E+Z - Entwicklung und Zusammenarbeit (Nr. 7/8, Juli/August 1999,
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Wissensvermittlung und Dialog
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Als vor 40 Jahren in Berlin die DSE gegründet wurde, hatte sie weise Väter: Wissensvermittlung und internationaler Dialog "mit den jungen Nationen als gleichberechtigten Partnern" wurden der neuen Stiftung als Aufgabe gestellt. Heute sind diese Themen, denen sich die DSE seit je gewidmet hat, erneut in den Mittelpunkt entwicklungspolitischer Diskussionen gerückt. Und wenn nun eine neue Herausforderung an die DSE wie an die anderen entwicklungspolitischen Organisationen in der Einsicht besteht, daß sie ihre Arbeit stärker als bisher koordinieren müssen, dann wird der Umzug nach Bonn es der DSE erleichtern, sich an diesem Prozeß zu beteiligen.
Vierzig Jahre Deutsche Stiftung für internationale Entwicklung oder früher: "Deutsche Stiftung für Entwicklungsländer" (daher DSE); schon diese Umbenennung ein Zeichen für Änderung sind ein Grund, einen Blick in die Vergangenheit dieser Institution zu werfen, eine Positionsbestimmung vorzunehmen und die Perspektiven aufzuzeigen, wie sie sich, nach den weltpolitischen Veränderungen der 90er Jahre und den innenpolitischen Veränderungen in der Bundesrepublik, für die Zukunft abzeichnen.
Entwicklungspolitik ist, wie Entwicklung selbst, ein permanenter Veränderungsprozeß; die Institutionen der entwicklungspolitischen Zusammenarbeit, konsequenterweise, unterliegen demselben permanenten Veränderungsprozeß, wollen sie aktuell und relevant bleiben und den entwicklungspolitischen Veränderungsprozeß mitgestalten.
Der Blick zurück, notwendig für Positionsbestimmung wie Perspektiven, zeigt einige bemerkenswerte Züge, die die DSE zu einer besonderen Institution der Entwicklungspolitik gemacht haben:
Bemerkenswert ist die frühe Gründung einer entwicklungspolitischen Institution, einige Jahre vor der Errichtung des entsprechenden Ministeriums.
Bemerkenswert ist auch die Gründung der DSE als Gemeinschaftsaktion von Bund und einigen Bundesländern. Das in späteren Jahren nicht immer spannungsfreie Verhältnis zwischen Bund und Ländern auf dem Gebiet der Entwicklungspolitik hat in der DSE die Zusammenarbeit im Kuratorium nie getrübt; das Engagement der darin vertretenen Bundesländer, ihr finanzieller und konzeptioneller Beitrag sind heute noch ein unverzichtbarer Beitrag der Länder zum entwicklungspolitischen Engagement der Bundesrepublik.
Besonders bemerkenswert ist aber die Weisheit und Voraussicht der Gründungsväter der DSE, was die besondere Aufgabenstellung der DSE von Beginn an betrifft: Dialog und Training sollten die Grundlage bilden für die Arbeit der Stiftung; in den Worten der Stiftungssatzung: Bildungs- und Ausbildungshilfe für Fachkräfte aus Entwicklungsländern, Vorbereitung von deutschen Fachkräften für ihren Einsatz in Entwicklungsländern, und der Erfahrungsaustausch zwischen Persönlichkeiten aus Entwicklungsländern und deutschen Fachleuten sollten einen Beitrag zur Pflege der Beziehungen der Bundesrepublik Deutschland zu anderen Ländern leisten.
"Wissen ist Macht", damals jedem Schulkind als Kernsatz geläufig, mag Pate bei den Überlegungen der Gründungsväter gestanden haben. Im Ergebnis haben sie mit der Aufgabenstellung "Bildung und Erfahrungsaustausch" die Bereiche identifiziert, die später in ihrer Relevanz für den Entwicklungsprozeß überhaupt deutlich wurden: Bildung, Aus- und Fortbildung ist erst in späteren Jahren als einer der drei Schwerpunktbereiche der entwicklungspolitischen Zusammenarbeit (EZ) herausgestellt worden. (Richtiger wäre es übrigens gewesen, ihn für alle Bereiche der EZ als unverzichtbares Querschnittselement zu identifizieren; es gibt keine wirksame Armutsbekämpfung ohne "Wissen/Bildung: Wissen ist die wirksamste Waffe gegen Armut"; und es gibt keinen wirksamen Schutz der natürlichen Ressourcen ohne eine Grundlage an Wissen und Bildung.) Wissen und Bildung ist im Weltentwicklungsbericht 1998/99 als bedeutendstes Element der Entwicklung identifiziert worden; und der Prozeß der Globalisierung zeigt, daß Fortbildung, berufliche Qualifizierung und Erfahrungsaustausch als permanenter Lernprozeß ein Kernelement für die Bewältigung dieses Prozesses darstellen, für die Industrie- wie die Entwicklungsländer.
