E+Z - Entwicklung und Zusammenarbeit (Nr. 4, April 2001, S. 118)


Armutsbekämpfung über Glasfaser und Funknetz
Telekommunikation kann dazu beitragen, die Lage der ländlichen Bevölkerung zu verbessern

Joachim von Braun, Romeo Bertolini, Dietrich Müller-Falcke


In Bangladesch nutzen Händlerinnen mietbare Handies dazu, bessere Preise für ihre Produkte auszuhandeln. In Laos herrscht eine so große Nachfrage nach Telekommunikation, dass das ländliche Telefonnetz ein lohnendes Geschäft für den Anbieter ist. Und in der Provinzhauptstadt Akatsi in Süd-Ghana wünscht sich ein Copy-Shop-Betreiber sehnlichst einen Telefonanschluss, um seine unternehmerischen Aktivitäten ausdehnen zu können. Drei Beispiele, die zeigen, dass es sich auch aus entwicklungspolitischer Sicht lohnt, der Landbevölkerung in den armen Ländern Zugang zu neuen Medien zu verschaffen. Notwendig sind ein entsprechendes Engagement aller relevanten Akteure, investitionsfreundliche Rahmenbedingungen und angemessene technische Lösungen.


Dass neue Informations- und Kommunikationstechnologien den Schwellenländern wirtschaftliche Vorteile bringen können, steht außer Zweifel. Wenn über den entwicklungspolitischen Nutzen der neuen Medien debattiert wird, geht es dabei vor allem um die Frage, was diese den armen Ländern und dort der ärmsten Bevölkerung auf dem Land bringen können. Können Internet, Handies und andere Technologien einen Beitrag zur Armutsbekämpfung leisten? In der "Okinawa Charter on Global Information Society" der Staats- und Regierungschefs der größten sieben Industrieländer und Russlands (G8) vom Juli 2000 heißt es dazu, Informationstechnologien eröffneten neue wirtschaftliche Möglichkeiten für jeden. Forschungsergebnisse des Zentrums für Entwicklungsforschung (ZEF) in Bonn bestätigen, dass auch arme Bevölkerungsschichten in ländlichen Gebieten von den neuen Medien profitieren können - vorausgesetzt, dass bestimmte politische und institutionelle Rahmenbedingungen gegeben sind und innovative technologische Verfahren angewandt werden.


"Village-Phones":
Telefone für die Armen in Bangladesch

Ein gutes Beispiel dafür ist das "Village-Phone"-Programm der Grameen-Bank: Indem Frauen Mobiltelefone auf Kredit verkauft wurden, hat innerhalb von nur drei Jahren eine große Zahl von Dörfern in Bangladesch Zugang zu Telefondiensten erhalten. Nurjahan Begum aus dem Dorf Boura war eine der ersten Frauen, die im Rahmen des Programms ein Handy auf Kredit erhalten hat, den sie innerhalb von drei Jahren durch Zahlungen von ca. sechs Mark pro Woche zurückzahlen muss. Mit Hilfe des Handies holt sie ein Mehrfaches dieser Kosten wieder rein: Jede Woche wickeln die Dorfbewohner 150 bis 170 Anrufe über ihr Handy ab, die Nurjahan mit 18 Pfennig pro Minute für ein Inlandsgespräch berechnet. Ihr durchschnittlicher Nettogewinn (also abzüglich der Kredittilgung) beträgt rund 12 Mark in der Woche - ein lohnendes Geschäft.

Nurjahan ist Kundin der Grameen-Bank, der wohl berühmtesten Kleinkredit-Organisation weltweit. Die Zuverlässigkeit, mit der Nurjahan ihre Kredite an Grameen zurückgezahlt hat, qualifizierte sie für das "Village-Phone"-Programm. Die Benutzer ihres Mobiltelefons sind vor allem Kleinhändler, die sich über die Marktlage in der Stadt informieren wollen, ehe sie sich selbst mit ihrer Ware auf den Weg machen oder diese an einen fliegenden Händler verkaufen. Aber auch der Anruf beim Apotheker, Arzt oder beim landwirtschaftlichen Berater, weil die Hühner krank sind, sind Anlässe dafür, die von Nurjahan angebotene Dienstleistung in Anspruch zu nehmen.

