E+Z - Entwicklung und Zusammenarbeit (Nr. 7/8, Juli/August 1999, S. 195)


Editorial

40. Jahrgang E + Z

Reinold Thiel

Logo 40 Jahre DSE

Am 30. Juni 1959 wurde die "Deutsche Stiftung für Entwicklungsländer" gegründet, sie besteht (später umgetauft in "Deutsche Stiftung für internationale Entwicklung") seit 40 Jahren. Mehr als ein Jahr nach der Gründung der Stiftung, am 1. November 1960, erschien die erste Ausgabe der "Mitteilungen" der DSE, aus denen sich im Laufe der Jahre die Zeitschrift "E+Z" entwickelte. Daß trotzdem auch die Zeitschrift den 40. Jahrgang im Impressum führt, liegt daran, daß man da anders rechnet. Auch die ersten vier Hefte, im November und Dezember 1960, machen bei der Zählung nach Kalenderjahren einen Jahrgang aus, und den 40. Jahrgang zählt man natürlich schon mit dem ersten Heft des Jahres, nicht erst, wenn das Jahr zu Ende ist. Wir haben mit der 40 also nicht gemogelt.

Die Mitteilungen wurden von Wachsmatrizen gedruckt ("hektographiert") und umfaßten sechs bis acht DIN-A4-Seiten je Ausgabe. In der Nr. 1 schrieb der Kurator der Stiftung, Friedrich Georg Seib: "Die Mitteilungen sollen ... die bestehenden periodischen Veröffentlichungen durch kurze und aktuelle Nachrichten-Übermittlung ergänzen. Es wird ihre Aufgabe sein, besonders über die soziale und kulturelle Seite des Ausbaus der partnerschaftlichen Beziehungen zu den Entwicklungsländern ... zu berichten und dabei der Initiative privater Institutionen spezielle Aufmerksamkeit zu schenken." Ein Redakteur wird nicht genannt, statt dessen heißt es: Redaktion und Vertrieb Europress, Frankfurt/M. Zum Inhalt gehörten ein Bericht über die offizielle Eröffnung der Stiftung am 19. September 1960, Hinweise auf Veranstaltungen der DSE und verschiedener Universitäten, eine Statistik zum Ausländerstudium, eine Meldung über eine deutsche Buchausstellung in Indonesien und eine Glosse über eine 19jährige Hamburgerin, die einen Briefpartnerwunsch an die afrikanische Zeitschrift "Drum" geschickt hatte und 2500 Briefe erhielt.

Ein hektographiertes Mitteilungsblatt blieb es bis November 1964. Ab Dezember wurde daraus eine in der Mitte geheftete Zeitschrift, und seither gibt es den Titel "Entwicklung und Zusammenarbeit", zunächst mit der barocken Unterzeile "Mitteilungen + Beiträge der Deutschen Stiftung für Entwicklungsländer mit Bildern, Berichten und Notizen". Nun wurde das Blatt in Bonn hergestellt, und Redakteur war Martin Girschner. Auf dem Umschlag sah man ein Schwarzweiß-Foto, dazu den Titel: rote Schrift im grünen Kasten. Ab und zu gab es auch schon richtige Artikel, etwa "Probleme des Gesundheitswesens in Entwicklungsländern" von Otto A. Jäger im Januar 1965, oder "Sozialplanung und wirtschaftlich-technischer Fortschritt in Entwicklungsländern" im März 1965 von Karl Osner.
1966 hatte man große Pläne: Es erschien ein erstes Heft (mit deutschsprachigem Titel) in englischer Sprache, mit einem Vorwort des damaligen Entwicklungsministers Walter Scheel und dem Versprechen auf Fortsetzung. Aber weitere Hefte erschienen nicht, und ich habe niemanden finden können, der sich erinnert, woran der Plan scheiterte. (Wenn jemand unter den Lesern es weiß: Ich bin interessiert an Informationen.)
Martin Girschner gelang es im Laufe der nächsten Jahre, aus dem Mitteilungsblatt eine richtige Zeitschrift zu machen, mit professionellem Druck und Beiträgen, in denen eine ernsthafte Diskussion der Probleme der Entwicklungshilfe begann, auch mit Autoren über die Bundesrepublik hinaus. Die Hefte umfaßten nun zwischen 32 und 44 Seiten, mehr als heute. Aber im August 1968 endete die Ära Girschner, der Redakteur brach beim Umbruch der September-Ausgabe in der Druckerei tot zusammen.