Mit ihrer Aufgabenstellung lag die DSE also von Anfang an im Mainstream der EZ. Mit Trainingskursen und Seminaren, mit der Durchführung des Stipendienprogramms der Bundesregierung für Fach- und Führungskräfte aus Entwicklungsländern, mit der Vorbereitung deutscher Experten für ihren Einsatz in Entwicklungsländern, mit ihren internationalen Dialogveranstaltungen sind in den letzten Jahren jährlich fast 10 000 Teilnehmer erfaßt worden: aus einer großen Zahl von Entwicklungsländern, aus entwicklungspolitisch tätigen Institutionen und in allen relevanten Bereichen der EZ; im Bereich der Schulbildung wie der beruflichen Bildung, der öffentlichen Verwaltung wie der Wirtschafts- und Sozialentwicklung, der ländlichen Entwicklung wie der öffentlichen Gesundheit.
So wurde die DSE zu einem der Hauptakteure im Bereich der Personellen Zusammenarbeit, ein fester Bestandteil der entwicklungspolitischen Zusammenarbeit der Bundesregierung.
Die politischen Veränderungen der 90er Jahre mit dem Ende des Kalten Krieges, die Öffnung des früheren Ostblocks, die rasante wirtschaftliche Entwicklung Asiens, der beginnende Globalisierungsprozeß, die Veränderungen, die sich daraus auch in den westlichen Ländern ergeben, haben natürlicherweise Auswirkungen auch auf die Entwicklungspolitik und die Arbeit der DSE.
Der Veränderungsprozeß und der daraus entstehende Anpassungsdruck sind bei weitem noch nicht abgeschlossen:
Die Länder Mittel- und Osteuropas und die Nachfolgestaaten der Sowjetunion treten neu als Klienten der Entwicklungspolitik in Erscheinung; damit erweitert sich auch die Palette der Länder, in denen die DSE tätig ist allerdings als Ergebnis eines mühsamen internen Diskussionsprozesses, der die politische Bedeutung der Zusammenarbeit mit den neuen Ländern in Übereinstimmung zu bringen versuchte mit dem Hauptziel der Armutsbekämpfung in den sog. klassischen Entwicklungsländern.
Die DSE erweitert sich mit dem neuen Standort "Öffentliche Gesundheit" in Berlin-Ost und mit den Außenstellen Magdeburg (gewerbliche Berufsförderung) und Zschortau (Ernährung und Landwirtschaft) ein Beitrag der DSE zur Integrierung des entwicklungspolitischen Potentials der neuen Bundesländer und zur Nutzung der dort vorhandenen Infrastruktur an Bildungseinrichtungen.
Fast gleichzeitig beginnt ab Mitte der 90er Jahre, aufgrund beginnender finanzieller und vor allem personeller Engpässe, ein Prozeß der Konzentrierung der Arbeit auf weniger Arbeitsbereiche, deren Relevanz für den Entwicklungsprozeß deutlicher ist, und auf weniger Länder, um durch längerfristig angelegte und konzentriertere Arbeit eine größere Chance für nachhaltige Wirkung zu erzielen.
Parallel hierzu und aus ähnlichen Überlegungen heraus wird ein genereller Trend zu stärkerer Koordinierung der EZ deutlich. Länderkonzepte des BMZ definieren Schwerpunktbereiche der Zusammenarbeit mit einzelnen Ländern; Sektorpapiere und Regionalkonzepte ergänzen diese in dem Versuch, zu einer stärker zielgerichteten und konsistenten längerfristigen Arbeit zu kommen und dadurch nachhaltigere Wirkung zu erzielen. Akteure des Vorfelds, wie die DSE, werden enger in diesen Koordinierungsprozeß einbezogen; ihre Arbeitsplanung wird deutlicher in der Abstimmung mit den Schwerpunkten der Länderkonzepte. Gleichzeitig zeichnet sich ab, daß der Koordinierungsprozeß sich stärker in die Länder und Regionen verlagert und damit vorwiegend die vor Ort tätigen Institutionen der EZ umfaßt. Die DSE, ohne Vertretung vor Ort, wird dadurch vor schwierige Mitwirkungsprobleme gestellt.
