E+Z - Entwicklung und Zusammenarbeit (Nr. 9, September 2000,
S. 261)

Global Dialogues
EXPO 2000


Natürliche Ressourcen:
Nachhaltigkeit
als Herausforderung
Im Mittelpunkt des ersten Global Dialogue auf der EXPO 2000 vom 19. bis 21. Juni standen folgende Fragen: Wie kann eine nachhaltige Nutzung natürlicher Ressourcen erreicht werden? Wie können Konflikte um den Zugang zu natürlichen Ressourcen verhindert werden? Wie lassen sich Ökonomie und Ökologie in Einklang bringen? Was sind die jeweiligen Aufgaben von Regierungen, Wirtschaft und Zivilgesellschaft bei der Verfolgung des Ziels nachhaltiger globaler Entwicklung?
Auf der unter Leitung des Stockholm Environment Institute von über 60 Organisationen veranstalteten Konferenz wurden erfolgreiche Beispiele für nachhaltige Entwicklung, technische Innovationen sowie sozial- und umweltverträgliches Wirtschaften vorgestellt und diskutiert. An Regierung, Wirtschaft und internationale Öffentlichkeit richtete sich die Forderung, auf globaler Ebene verstärkt zusamenzuarbeiten und dem Thema größeres politisches Gewicht beizumessen. Trotz unterschiedlicher kultureller und umweltspezifischer Bedingungen seien weltweite Partnerschaften und Netzwerke bei der Suche nach Lösungen für die drängenden globalen Probleme nötig. In Hannover wurde dafür der Anfang gemacht: Fachleute aus Simbabwe und Indien vereinbarten beispielsweise, sich künftig zu Fragen der Bewirtschaftung von Wassereinzugsgebieten auszutauschen und voneinander zu lernen.
Hinnerk Bartels

Weltgesellschaft politisch
verantwortlich gestalten
Die Debatte um "verantwortliches Regieren in einer globalen Gesellschaft" stand im Mittelpunkt des zweiten Global Dialogue vom 1. bis 3. Juli. Gesucht wurde nach innovativen Politikformen, die sicherstellen, dass die Bevölkerung sich auf überstaatlicher Ebene an politischen Prozessen beteiligen kann. Denn zunehmend werden Menschen in ihren unmittelbaren Lebenszusammenhängen von Entscheidungen berührt, die sie nicht beeinflussen können, da sie auf regionaler oder gar globaler Ebene getroffen werden.
Zentrale Forderung des von der Society for International Development (SID) zusammen mit der Heinrich-Böll-Stiftung, der Interamerikanischen Entwicklungsbank, einigen UN-Organisationen und Süd-NROs organisierten Dialogforums waren die Anerkennung und Umsetzung der in den vergangenen Jahren auf den großen UN-Konferenzen gefassten Beschlüsse und Empfehlungen. Eine nachhaltige Bewirtschaftung der immer knapper werdenden natürlichen Ressourcen und eine politische Gestaltung der ökonomischen Globalisierung wurden nachdrücklich als Grundvoraussetzung für eine demokratische Entwicklung der Weltgesellschaft gefordert. Zudem wurden Ansätze diskutiert, die Achtung universeller Werte und Rechte mit der Anerkennung kultureller Vielfalt zu verbinden, und danach gefragt, wie eine umfassende Teilhabe an der entstehenden globalen Wissensgesellschaft erreicht werden kann.
Ausführlich diskutiert wurde über die Rolle der Europäischen Union (EU) als weltpolitischer Akteur. Häufig wird die mangelnde Handlungsfähigkeit etwa in Fragen von Frieden und Sicherheit der EU kritisiert. Dabei wird übersehen, dass die EU in vielen Politikfeldern längst ein wichtiger "global player" geworden ist. Grundlage der Diskussion war ein Arbeitspapier, das detailliert den Einfluss der EU sowohl in multilateralen Organisationen als auch in ihren bilateralen Beziehungen beschreibt. Auch die globalen Auswirkungen der EU-Binnenpolitik, etwa der Agrarpolitik und der Ausfuhrförderung, werden darin analysiert und kritisiert. Das Papier, das von SID in Zusammenarbeit mit siebzehn europäischen NROs erarbeitet worden ist, kann auf der Homepage der Heinrich-Böll-Stiftung (www.boell.de) eingesehen werden.
Klaus Linsenmeier

Wege aus der Armut:
Soziale Innovationen
und neue Allianzen
Welche politischen Reformen auf globaler Ebene sind nötig, um die Armut weltweit zu verringern? Wodurch zeichnen sich erfolgreiche lokale Initiativen zur Armutsbekämpfung aus? Um diese beiden Fragen ging es auf dem vierten Global Dialogue vom 25. bis 27. Juli, den die GTZ zusammen mit einer Reihe deutscher und internationaler staatlicher und nichtstaatlicher Organisationen veranstaltete.
"Wir müssen verhindern, dass unregulierte Marktkräfte die Entwicklung der Welt bestimmen", sagte Entwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul mit Blick auf die erste Frage. Aber wie? Susan George (Transnational Institute, Paris) sagte, nach 20 Jahren Globalisierung sei klar, dass es Kräfte gebe, die kein Interesse an einer Bekämpfung der Armut haben. Mit diesen Kräften sei ein Dialog nicht mehr möglich. George wörtlich: "Wir müssen uns klarmachen, dass wir uns in einer Art Kriegszustand befinden." BMZ-Abteilungsleiter Michael Hofmann widersprach mit Nachdruck: Durch Militanz lasse sich nichts erreichen. Der "Druck von der Straße" sei zwar nötig, müsse aber kanalisiert werden durch eine reformorientierte Arbeit der demokratisch legitimierten politischen Institutionen.
Als gemeinsames Merkmal von erfolgreichen Initiativen zur Armutsbekämpfung auf lokaler Ebene ließ sich festhalten, dass diese die Armen nicht lediglich als passive Empfänger für Sozialhilfe betrachten, sondern an deren Fähigkeit zur Selbsthilfe ansetzen. Dass die Armen wertvolle Hinweise geben können, wie Armut wirksam bekämpft werden kann, verdeutlichten etwa Mishek Longwe und Nelson Gomonda aus Malawi: Als Mitarbeiter des National Economic Council haben sie ein Verfahren mitentwickelt, dass die Armen in die Evaluierung der malawischen Armutsbekämpfung einbezieht. Ergebnis einer ersten Untersuchung: Die Definition der Regierung für Armut, auf der die malawische Politik bislang beruhte, deckt sich nicht mit der Wahrnehmung der Probleme durch die Adressaten dieser Politik, der Armen.
Ricardo Diez Hochleitner, Präsident des Club of Rome, lobte die Veranstalter abschließend zu Recht für eine gelungene Konferenz, fügte jedoch hinzu, eigentlich habe es genug Konferenzen und Berichte zum Thema Armutsbekämpfung gegeben, es sei längst alles bekannt. Allein, es fehle am entsprechenden Willen, die Erkenntnisse in Politik umzusetzen.
Tillmann Elliesen

E+Z Entwicklung und Zusammenarbeit,
herausgegeben von der Deutschen Stiftung für internationale Entwicklung (DSE)
Redaktionsanschrift:
E+Z Entwicklung und Zusammenarbeit, Postfach, D-60268 Frankfurt
|