Eine typische Nutzerin des "Village-Phones" ist Halima Kathun: Sie gehört als auf dem Land lebende Frau zu den ärmsten der Armen in Bangladesch, konnte aber bei der Grameen-Bank in den letzten Jahren Kleinkredite aufnehmen und ihre ökonomischen Aktivitäten erweitern. Da alle vier Kinder Halimas zur Schule gehen und ihr Mann als Kleinhändler nicht besonders gut verdient, versucht sie, durch Hühnerzucht und Eierproduktion zusätzliches Einkommen zu schaffen. Sobald sie 50 bis 60 Eier angesammelt hat, verkauft sie diese. Durch die Nutzung des "Village-Phones" ihrer Nachbarin, die Mitglied derselben Mikrokreditgruppe ist, kann Halima einen besseren Preis erzielen. Sie ruft beim nahen Großmarkt an, fragt nach dem Preis für Eier und vergleicht ihn mit den Preisen, die ihr die Zwischenhändler im Dorf anbieten. So bot ihr ein Händler beispielsweise für ein Dutzend Eier 48 Taka an. Mit einem Telefonanruf fand Halima heraus, dass dieser Preis vom Großhändler um 6 Taka übertroffen wird. Mit diesem Wissen und der dadurch besseren Verhandlungsposition gelang es ihr, das Geschäft schließlich mit 52 Taka für das Dutzend Eier abzuschließen.

Doch es sind nicht nur die messbaren Veränderungen bei den Einkommen, an denen die Vorteile der "Village-Phones" für die Nutzer festgemacht werden können. Durch Telefongespräche können kostspielige, lange und manchmal auch risikoreiche Reisen vermieden werden. Und einige der im Rahmen der ZEF-Untersuchung befragten Nutzer gaben an, mit Hilfe des Telefons den Kontakt zu engen Verwandten zu intensivieren, die als Gastarbeiter in den Golfstaaten oder Südostasien arbeiten. Die Gespräche seien zwar teuer, rechneten sich aber trotzdem, weil durch sie die Verwandtschaft an Geldüberweisungen nach Bangladesch erinnert werden könne. Noch schwerer zu quantifizieren ist der soziale Nutzen der "Village-Phones": Viele der Frauen, die jetzt als "Phone Women" fungieren, lebten vor ihrer Zusammenarbeit mit der Grameen-Bank weit unter der Armutsgrenze. Jetzt kommen auch wohlhabende Dorfbewohner zu ihnen, um ihre Dienste in Anspruch zu nehmen. Ihre Funktion verschafft diesen Frauen neuen Respekt - ein sozialer Aufstieg dank Telefon.

Das "Village-Phone"-Programm startete 1997 als ein Pilotprojekt in 30 Dörfern und expandiert seitdem in erstaunlichem Tempo. Ende 1999 waren fast 1000 Telefone in Betrieb, durch die mehr als 65 000 Menschen Zugang zu Telekommunikation erhielten. Bis Ende 2000 verdreifachte sich die Zahl der "Village-Phones" auf 3000, in zwei Jahren sollen es 40 000 sein.


Hinter dem Entwicklungsprojekt
steht eine kommerzielle Erfolgsgeschichte

Das "Village-Phone"-Programm ist jedoch nicht nur ein erfolgreiches Entwicklungsprojekt; hinter ihm verbirgt sich auch eine wirtschaftliche Erfolgsgeschichte: Die "Village-Phones" werden von Grameen Telecom betrieben, einer 100-prozentigen, gemeinnützigen Tochter der Grameen-Bank. Grameen Telecom wiederum ist Großkunde des Unternehmens GrameenPhone Ltd., an dem es selbst mit
35 % beteiligt ist. GrameenPhone wurde auf Initiative der Grameen-Bank 1995 zusammen mit dem staatlichen norwegischen Telekommunikationsanbieter Telenor, der 51 % des Kapitals hält, und zwei weiteren Investoren gegründet. Das Unternehmen erwarb 1996 eine der drei Mobilfunklizenzen in Bangladesch und startete ein Jahr später einen kommerziellen Mobilfunkdienst und, im Auftrag von Grameen Telecom, das "Village-Phone"-Programm. Mittlerweile hat GrameenPhone neben den "Village-Phones" 160 000 Kunden, was einem Marktanteil von 80 % entspricht.