Wesentliche Veränderungen laufen auch in den Entwicklungsländern ab und wirken sich auf die Arbeit der DSE aus. Eigene Ausbildungskapazitäten werden in diesen Ländern aufgebaut; der Bedarf verlagert sich von der Ausbildung auf die Entwicklung von Systemen, auf die Schaffung von geeigneten politischen Rahmenbedingungen, auf die Stärkung der Entscheidungsfähigkeit der politischen Entscheidungsträger. In anderen Worten: Die EZ wird zunehmend politischer, die Teilnehmer an DSE-Veranstaltungen kommen aus zunehmend höheren Rängen, und die Zusammensetzung der Teilnehmer wird zunehmend breiter, durch Einbeziehung nicht nur staatlicher Entscheidungsträger, sondern von Vertretern auch aus dem privaten Bereich und aus allen gesellschaftlichen Gruppierungen.
Damit erhält auch das Dialog-Element der DSE-Arbeit eine zunehmend stärkere Bedeutung. Der Globalisierungsprozeß erfordert den permanenten Erfahrungsaustausch der Akteure. Nicht die Vermittlung von Modellen, sondern der Austausch über Lösungen, die Stärkung der Problemlösungsfähigkeit tritt in den Vordergrund. Gerade hier wird deutlich, daß die Gründungsväter der DSE mit ihrem Aufruf, den gegenseitigen Erfahrungsaustausch zur Grundlage der Beziehungen der Bundesrepublik mit den Entwicklungsländern zu machen, schon damals die Einsichten der späteren Jahre vorweggenommen haben.
Die jahrelangen Erfahrungen der DSE in vielen Entwicklungsländern und mit vielen Partnern, auch das Engagement und die Erfahrung ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter geben der DSE gute Voraussetzungen, diesem Veränderungsdruck nicht nur zu begegnen, sondern den Prozeß mitzugestalten durch permanente Qualitätssteigerung ihrer Arbeit.
Die Leitlinien zur Frauenförderung in der DSE-Programmarbeit, das Ergebnis einer internen, speziell mit dieser Aufgabe betrauten Arbeitsgruppe, sind Orientierung für eine am Gender-Ansatz ausgerichtete Programmarbeit; sie sind eine der Maßnahmen zur Sicherung der Qualität der DSE-Arbeit angesichts der beschriebenen Veränderungen.
Gesellschaftliche Entwicklung setzt die Berücksichtigung der Bedürfnisse, Interessen und Sichtweisen von Frauen und Männern voraus. Entwicklungspolitik und damit auch die Arbeit der DSE ist nur zu formulieren auf der Grundlage einer Analyse der geschlechterspezifischen Rollen und Aufgabenbereiche in den jeweiligen Kulturen (so heißt es in den Grundsätzen der DSE-Gender-Leitlinien).
Deutlich wird in den Leitlinien auch, daß die DSE bewußt und gezielt die gleichberechtigte Teilhabe von Frauen an der Gestaltung des gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Lebens im Rahmen dieser Veränderungsprozesse unterstützen will, also von einer eindeutig politischeren Rolle ihrer Arbeit ausgeht.
Noch deutlicher wird dieser Wille zur Mitgestaltung der politischen Veränderungsprozesse in den Zielsetzungen der DSE, wie sie in dem 1996 verabschiedeten Didaktischen Grundkonzept formuliert werden auch dies ein Ergebnis langer und langwieriger interner Diskussionen über die Rolle der DSE und ihrer Bildungs- und Dialogarbeit in dem ablaufenden Prozeß der weltweiten Veränderungen. Politischere Ausrichtung der Arbeit, Partizipation der Teilnehmer als Gestaltungsprinzip, Sensibilisierung und Qualifizierung der politischen und wirtschaftlichen Verantwortungsträger für die notwendigen förderlichen Rahmenbedingungen für eine Teilnahme der ärmeren Bevölkerungsschichten am Entwicklungsprozeß stehen dabei im Vordergrund. Im Didaktischen Grundkonzept der DSE ist das auf die folgende Formel gebracht: "Ungeachtet aller objektiven materiellen und strukturellen Ursachen für Entwicklungsdefizite in den Partnerländern setzt die DSE auf die Bereitschaft ihrer Teilnehmer, den gesellschaftlichen Wandel anzustreben, gesellschaftliche Verantwortung zu übernehmen und entsprechend politisch zu handeln. Sie sieht hierin einen wesentlichen Faktor für eine positive gesellschaftliche Entwicklung zugunsten einer Verbesserung der Lebensumstände bislang benachteiligter Bevölkerungsgruppen."
