E+Z - Entwicklung und Zusammenarbeit (Nr. 7, Juli 2002)

Klima-Ausbade-Kampagne von Germanwatch
Die Lobbyorganisation Germanwatch hat am 31. Mai ihre so genannte "Klima-Ausbade-Kampagne" gestartet. Ziel der Aktion ist es zum einen, die "Verantwortung des Nordens und der Reichtumsinseln im Süden" für den Klimawandel deutlich zu machen. Zum anderen will die Kampagne dazu anregen, über einen möglichen Schadensausgleich zwischen den Verursachern und den Leidtragenden des Klimawandels sowie über neue politische Strukturen nachzudenken, die zur Verringerung von Treibhausgasemissionen beitragen könnten.
Germanwatch rechnet vor, dass die weltweiten volkswirtschaftlichen Schäden durch Umweltkatastrophen von durchschnittlich fünf Milliarden US-Dollar jährlich in den 50er Jahren auf 40 Milliarden Dollar in den 90er Jahren gestiegen seien. Es sei an der Zeit, dass die Menschen die Verantwortung für die Konsequenzen ihrer Lebens- und Wirtschaftsweise übernähmen. Die Hausaufgaben der Umweltkonferenz in Rio 1992 seien unerledigt geblieben. "Es rächt sich jetzt, dass wir uns in Rio mit Kontrolle und Einklagbarkeit der Abkommen kaum beschäftigt haben. Wichtig wäre eine Rahmenkonvention für Umwelthaftung", zitiert Germanwatch in diesem Zusammenhang den Direktor des UN-Umweltprogramms (UNEP), Klaus Töpfer.
Germanwatch fordert den Ausbau erneuerbarer Energien, die Ausarbeitung von Energieeffizienz-Programmen und den Abbau der weltweit auf 300 Milliarden Euro geschätzten Subventionen für konventionelle Energien - vor allem für Kohle und Kernenergie - innerhalb von zehn Jahren. Bis zum 7. Juli soll die Kampagne zunächst in Form einer informierenden "Klimakarawane" durch Deutschland touren.
Weitere Informationen auf den Webseiten
http://www.rio-10.de und
http://www.germanwatch.org/klak/klakhome.htm
Bundestagsdebatten zur Nachhaltigkeit
Am 16. Mai fand im Bundestag eine Debatte zur Nachhaltigkeit statt, die stark vom beginnenden Wahlkampf geprägt war. Bundeskanzler Gerhard Schröder stellte die im April verabschiedete Nachhaltigkeitsstrategie der Bundesregierung vor (s. E+Z 2002:4, S. 116) und verteidigte in diesem Zusammenhang u. a. den Ausstieg aus der Atomenergie. Zudem kündigte er an, dass sich Deutschland auf dem Umweltgipfel in Johannesburg für die Einrichtung einer UN-Weltkommission für Nachhaltigkeit und Globalisierung einsetzen werde.
In der anschließenden Debatte kritisierte die Opposition Schröders Ausführungen als ein "Sammelsurium von Schlagwörtern". Die CDU-Vorsitzende Angela Merkel warf der rot-grünen Regierung vor, beim Thema Nachhaltigkeit "versprochen und dann gebrochen" zu haben. Sie erinnerte an die wichtige Rolle, die die Bundesregierung unter Helmut Kohl 1992 bei der Umweltkonferenz in Rio gespielt habe.
In einer weiteren Debatte zum Thema am 14. Juni, die sich speziell dem Nachhaltigkeitsgipfel "Rio plus 10" widmete, plädierte Entwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul mit Nachdruck dafür, in Johannesburg nicht nur über die Umwelt, sondern auch über soziale Fragen zu reden. "Wer Umwelt und die natürlichen Ressourcen der Welt schützen will, muss die Armut bekämpfen", sagte die Ministerin. Das Thema von Johannesburg heiße "nachhaltige Gestaltung der Globalisierung"; die Konferenz müsse zum "Weltgipfel der Aktion" werden. Wieczorek-Zeul kritisierte die Industrieländer für ihre Handelsbarrieren, appellierte aber zugleich an die armen Länder, sie sollten "nicht alle Grundsätze und Wertorientierungen, für die die Industrieländer eintreten, vorschnell als versteckten Protektionismus abtun". Die Globalisierung brauche soziale und ökologische Regeln. "Sozialdumping und Ökodumping sind keine Lösung, sondern werden letztendlich gerade denen zum Verhängnis, die sie propagieren", sagte die Ministerin.