Daneben sind noch eine Reihe anderer Faktoren maßgeblich für den Erfolg des "Village-Phone"-Programms. Von Vorteil ist beispielsweise, dass das Programm in den institutionellen Rahmen der Grameen-Bank eingebettet ist und auf bereits bestehende erfolgreiche Strukturen aufbauen kann,
z. B. bei der Kundenakquise oder der Erhebung der Gebühren für Grameen Telecom bzw. GrameenPhone. Auch für die von GrameenPhone gewählte technologische Variante zur telekommunikativen Erschließung des Landes sind die Gegebenheiten Bangladeschs vorteilhaft. In einem Land mit relativ hoher Bevölkerungsdichte und einem flachen Landschaftsrelief kann die Mobilfunkinfrastruktur relativ kostengünstig bereitgestellt werden und ist somit die beste Technologie zur Abdeckung auch ländlicher Gebiete. Kosten konnten auch dadurch niedrig gehalten werden, dass der Glasfaser-Hauptstrang (backbone), der die zentralen Sendestationen des Mobilfunknetzes miteinander verbindet, entlang des bereits vorhandenen Eisenbahnnetzes gelegt wurde.


"RurTel": Telekommunikation
im ländlichen Laos ...

In Ländern, in denen diese Kosten reduzierenden Rahmenbedingungen nicht gegeben sind - und das ist meistens der Fall -, sind andere technologische Lösungen erforderlich. In Laos, einem von schlechter Verkehrsinfrastruktur sowie bergigen, dünn besiedelten Waldregionen gekennzeichneten Land, durchzieht anstelle eines Glasfaserkabels eine von der Weltbank mitfinanzierte digitale Zwei-Megabit-Mikrowellenverbindung das Land und verbindet die wenigen größeren städtischen Siedlungen. Nutzer in diesen Städten werden durch eine stabile und - relativ zur Nutzerzahl - preisgünstige Kupferverkabelung an die Umschaltstationen angeschlossen. Von diesen aus sind über Richtfunkverbindungen weitere Siedlungen auf dem Land in das Telekommunikationsnetz integriert ("RurTel"). Die Übertragungsstationen, die teilweise in weit abgelegenen Gebieten stehen, werden mit Solarenergie betrieben und sind daher autark. Diese Ausweitung des Telefonnetzes durch den Monopolisten Lao Telecommunication Corporation (LTC) - gehalten vom laotischen Staat und der privaten Shinawatra Telecom aus Thailand - in entlegene ländliche Gebiete wird seit 1994 durch die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) unterstützt und basiert auf einer von Alcatel SEL entwickelten Technologie. Bis Mitte des letzten Jahres wurden im Rahmen dieses Programms etwa 650 Telefonanschlüsse installiert. Dies erscheint auf den ersten Blick nicht viel, doch das Beispiel von Phongsaly, einer kleinen Provinzhauptstadt mit 25 000 Einwohnern, verdeutlicht die Bedeutung jedes einzelnen Anschlusses aufgrund der großen Nachfrage nach Telefondienstleistungen auf dem Land.

