E+Z - Entwicklung und Zusammenarbeit (Nr. 4, April 2001, S. 117)


Nachkontakt im virtuellen Raum
E-mail und Internet machen ein Netzwerk ehemaliger DSE-Kursteilnehmer effizient

Thomas Brinks


Für Teilnehmer von DSE-Kursen in den Bereichen "Genetische Ressourcen" und "Biotechnologie" wurde im November 1999 an der Universität Hannover ein von der DSE finanziertes Netzwerk eingerichtet. Ziel ist es, die Teilnehmer in ihren Forschungsarbeiten zu unterstützen, den Austausch zwischen ihnen zu fördern und den Kontakt zur DSE aufrechtzuerhalten. E-mail und Internet erleichtern die Koordination der ständig wachsenden Informationsflüsse im Netzwerk erheblich, doch kann auf "alte Medien" nicht vollständig verzichtet werden, da viele Teilnehmer elektronisch nicht erreichbar sind.


Im November 1999 wurde an der Universität Hannover ein von der DSE finanziertes Netzwerk für Teilnehmer von DSE-Trainingskursen der Bereiche "Genetische Ressourcen (Plant Genetic Resources, PGR)" und "Biotechnologie" eingerichtet. Ziel der Kurse ist es, die teilnehmenden Wissenschaftler in modernen Methoden der Biotechnologie und zur Erhaltung der PGR in ihren Heimatländern zu schulen. Die Kurse sollen darüber hinaus als Basis für die Mitarbeit in internationalen Forschungsvorhaben, z. B. von der EU geförderten Projekten dienen.

Ziel des Netzwerks ist es, die Teilnehmer nach Absolvierung der Trainingskurse in ihren Forschungsarbeiten zu unterstützen, den Austausch zwischen ihnen zu fördern und den Kontakt zur DSE und den Dozenten aufrecht zu erhalten. Derzeit sind insgesamt 376 Teilnehmer aus 46 Ländern im Netzwerk registriert.

Die Idee zu dem Netzwerk entstand während des ersten Biotechnologiekurses im Jahre 1995: Die Teilnehmer stellten übereinstimmend fest, dass es zwischen Entwicklungsländern nur sehr wenige gemeinsame Projekte und Forschungsvorhaben im agrarwissenschaftlichen Bereich gebe. Was lag also näher, als weiter in Kontakt zu bleiben mit dem Ziel, diesen Mangel zu lindern? Die Teilnehmer beschlossen, nach Ende des Kurses weiter Informationen auszutauschen. Im Mittelpunkt sollten dabei die Themen des Kurses stehen: Anwendungen der Zell- und Gewebekultur sowie Molekularbiologie in der Grundlagen- und der angewandten Forschung, biologische Sicherheit, rechtliche Aspekte von PGR und Biotechnologie (Patente, geistiges Eigentum) und agrarwissenschaftliches Forschungsmanagement.


E-mail und Internet
erleichtern die Koordination von Informationsflüssen ...

In der Anfangsphase fand dieser Informationsaustausch noch überwiegend über die "alten Medien" wie Fax und Post statt. Doch mit steigender Teilnehmerzahl und einer sich verbessernden Ausstattung vieler Teilnehmer mit Computern wurden immer stärker auch die Möglichkeiten der E-mail genutzt. Mit der Teilnehmerzahl - die nach fünf Kursen Ende 1997 bei 80 lag - wuchs auch die Notwendigkeit, aus dem losen Informationsverbund ein institutionalisiertes Netzwerk zu machen. Eine zentrale Koordinationsstelle wurde vor allem dafür gebraucht, den Kontakt zwischen Teilnehmern verschiedener Kurse zu fördern, der von allein nicht in Gang kam. Auf Grund dieser Nachfrage entwickelte die DSE ein Angebot, das in Verbindung mit den neuen Medien als neue Dienstleistungseinrichtung im Bereich Entwicklung und Zusammenarbeit fungiert.

So wurde eine Website eingerichtet (www.agri-biotech-network.de), auf der allgemeine Informationen über das Netzwerk oder die Kurse der DSE in den Bereichen PGR und Biotechnologie sowie Literaturtipps und Hinweise auf nützliche Links zu finden sind. Da Netzwerk-Teilnehmer und Dozenten immer wieder über die häufig sehr dürftige Ausstattung der Laboratorien in ihren Heimatländern berichten, bietet die Website unter der Überschrift "Cheap Alternatives in Laboratory Practice" außerdem eine Sammlung praxisorientierter Empfehlungen für den Laboralltag, die von den Teilnehmern laufend ergänzt wird.

Speziellere Informationen (Beiträge oder Anfragen ehemaliger Kursteilnehmer) werden dagegen nicht auf die Website gestellt, sondern zunächst von der Koordinationsstelle gesammelt und dann in loser Folge über E-mail-Rundbriefe verschickt. Anfragen zu speziellen Problemen werden zusätzlich gezielt solchen Teilnehmern geschickt, die in einem ähnlichen Bereich arbeiten und eventuell über Kenntnisse verfügen, die so nicht im Lehrbuch stehen. Beispiel: Eine Wissenschaftlerin aus Uganda sollte eine besondere sterile Gewebekultur für Bananen aufbauen. Dazu fand sie zwar einiges Wissenswertes in Fachbüchern, doch war ihr daran gelegen, sich mit Kollegen über deren praktische Erfahrungen auszutauschen. Über die Koordinationsstelle in Hannover wurde ihre Anfrage an alle Teilnehmer weitergeleitet, die mit Bananen in diesem Bereich arbeiten. Von diesen erhielt sie eine Fülle nützlicher Hinweise für ihre Arbeit, wie sie der Koordinationsstelle bald darauf mitteilte.

Darüber hinaus hilft die Koordinationsstelle den Netzwerk-Teilnehmern bei der Planung von Projekten, der Abfassung von Projektanträgen und der Suche nach geeigneten Projektpartnern oder Studien- und Fortbildungseinrichtungen. Und auch für die DSE bringt der durch das Netzwerk institutionalisierte Kontakt zu ehemaligen Kursteilnehmern Erkenntnisgewinne: So brachte eine Umfrage ans Licht, dass 25 % aller Kursteilnehmer ihre Forschungs- oder Arbeitssituation nach ihrer Rückkehr verbessern konnten, sei es durch mehr Verantwortung im Beruf oder ein weiterqualifizierendes Studium.


... doch nach wie vor sind viele Teilnehmer
elektronisch nicht erreichbar

Nach wie vor sind neben den neuen Medien "alte" Kommunikationswege von großer Bedeutung für das Netzwerk. Denn immerhin 40 % der Teilnehmer verfügen entweder über keinen Computer oder aber über keinen E-mail- oder Internet-Zugang. Für sie werden die aktualisierten Informationen von der Website und die E-mail-Rundbriefe im vierteljährlich erscheinenden Journal "The Networker" zusammengefasst. Die DSE versucht zwar, durch die Bereitstellung gebrauchter Computer und Modems den Anteil elektronisch erreichbarer Netzwerkteilnehmer zu erhöhen. Doch das Beispiel macht deutlich, dass Netzwerke - selbst im wissenschaftlichen Bereich - mit Teilnehmern aus Entwicklungsländern noch lange nicht ausschließlich auf den neuen Medien aufgebaut sein können.


Thomas Brinks ist wissenschaftlicher Mitarbeiter im Lehrgebiet Molekulargenetik an der Universität Hannover und Koordinator des DSE-Netzwerks
brinks@mbox.lgm.uni-hannover.de



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