Woher kommen die größten Schmiergeldzahler?
Aus einer Liste von 21 Ländern wird Unternehmen aus Russland, China und Taiwan die größte Bereitschaft zu Bestechung nachgesagt. Das hat eine von der Antikorruptionsorganisation Transparency International in Auftrag gegebene Umfrage unter gut 800 hochrangigen Geschäftsexperten aus 15 Schwellenländern ergeben, deren Ergebnisse im "Index der Schmiergeldzahler 2002" (Bribe Payers Index) zusammengefasst sind. Danach kamen Australien, Schweden und die Schweiz dem bestmöglichen Indexwert von 10 am nächsten, d. h. bei Unternehmen aus diesen Ländern wurde die geringste Bereitschaft zu Bestechung wahrgenommen. Als die schlimmsten Schmiergeldzahler gelten einheimische Unternehmen, also Unternehmen aus den Ländern der Befragten. Sie schnitten mit einem Indexwert von 1,9 noch deutlich schlechter ab als die Unternehmen aus Russland. (Ausführlich zur Untersuchung von Transparency International siehe Seite 227 in diesem Heft.)
"Berliner Rede" von Bundespräsident Rau:
"Die Globalisierung muss gestaltet werden"
Die Auswirkungen der Globalisierung bedeuten eine Veränderung von "neuer Qualität". Doch dürfe die Globalisierung nicht als Naturereignis betrachtet werden, das nicht beeinflussbar sei. Vielmehr sei Globalisierung gestaltbar; dazu bedürfe es jedoch "klarer Wertvorstellungen jenseits des Wirtschaftlichen". Das sagte Bundespräsident Johannes Rau in seiner "Berliner Rede" am 13. Mai in Berlin.
Die ökonomische Globalisierung habe Folgen, die weit über die Märkte für Waren und Kapital hinausreichen, sagte Rau. So könnten durch die derzeit weltweit getätigten Kapitaltransfers in Höhe von täglich 2000 Milliarden Euro, die zu 90 % spekulativer Natur seien und nichts mit dem Austausch von Gütern und Dienstleistungen zu tun hätten, ganze Länder sozial und politisch destabilisiert werden. Nicht nur Globalisierungskritiker, sondern auch Wirtschaftswissenschaftler und Politiker aller Länder seien sich einig, dass dagegen etwas getan werden müsse. "Ich weiß nicht, ob die so genannte Tobin-Steuer auf Devisenspekulationen das beste Instrument dafür ist", sagte Rau, "ich weiß aber, dass die Politik dringend Instrumente für eine internationale Finanzmarktordnung schaffen muss, damit sie dieses Problem beherrschen kann."
Rau stellte klar, das Gewalt kein geeignetes Mittel in politischen Auseinandersetzungen ist. Doch stellten die Globalisierungskritiker die richtigen Fragen. "Das gilt auch dann, wenn es bei Demonstrationen immer wieder zu Gewalt kommt", betonte der Bundespräsident und erinnerte an die ungerechte Verteilung des Wohlstands in der Welt. Eine Politik der Freiheit könne nur dann überzeugen, wenn sie die Menschen auch aus Armut, Ausbeutung und Überschuldung befreie.
Mit seiner diesjährigen, von entwicklungspolitischen Fragen geprägten "Berliner Rede" folgte Rau seinem Amtsvorgänger Roman Herzog, der im Oktober 1996 die Schirmherrschaft über ein DSE-Symposium zum Thema "Eine Welt - Eine Zukunft" übernommen und sich damit ebenfalls öffentlichkeitswirksam für die Entwicklungspolitik eingesetzt hatte (s. E+Z 1996:12, S. 342).
Vorbereitung für Rio plus 10 gescheitert
Vor allem aufgrund der Widerstände der USA ist das vierte und letzte Vorbereitungstreffen (PrepCom) in Bali zum Nachhaltigkeitsgipfel in Johannesburg nach fast zweiwöchigen Verhandlungen Anfang Juni ergebnislos zu Ende gegangen. Während nach Angaben von NROs die Amerikaner keinerlei verbindliche Verpflichtungen eingehen wollten, bewegte die Europäische Union (EU) sich bestenfalls halbherzig auf die Entwicklungsländer zu.