Phongsaly liegt drei Tagesreisen nördlich der laotischen Hauptstadt Vientiane, nahe der Grenze zu China. 1997 wurde dort ein System mit 24 Hauptanschlüssen installiert. Diese wurden an die Verwaltung und Unternehmen sowie für je ein öffentliches Telefon und Fax im Gebäude der Telefongesellschaft und ein öffentliches Kartentelefon vergeben. Doch der Bedarf an Telefonanschlüssen in Phongsaly ist so hoch, dass fast alle Einzelanschlüsse innerhalb kürzester Zeit unter mehreren Nutzern geteilt wurden. So verständigten sich zum Beispiel vor Ort tätige ausländische Entwicklungsorganisationen mit den offiziellen Teilnehmern darüber, deren Telefone mitnutzen zu dürfen. Anfang 2000 wurde die Umschaltkapazität zwar verdoppelt, doch schon im Juni des Jahres, als das ZEF im Auftrag der KfW das ländliche Telefonnetz in Laos untersuchte, waren die 48 Anschlüsse schon wieder von 67 Nutzern belegt. In diesem Jahr will LTC das bestehende System durch eine digitale Vermittlungsstelle ersetzen und dadurch die Kapazität vervielfachen. Es gibt bereits eine lange Warteliste.


... erfreut sich großer Nachfrage

Gut 65 % der Haushalte in Phongsaly nutzen regelmäßig die neue Möglichkeit zur Telekommunikation. Diese große Nachfrage ist leicht zu erklären: Lange Zeit war die Provinzhauptstadt isoliert vom Rest des Landes. Erst in den letzten Jahren wurde mit dem Ausbau einer Straße, der Aufnahme einer regelmäßigen Flugverbindung sowie mit der Installation der Telefonanschlüsse eine stärkere Anbindung erreicht. Das Telefon erspart, so berichten Unternehmer und Privatpersonen, insbesondere überflüssige Reisen ins nächstgrößere Handelszentrum Udong Xai, die - hin und zurück - mindestens einen Tag in Anspruch nehmen. Früher sei diese Fahrt häufig umsonst unternommen worden, weil sich erst vor Ort herausgestellt habe, dass bestimmte Produkte, die man habe kaufen wollen, nicht verfügbar waren. Das kann man nun vorher telefonisch erfragen. Zudem haben viele Bewohner Phongsalys nicht nur geschäftliche, sondern auch persönliche Beziehungen nach Udong Xai.

Der größte Nachteil der in Laos eingesetzten Technik besteht darin, dass das Internet nur sehr eingeschränkt genutzt werden kann. Die Bandbreite, die über die drahtlose Verbindung für die Datenübertragung bereitgestellt werden kann, ist relativ gering. Dazu kommt, dass die sogenannte "letzte Meile" mit einfachen Kupferkabeln überbrückt wird. Je weiter der Anschluss von der Umschaltstation entfernt ist, desto schlechter wird die Verbindung. In Phongsaly berichten Mitarbeiter eines französischen Entwicklungsprojektes, deren Büro etwa zwei Kilometer vom Ortskern entfernt liegt, dass das Senden von E-mails für sie über die Telefonleitung kaum möglich sei. Sie müssten dazu weiterhin ihr Funkgerät benutzen, was zwar noch wesentlich länger dauere, dafür aber auch keine zusätzlichen Kosten verursache.

Dass die Einrichtung von Telefonverbindungen in ländlichen Gebieten in Entwicklungsländern auch ein lohnendes Geschäft sein kann, spiegelt sich in den Erträgen von "RurTel" wider. So brachte jeder Anschluss im ländlichen laotischen Telefonnetz durchschnittliche Einnahmen von etwa 100 US$ im Monat. Die KfW hatte angesichts eines jährlichen Pro-Kopf-Einkommens in Laos von knapp 300 US$ im Jahr mit deutlich weniger gerechnet. Bemerkenswert ist zudem, dass die höchsten durchschnittlichen Einnahmen pro Anschluss von den öffentlich zugänglichen Telefonen stammen und nicht etwa von den Anschlüssen in der Verwaltung oder in Unternehmen. Im Zeitraum von Januar bis Mai 2000 verdiente "RurTel" durch jeden der öffentlichen Anschlüsse im Durchschnitt knapp zehnmal soviel wie durch die Anschlüsse in der Verwaltung und bei Privatleuten und knapp dreimal soviel wie durch Anschlüsse in Unternehmen. Diese enorme Nachfrage deutet darauf hin, dass nicht nur die wohlhabenderen Nutzer der öffentlichen Anschlüsse zur Rentabilität von "RurTel" beitragen, sondern durchaus auch die Durchschnittsverdiener.


