätspaktes für den Balkan wollen das IIJ, die GTZ und die beiden Fortbildungsstätten der Deutschen Welle Aus- und Fortbildungsprogramme für Medienvertreter aller Länder der Region organisieren. Diese Programme sollen die Voraussetzungen dafür schaffen, dass Menschen wieder miteinander kommunizieren, Spannungen und Konflikte abgebaut werden und die Demokratie auch in diesem Teil der Welt eine Chance erhält.
Weitere Informationen:
Internationales Institut für Journalismus, Hallerstr. 3, 10587 Berlin, Tel.: 030/43996-0, Fax: -260, E-mail: iij@dse.de,
Internet: www.dse.de/iij/iij.htm

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herausgegeben von der Deutschen Stiftung für internationale Entwicklung (DSE)
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