Im Zentrum der Auseinandersetzungen stand die globale Energiewende, die vor allem von der EU propagiert wird. Danach sollen bis 2010 mindestens 15 % der weltweit erzeugten Energie aus regenerativen Quellen kommen. Während die USA - unterstützt von Kanada und Australien - dieses Anliegen rundweg ablehnen, verlangen die Entwicklungsländer Zugeständnisse in den Bereichen Handel und Finanzen - nur dann seien sie bereit, die umweltpolitischen Vorstellungen der EU mitzutragen. Der Leiter der deutschen Delegation, Umweltminister Jürgen Trittin, sagte, die Europäer müssten nun Allianzen mit den armen Ländern bilden, damit der Gipfel nicht zu einem Treffen der Beliebigkeit werde.
Vertreter deutscher Nichtregierungsorganisationen sprachen angesichts des gescheiterten Vorbereitungstreffens von einer schweren Bürde für die Gipfelverhandlungen. Allerdings sei kein Ergebnis in Bali immer noch besser als ein schlechtes Ergebnis - eine Einschätzung, die vor dem Hintergrund der UN-Konferenz über Entwicklungsfinanzierung in Monterrey gesehen werden muss: Dort war das von NROs stark kritisierte Abschlussdokument schon auf der letzten PrepCom verabschiedet und auf der eigentlichen Konferenz nur noch abgenickt worden.
Memorandum zum Nachhaltigkeitsgipfel
Ein Schritt in Richtung globale Demokratie?
Ein schweres Stück will die Heinrich-Böll-Stiftung den Teilnehmern des Nachhaltigkeitsgipfels in Johannesburg ins Gepäck legen. Im Auftrag der Böll-Stiftung koordinierte Wolfgang Sachs vom Wuppertaler Institut für Klima, Umwelt und Energie die Arbeit von 16 international renommierten Wissenschaftlern, Umweltaktivisten und -politikern an einem "Memorandum zum Weltgipfel für nachhaltige Entwicklung", das am 16. Mai in Berlin der Öffentlichkeit präsentiert wurde. Unter dem schillernden Untertitel "Ökologie - die neue Farbe der Gerechtigkeit" haben die Autoren auf über achtzig Seiten weitreichende Forderungen für eine globale Umwelt-Agenda zusammengetragen. Ausgangspunkt ist die ernüchternde Feststellung, dass sich der Erdgipfel 1992 in Rio inzwischen als "leeres Versprechen" entpuppt habe. Entgegen den Verpflichtungen der Staaten, gegen Umweltschäden und soziale Polarisierung vorzugehen, sei die Welt noch tiefer in Armut verstrickt als vor zehn Jahren und steuere weiter auf ökologische Katastrophen zu.
Die Autoren befürchten, dass die Konferenz in Johannesburg eine weitere Alibi-Veranstaltung wird und die Resolutionen hinter die Beschlüsse von Rio zurückfallen. Die vor einem Jahrzehnt formulierten Prinzipien zur Entwicklung und zum globalen Umweltmanagement seien nach wie vor richtig. Sie müssten aber umgesetzt und dürften nicht durch eine inkohärente Politik auf nationaler und internationaler Ebene konterkariert werden, etwa durch den Mangel an Umweltstandards im Regelwerk der Welthandelsorganisation (WTO).
Den kräftigen Thesen folgen Reformvorschläge - von der Stärkung der Kommunen beim Naturschutz über die verstärkte Förderung erneuerbarer Energien bis hin zur Einführung von Nutzungsentgelten für globale Gemeinschaftsgüter und einer Steuer auf Währungstransaktionen. Außerdem plädiert das Memorandum u. a. für die Einrichtung einer Weltkommission für Bergbau, Gas- und Ölförderung und den Ausbau des UN-Umweltprogramms (UNEP) zu einer Weltumweltorganisation. Nichts weniger als eine "Option für Geechtigkeit und Umwelt" will das Memorandum sein, das nach dem Willen der Autoren über den Johannesburg-Gipfel hinaus wirken soll.
Als paradox bezeichnete Reinhard Loske, umweltpolitischer Sprecher der Grünen-Bundestagsfraktion und einer der drei deutschen Ko-Autoren des Memorandums, die umweltpolitischen Entwicklungen in der Dekade seit dem Umweltgipfel in Rio. Erfolge wie die Klima-Rahmenkonvention und das Kyoto-Protokoll sowie die Biodiversitäts-Konvention mit dem Cartagena-Protokoll seien von einer Gruppe um die Vereinigten Staaten immer wieder behindert worden. Die Europäer hätten sich zunächst lange hinter dem Nichtstun der Amerikaner versteckt, später hätten sie dann eine Vorreiterrolle im globalen Umweltschutz übernommen. Heute suchten sie die Zusammenarbeit mit den Entwicklungsländern der G77.