Auch in Afrika lockt die Liberalisierung
internationale Investoren an

Voraussetzung für die institutionellen und technologischen Innovationen in Bangladesch und Laos war jeweils die Reform des Telekommunikationssektors: Erst durch dessen Deregulierung und Privatisierung konnte das benötigte Kapital mobilisiert werden. Auch in Afrika werden durch die Liberalisierung der Telekommunikationsmärkte zunehmend internationale Investoren angelockt. So gelang es einer Vielzahl von afrikanischen Ländern auch dank des Engagements ausländischer Investoren, ihre Telefondichte in den letzten Jahren um bis zu 15 % zu erhöhen. Laut der International Telecommunication Union (ITU) stieg die Telefondichte im gesamten Afrika allein von 1998 bis 1999 um knapp 10 %. Insbesondere in den afrikanischen Haupt- und Großstädten betreiben mittlerweile immer mehr Kleinunternehmer unter Lizenz der Dienstbetreiber Telefonläden und ermöglichen Teilen der städtischen Bevölkerung Zugang zu Telekommunikationsdienstleistungen. Auf ähnliche Weise finden auch Mobilfunk und Internet mehr und mehr Verbreitung.

Allerdings beschränken sich diese Entwicklungen weitgehend auf die urbanen Zentren des Kontinents. In ländlichen Regionen sind aufgrund der geringen Bevölkerungs- und Siedlungsdichte die Kosten für Anschaffung, Erschließung, Nutzung und Wartung der Telekommunikationsinfrastruktur wesentlich höher als in den Städten. Dies bedeutet für diese Regionen eine doppelte Benachteiligung, da Nutzungsgebühren sowie Hard- und Softwarekosten in den meisten Entwicklungsländern ohnehin über denen in Industrieländern liegen. Die Gründe dafür sind das Fehlen von Skaleneffekten, hohe Einfuhrzölle für Computer sowie - im Falle der Internetnutzung - teure Fernverbindungen zu Internet-Service-Providern, die es in der Regel nur in großen Städten gibt. Zusätzlich bieten das niedrige Pro-Kopf-Einkommen in ländlichen Regionen und der hohe Kapitalbedarf wenig Anreize für private Investoren. Für den ländlichen Raum, nicht nur in Afrika, sondern auch in anderen Entwicklungsregionen gilt daher, dass Deregulierung und Privatisierung nicht genügen, um die Telefondichte signifikant zu erhöhen. Ohne den Einsatz öffentlicher Mittel, auch im Rahmen der Entwicklungszusammenarbeit wie in Laos, erhält die Landbevölkerung in den armen Ländern keinen zureichenden Zugang zu Telekommunikation.

Auch aus Afrika gibt es Beispiele dafür, dass es aus entwicklungspolitischer Perspektive sinnvoll ist, der ländlichen Bevölkerung Zugang zu Telekommunikation zu verschaffen. So beklagte sich ein Copy-Shop Betreiber in Akatsi in der Voltaregion im Süden Ghanas im Rahmen einer ZEF-Befragung darüber, dass es für ihn nicht möglich sei, einen Telefonanschluss zu bekommen. Könnte er seinen multimediafähigen, von einem Pentium-Prozessor gesteuerten Computer an das nationale Telefonnetz und damit an das Internet anschließen, würden sich für ihn vielfältige neue Geschäftsmöglichkeiten ergeben - und die Einwohner sowie Besucher der kleinen Distrikthauptstadt hätten die Möglichkeit, Internetdienste zu nutzen. Nachfrage danach wäre sicherlich vorhanden, immerhin führt eine der wichtigsten Hauptverkehrsstraßen Westafrikas durch den Ort, und die Bevölkerung hegt intensive Beziehungen zu ihren Verwandten sowohl innerhalb als auch außerhalb Ghanas. Doch bisher verfügt Akatsi lediglich über acht öffentlich zugängliche Telefonanschlüsse - dem gegenüber steht die Zahl von über 300 Anträgen beim nun privatisierten Monopolisten für Neuanschlüsse. Wie in Phongsaly gaben die meisten (potenziellen) Nutzer in Akatsi an, durch Telekommunikation könnten sie mit Reisen verbundene (auch körperliche) Risiken reduzieren und dadurch Zeit und Geld sparen. Und wie die "Village-Phone"-Nutzerinnen in Bangladesch berichteten einige der Befragten über Preisvorteile, die durch Telefonate erzielt worden seien.