Für zwei Hefte wurde die Zeitschrift von einer Übergangsredaktion gemacht, Manfred Woodrich und Herbert Willmann. Ab Dezember 1968 übernahm Inga Krugmann-Randolf die Redaktion, und sie machte die Zeitschrift für die nächsten 23 Jahre, ab 1975 zusammen mit Ursula Bell und für einige Jahre unterstützt durch eine dritte Redakteurin, Eva-Maria Regenhardt-Dein. Inga Krugmann-Randolf wurde zu einer Institution in der entwicklungspolitischen Community, sie kannte jeden und jeder kannte sie. Und sie brachte, nach ihren eigenen Worten in der letzten von ihr verantworteten Ausgabe, für jeden etwas, eine Mischung aus wissenschaftlicher Analyse, politischen Nachrichten und Praxisberichten, wobei der Schwerpunkt eher auf der Praxis lag: eine "Spagat-Zeitschrift", wie sie es nannte.

In mehr als zwei Jahrzehnten hatte sich jedoch die Umgebung verändert. Es gab, nach einer Untersuchung von Norbert Minhorst, inzwischen etwa 150 entwicklungspolitische Zeitschriften in Deutschland, und die meisten waren praxisorientiert. Dagegen war die theoretische Beschäftigung mit Entwicklungsfragen stark unterrepräsentiert. Die Leitung der DSE wünschte sich eine Zeitschrift, die mehr dazu beitrüge, diese Lücke zu füllen: die die Theorie für die Bedürfnisse der Praktiker aufbereitete. Inga Krugmann-Randolf, zu diesem Zeitpunkt schon sehr krank, konnte diese Reform nicht mehr leisten. Anfang 1992 übernahm eine neue Redaktion den Auftrag. Seitdem ist die Zeitschrift, was sie heute ist. Inga Krugmann-Randolf starb 1996.

1974 wurde das 1966 abgebrochene Unternehmen wiederaufgenommen: Von nun an erschien die Zeitschrift auch in einer englischen, einer französischen und einer spanischen Ausgabe. Zielgruppe sind in erster Linie ehemalige Teilnehmer an DSE-Veranstaltungen. Die ersten Hefte (zwei im ersten Jahr) waren im wesentlichen Übersetzungen aus dem Deutschen, dann setzte sich das Konzept durch, daß man Zeitschriften für die spezifischen Interessen der jeweiligen Sprachgruppen machen müsse. Seitdem sind die vier Zeitschriften unabhängig voneinander, nur gelegentlich erscheint der selbe Beitrag in mehreren Sprachausgaben. Die ersten Hefte der englischen und der französischen Ausgabe wurden von Ulrich Kern und Inga Krugmann-Randolf gemacht, dann, ab 1974 (französisch) bzw. 1975 (englisch), übernahm beide Ausgaben Eva-Maria Bruchhaus. Seit 1976 redigiert Dieter Brauer die englische Ausgabe. Die französische Ausgabe wurde von 1977 bis 1987 von Phan-huy Oánh redigiert und 1988 von Reinhold Meyer übernommen. Redakteure der spanischen Ausgabe waren Mariano Fernandez (1974-82), Antonio Avaria (1982-83), Jorge Gillies (1983-90) und Roberto Ampuero Espinoza (1990-92). Seit 1992 steht im Impressum der Name von J. Pablo Kummetz.



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Copyright © 1999, DSE, letzte Änderung 05.07.1999