Von einem beispielhaften Dialog zwischen Umweltaktivisten des Nordens und des Südens innerhalb der Memorandumsgruppe sprach die chilenische Ökologin Sara Larrain, die das Programm "Nachhaltiges Chile" leitet und dem Beirat des Weltsozialforums angehört. Alle Mitglieder seien davon überzeugt, dass ohne Gleichheit ökologische Ziele und dauerhafte Lösungen im Kampf gegen die Armut nicht zu erreichen seien. Der frühere finnische Umwelt- und Entwicklungsminister Pekka Haavisto, der zurzeit die Afghanistan Task Force von UNEP leitet, fügte hinzu, die Verständigung in der Memorandumsgruppe sei ein Schritt hin zu globaler Demokratie. Er beklagte, dass der Weltgesellschaft Umweltinformationen vorenthalten würden und die mit ökologischen Fragen befassten Unterorganisationen der Vereinten Nationen wie UNEP viel zu schwach seien.
Johannes Wendt
Bundestagswahl: Initiativen für die Entwicklungspolitik
Eine starke Entwicklungspolitik und die Erreichung des 0,7-%-Ziels fordern die beiden Kirchen und der Verband Entwicklungspolitik deutscher NROs (VENRO) im Rahmen ihrer Anfang Juni gestarteten "Pro-0,7-Kampagne". Zentrale Forderung ist die Erhöhung der Mittel für die Entwicklungszusammenarbeit auf 0,7 % des Bruttoinlandsproduktes bis zum Jahr 2010. Joachim Lindau, Geschäftsführer von Brot für die Welt, wies bei der Vorstellung der Kampagne darauf hin, dass einerseits bis auf die FDP alle Parteien das 0,7-%-Ziel unterstützen, sich andererseits aber nicht auf einen Zeitplan festlegen wollen. Das nähre den Verdacht, dass es die deutsche Politik mit dem Ziel nicht wirklich ernst meine.
(Weitere Informationen zu der Kampagne: http://www.pronullkomma sieben.de und http://www.venro.org/ wahlinitiative.)
Auch eine Wählerinitiative aus den Reihen der SPD setzt sich unter dem Titel "Gemeinsam für eine gerechte Eine Welt" für eine besser ausgestattete Entwicklungspolitik ein. In einem öffentlichen Aufruf werden Bundeskanzler Gerhard Schröder und Entwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul für ihre erfolgreiche Arbeit gelobt und sodann einige Forderungen gestellt: So sollten das Aktionsprogramm 2015 umgesetzt, die globalen Handels- und Finanzbeziehungen fairer gestaltet, Friedenspolitik und Konfliktprävention gestärkt und die Mittel für Entwicklungspolitik jährlich erhöht werden, bis das 0,7-%-Ziel erreicht ist. Zu den Erstunterzeichnern des Aufrufs gehören Henning Scherf, Oberbürgermeister von Bremen, Uwe Holtz, Professor an der Universität Bonn, Adelheid Tröscher, die entwicklungspolitische Sprecherin der SPD-Bundestagsfraktion, Egon Bahr und der IG-Metall-Vorsitzende Klaus Zwickel.
EZ-Vorbereitungsstätte doch nicht in Bad Honnef?
Der endgültige Standort der gemeinsamen Vorbereitungsstätte für Entwicklungszusammenarbeit (VEZ) von DSE, GTZ und DED ist weiterhin offen. Zwar war in einem im April 2001 unterzeichneten Kooperationsvertrag der Uhlhof in Bad Honnef als Standort vereinbart worden (s. E+Z 2001:6, S.179), doch gibt es offenbar Überlegungen, die Einrichtung in der ehemaligen Vorbereitungsstätte des Auswärtigen Amtes in Bonn-Ippendorf unterzubringen. Dies geht aus der Antwort auf eine Frage hervor, die der CDU-Bundestagsabgeordnete Norbert Röttgen an das BMZ gerichtet hat (siehe BT 14/8760, Fragen Nr. 129 und 130). In der Stellungnahme der Parlamentarischen Staatssekretärin im BMZ, Uschi Eid, heißt es, da der gestiegene Raumbedarf der VEZ am Standort Bad Honnef sich derzeit nur mit Hilfe angemieteter Container abdecken lasse, werde geprüft, ob eine Unterbringung "in einer bundeseigenen Liegenschaft in Bonn" wirtschaftlicher sei als der geplante Ausbau des Uhlhofs. Dort war man davon ausgegangen, dass die Prüfung des Finanzministeriums im Juni abgeschlossen sein würde. Doch jetzt sei mit einer definitiven Aussage nicht vor September zu rechnen. Röttgen, der einen der beiden Wahlbezirke des Rhein-Sieg-Kreises vertritt, kritisierte den "Hickhack" und verlangte von den Bundesbehörden Planungssicherheit für Bad Honnef.