Die Beobachtung der Veränderungsprozesse, die in den vergangenen Jahren in den Entwicklungsländern wie in der Entwicklungszusammenarbeit abliefen, hat ergeben, daß der Bereich Fortbildung und Dialog ein unverzichtbares Element in der Gestaltung dieser Veränderungsprozesse darstellt. Unübersehbar ist auch, daß eine Institution wie die DSE ein großes Potential an Erfahrung, an Flexibilität und an Mitgestaltungswillen in den Veränderungsprozeß einbringen kann.
Flexibilität und Gestaltungsbereitschaft werden in den kommenden Jahren in hohem Maß erforderlich sein angesichts neuer entwicklungspolitischer Handlungsfelder und Akzente der Bundesregierung und angesichts fortlaufender Veränderungsprozesse in den Entwicklungsländern. Diesen Prozeß als Chance für eine Neugestaltung zu begreifen, wird die Herausforderung für die Zukunft sein.
Was sind die Perspektiven, mit denen eine Institution wie die DSE an diesen Prozeß herangehen kann? In welchen Bereichen wird die entwicklungspolitische Musik" der nächsten Jahre spielen, intern, im nationalen und im internationalen Bereich? Und mit welchen Defizit-Situationen wird sich die DSE auseinandersetzen müssen?
Der Entwicklungsprozeß in einer Reihe von Entwicklungsländern wird in rasantem Tempo vorangehen. Eigene Ausbildungskapazitäten werden weiter ausgebaut werden; der Trend wird auch weiter in Richtung auf Systementwicklung, auf höherwertige Fortbildung, weg von Projekt-Zusammenarbeit und hin zu längerfristigen Programmen und zur Stärkung von institutioneller Kapazität gehen.
Die DSE hat hier, mit ihrer langjährigen Erfahrung in der Programmarbeit, mit der in den letzten Jahren verstärkten Ausrichtung auf längerfristige Partner-Beziehungen und auf reformorientierte Partner, und mit der stärker politischen Zielrichtung, die sich in den Gender-Leitlinien und dem Didaktischen Grundkonzept ausdrückt, eine gute Chance, relevanter und gesuchter Partner von Veränderungsprozessen in Entwicklungsländern zu bleiben oder zu werden.
Hinzu kommt, daß die DSE mit ihrem Entwicklungspolitischen Forum (EF) über ein flexibles, erfahrenes und weltweit von Entwicklungsländern, nationalen und internationalen Institutionen anerkanntes Instrument des Dialogs verfügt. Das Forum kann in allen Bereichen, zu allen Themen und mit einer Vielzahl von Partnern kooperieren, entwicklungspolitisch relevante Themen aufarbeiten und Lösungsansätze entwickeln. Diesen Bereich, der bei den gegenwärtigen politischen Veränderungsprozessen besonders relevant ist, gilt es auszubauen, zu stärken und in Abstimmung mit der Bundesregierung gezielt einzusetzen.
Ein weiterer, vor allem in Zeiten finanzieller und personeller Engpässe zunehmend wichtiger Trend ist die Fortschreibung des Koordinierungs- oder vielleicht besser Abstimmungsprozesses im Rahmen der entwicklungspolitischen Zusammenarbeit. Dieser Trend ist in den letzten Jahren nicht nur im Zusammenhang mit den Länderkonzepten des BMZ deutlich geworden; noch wichtiger erscheint die Notwendigkeit besserer Koordinierung auf europäischer Ebene, um die Kohärenz der nationalen mit den europäischen Maßnahmen zu sichern; sie wird aber ganz deutlich im Zusammenhang mit den kürzlich entwickelten Vorstellungen der Weltbank zum "comprehensive framework" für die Entwicklungszusammenarbeit.