Die Beispiele aus Bangladesch, Laos und Ghana zeigen, dass Telekommunikationsdienstleistungen auch in ländlichen Gebieten von Ländern mit niedrigem Einkommen nachgefragt sind und, wie in Laos, ein lohnendes Geschäft sein können. Die Beispiele machen aber auch deutlich, dass das Ziel, Telekommunikation auch armen Bevölkerungsteilen zugänglich zu machen, nur erreicht werden kann, wenn erstens entsprechende regulatorische und politische Rahmenbedingungen gegeben sind, zweitens alle relevanten Akteure - private Unternehmen, Nichtregierungsorganisationen, Regierungen und internationale Organisationen - sich diesem Ziel verpflichtet fühlen und drittens den jeweiligen Umständen angemessene technologische Lösungen gefunden und umgesetzt werden.


Prof. Dr. Joachim von Braun ist Direktor des Zentrums für Entwicklungsforschung (ZEF) und dort Leiter der Abteilung "Wirtschaftlicher und technischer Wandel" in Bonn. Romeo Bertolini und Dietrich Müller-Falcke sind wissenschaftliche Mitarbeiter in dieser Abteilung.
jvonbraun@uni-bonn.de, r.bertolini@uni-bonn.de, d.mueller-falcke@uni-bonn.de


Freiwillige und Spender gesucht: "UNITeS" und "Netaid"

United Nations Information Technology Service (UNITeS, www.unites.org) heißt das Programm der Vereinten Nationen, das als Mittler auftritt zwischen Projekten der Technischen Zusammenarbeit im IuK-Bereich und Freiwilligen, die mit ihren speziellen Kenntnissen diese Projekte entweder online oder vor Ort unterstützen wollen. Die Freiwilligen werden vor allem über das Freiwilligenprogramm der Vereinten Nationen (United Nations Volunteers, UNV) in Bonn rekrutiert. Beispiele für solche Online-Tätigkeiten sind die Gestaltung und Betreuung von Webseiten oder Datenbanken für Entwicklungsprojekte, Übersetzungen, Assistenz bei Verwaltungsarbeiten oder Unterstützung bei der Suche nach potenziellen Geberorganisationen für Projekte. UNITeS hat es sich außerdem zur Aufgabe gemacht, die Freiwilligen zu schulen und weiterzubilden, bietet eine Plattform für den Informationsaustausch an und unterhält ein Büro, das bei Problemen mit IuK rund um die Uhr online um Hilfe gefragt werden kann.

Interessenten für freiwillige Online-Jobs können sich auf der Webseite app.netaid.org/OV der von UNDP und dem Unternehmen Cisco-Systems gegründeten Stiftung Netaid (www.netaid.org) direkt bewerben. Hauptzweck von Netaid ist es, über das Internet Spenden einzuwerben. Die Stiftung wirbt damit, dass 100 % der eingegangenen Gelder der Projektarbeit zugute kommen, weil die Verwaltung aus anderen Quellen finanziert werde. Die Gelder werden an etablierte Durchführungsorganisationen ausschließlich für Projekte der Armutsbekämpfung weitergegeben. In vielen Fällen handelt es sich um Projekte von UNDP oder anderen UN-Organisationen.
Uwe Kerkow




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