NePAD: Chance für Afrika
oder nur ein Instrument im Interesse der Elite?
Demokratisierung ist wie Fahrradfahren. Das Rad kippt, wenn man hält. Diese Metapher bildete das gern zitierte Motto einer weiteren Berliner Afrika-Tagung am 27. und 28. Mai im Vorfeld des G8-Gipfels Ende Juni in Kananaskis, Kanada. Sie trug den langen Titel "Assisting Good Governance and Democracy: A Learning Process. Reflections on Developments in Africa." Über 130 Teilnehmer - vor allem Wissenschaftler und Mitarbeiter politischer Institutionen aus dem staatlichen und nichtstaatlichen Bereich - aus 16 afrikanischen Staaten sowie aus Europa und Nordamerika diskutierten zwei Tage lang über Fortschritte und Hindernisse auf dem langen und dornigen Weg Afrikas zur Demokratie. Eingeladen hatten das BMZ und die GTZ, Mitveranstalter waren die Deutsche Vereinigung für Politische Wissenschaft (DVPW) und das Stockholmer Institute for Democracy and Electoral Assistance (IDEA).
Kann die Initiative für eine "New Economic Partnership for African Development" (NePAD) den Kontinent politisch und wirtschaftlich voranbringen? In Berlin gingen die Meinungen darüber weit auseinander. Die G8-Afrika-Beauftragte des Bundeskanzlers und Parlamentarische Staatssekretärin im BMZ, Uschi Eid, und der frühere finnische Staatspräsident Martti Ahtisaari, der dem IDEA-Vorstand angehört, bezeichneten NePAD als einen historischen Schritt reformorientierter Länder. Sie bekräftigten dieim NePAD-Statut festgehaltene These, dass Entwicklung ohne Demokratie, Achtung der Menschenrechte, Frieden und Good Governance nicht möglich sei.
Hingegen monierte Mark Orkin vom Human Sciences Research Council in Südafrika, dass die NePAD-Programmatik zu stark an den Interessen der G8-Staaten orientiert sei. NePAD setze den Rahmen für neoliberal geprägte Strukturanpassungsprogramme, die gerade in den letzten Jahren wieder gewaltige Schäden angerichtet hätten. Skeptisch, wenn auch aus anderer Perspektive, äußerte sich auch der südafrikanische Schriftsteller Breyten Breytenbach, der das panafrikanische Kulturinstitut auf Gorée, Senegal, leitet. NePAD sei durchaus auch im Interesse der afrikanischen Elite: Es sei zu befürchten, dass sie mit Hilfe von NePAD ihre eigene Unfähigkeit kaschiere, indem sie die Lösung "afrikanischer Probleme" wie Bürgerkriege und Armut auf eine internationale Ebene verlagere.
Die kenianische Oppositionsabgeordnete Charity Kaluki Ngilu beklagte, dass die afrikanischen Parlamente am NePAD-Prozess bislang nicht beteiligt worden seien, und Sara Langwe vom African Womens Development and Communication Network (FEMNET) bezeichnete das NePAD-Statut als ein patriarchalisches Produkt, entsprungen den Köpfen ausschließlich männlicher Regierungsvertreter. Es sei in der Gender-Frage blind, die Unterdrückung und Diskriminierung der Frauen in Afrika werde übergangen - ein Widerspruch zum erklärten Interesse an Demokratie und Menschenrechten. Mit Hilfe eines Frauen-Komitees müssten die Inhalte und Ziele von NePAD neu definiert werden. Offen blieb in Berlin die grundsätzliche Frage, ob und wieweit die unterschiedlichen, meist patriarchalisch geprägten Traditionen afrikanischer Stammesgesellschaften mit den Erfordernissen einer modernen Demokratie vereinbar sind.