Hier soll es nicht darum gehen, einer Auflösung der Pluralität der deutschen Entwicklungsinstitutionen das Wort zu reden. Im Gegenteil: Pluralität der Institutionen entspricht der Pluralität unserer Gesellschaft. Pluralität, sinnvoll und zielgerichtet genutzt, erhöht die Wirksamkeit der entwicklungspolitischen Arbeit. Worum es aber geht, ist, den Abstimmungsprozeß so zu gestalten, daß der Nutzen und die Effektivität der Arbeit für die Partner erhöht werden.
Die DSE wird in der Zusammenarbeit mit Ministerium und anderen Organisationen ihre Rolle neu zu definieren haben, um sich selbst deutlicher in diesen Prozeß einzubringen. Dabei wird es besonders wichtig sein, an dem sich zunehmend vor Ort verlagernden Koordinierungs- und Abstimmungsprozeß mitgestaltend beteiligt zu sein.
Längerfristige Partnerbeziehungen und die Umwandlung des früher eher kurzfristigen Projektansatzes in einen auf längere Dauer eingerichteten Programmansatz mit permanenten Kontakt- und Austauschmöglichkeiten zwischen Partnern sind die Ansätze für eine EZ mit nachhaltigen Wirkungen. Moderne Kommunikationsmittel ermöglichen die Verwirklichung dieser neuen Qualität der Partnerbeziehungen und damit einer neuen Qualität der EZ. Die DSE hat als Bildungs- institution mit ihren Erfahrungen und ihrem entwicklungpolitischen Ansatz gute Möglichkeiten, bei der Entwicklung dieses modernen Kommunikationsprozesses mitzuwirken und Zeichen zu setzen.
Die DSE ist sich aber der Notwendigkeit bewußt, daß ein Dialog nicht nur mit den Partnern in den Entwicklungsländern, sondern auch mit der deutschen Öffentlichkeit stattfinden muß. Entwicklungspolitik bedeutet heute, daß es strukturelle Reformen in den Industrieländern ebenso wie in den Entwicklungsländern geben muß. Deshalb wird die DSE künftig verstärkt auch in der entwicklungspolitischen Öffentlichkeitsarbeit ihre Aufgabe sehen.
Entwicklungspolitisch relevante Potentiale liegen für eine Institution wie die DSE auch im Bereich der Staaten Mittel- und Osteuropas und der Förderung regionaler Zusammenarbeit in allen Kontinenten, verstanden als Beitrag zu Demokratisierung und Konfliktprävention.
Ein fortdauernder interner Änderungs- und Modernisierungsprozeß ist eine permanente Perspektive, die der DSE im Wettbewerb mit anderen Institutionen und bei der Anerkennung als deren Partner keine Möglichkeit lassen wird, sich zurückzulehnen und mit den Erfolgen vergangener Zeit und der weltweit immer wieder erkennbaren Anerkennung der geleisteten Arbeit zufriedenzugeben.
Schon äußerlich werden die Perspektiven für die DSE sich in Form organisatorischer Änderungen in der allernächsten Zeit niederschlagen. Der Umzug eines großen Teils der DSE nach Bonn als Folge des Hauptstadtbeschlusses wird zu einer stärkeren Konzentration von Arbeitseinheiten in Bonn, einer räumlichen Nähe zum BMZ und einem engen Miteinander von entwicklungspolitischen Institutionen, nationalen wie internationalen, am neuen Bonner Standort führen. Diese tiefgreifenden organisatorischen Veränderungen werden den oben skizzierten Veränderungs- und Anpassungsprozeß beschleunigen oder teilweise erst ermöglichen. Sie werden der DSE eine besondere Rolle und Verantwortung an der Neugestaltung der deutschen Entwicklungspolitik geben, ganz besonders im Hinblick auf das neue Zentrum für Internationale Zusammenarbeit in Bonn, das es in den nächsten Jahren zu definieren und mit Leben zu erfüllen gilt.
Wichtig werden dabei nicht nur der Wille und die Bereitschaft der beteiligten Institutionen sein, entwicklungspolitisches Neuland zu betreten und zu gestalten; wichtig wird auch sein, daß die Bundesregierung Entwicklungspolitik mehr als bisher als internationale Strukturpolitik und damit als langfristig angelegte Friedenspolitik begreift. Die DSE, mit ihren 40 Jahren entwicklungspolitischer Bildungs- und Dialogerfahrung, will diesen Prozeß aktiv mitgestalten.
Dr. Heinz Bühler ist Kurator der DSE
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