Johannes Wendt
GTZ-Jahresbericht 2001: Einnahmenrückgang
Die Einnahmen der GTZ von öffentlichen Aufttraggebern sind im vergangenen Jahr gegenüber 2000 um knapp 8 % auf 1,46 Milliarden Mark zurückgegangen. Hauptsächlich verantwortlich dafür ist der Rückgang der Einnahmen für "bilaterale TZ" aus dem BMZ-Etat um gut 4 %. Dagegen konnten die Einnahmen von anderen öffentlichen Auftraggebern wie den Bundesministerien für Inneres, Verteidigung und Finanzen gesteigert werden. "Andere Ressorts der Bundesregierung nehmen die GTZ verstärkt in Anspruch", sagte Geschäftsführer Wolfgang Schmitt bei der Vorstellung des Jahresberichts 2001 am 28. Mai in Frankfurt.
Mit den Einnahmen ist auch der Gesamtumsatz der GTZ zurückgegangen: von 1,80 Milliarden um gut 6 % auf 1,69 Milliarden Mark. Doch zeichnet sich bereits eine Besserung ab: Der Eingang öffentlicher Aufträge stieg um 5,6 % auf 1,68 Milliarden Mark. Im Berichtsjahr führte die GTZ in insgesamt 131 Ländern 2703 Projekte und Programme durch. Die Zahl der entsandten Fachkräfte schrumpfte um knapp 5 % auf 1373, die Zahl der Ortskräfte (die jetzt "Nationales Personal" heißen) um 1,5 % auf 8572. In der Eschborner GTZ-Zentrale arbeiteten im vergangenen Jahr 1032 Personen, gut 5 % weniger als im Vorjahr.
Der Umsatz aus dem so genannten Drittgeschäft, also aus Aufträgen anderer öffentlicher und privater Auftraggeber aus dem In- und Ausland sowie internationaler Organisationen, lag 2001 gegenüber dem Vorjahr unverändert bei knapp 206 Millionen Mark. Die Bemühungen der GTZ, den Anteil des Drittgeschäfts am Gesamtumsatz signifikant zu erhöhen, sind bisher nur begrenzt erfolgreich. Zwar kündigte Geschäftsführer Bernd Eisenblätter an, man wolle den Umsatz aus dem Drittgeschäft bis 2005 auf 400 Millionen Mark steigern. Doch vor zwei Jahren erst hatte Eisenblätter das Ziel vorgegeben, den Drittgeschäftsumsatz, der damals schon bei rund 200 Millionen Mark lag, binnen zwei Jahren um 50 % zu erhöhen. Vielleicht hilft es ja, dass das Drittgeschäft in "GTZ International Services" umgetauft wurde und künftig von einer eigenständigen Organisationseinheit betreut wird, wie Schmitt berichtete.
GTZ-Aufsichtsratsvorsitzender und BMZ-Staatssekretär Erich Stather lobte die GTZ als Organisation, die sich in das Konzept der Bundesregierung für eine moderne und flexible EZ "hervorragend eingepasst" habe. So sei die GTZ dank ihrer Flexibilität sofort in der Lage gewesen, sich in Afghanistan zu engagieren. Mit Blick auf den Einnahmenrückgang sagte Stather, Deutschland werde, wie innerhalb der Europäischen Union vereinbart, seine Entwicklungshilfe bis zum Jahr 2006 auf 0,33 % des Bruttoinlandsprodukts erhöhen. Davon werde auch die GTZ profitieren.
Tillmann Elliesen
Personalnotizen
DWHH - Neue Leiterin für den Bereich "Kommunikation und Marketing" bei der Deutschen Welthungerhilfe (DWHH) ist seit dem 1. April Monika Witte. Ihr Vorgänger, Ulrich Schmid, ist neuer Leiter der Fachgruppe "Öffentlichkeitsarbeit und Werbung".
KfW - Seit dem 1. Mai ist Christoph Isenmann stellvertretender Leiter des KfW-Büros in Peking. Zum 1. Oktober wird Dr. Norbert Kloppenburg, derzeit Leiter der Kreditabteilung IIb "Energie und Umwelt", die Leitung des Länderbereichs LI "Asien und Europa" übernehmen. Er folgt Werner Frank, der in den Ruhestand geht.

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