E+Z - Entwicklung und Zusammenarbeit (Nr. 5, Mai 2002)

| Aus Organisationen und Institutionen |
Weltbank: Süd-Süd-Direktinvestitionen
werden immer wichtiger
Die langfristigen Kapitalströme in die Entwicklungsländer sind im vergangenen Jahr das vierte Jahr in Folge deutlich zurückgegangen - gegenüber 2000 um 25 % auf gut 196 Milliarden US-Dollar, den tiefsten Stand seit 1992. Das geht aus dem diesjährigen Weltbank-Bericht zur Entwicklungsfinanzierung (Global Development Finance 2002) hervor, der zu Beginn der UN-Konferenz über Entwicklungsfinanzierung in Monterrey veröffentlicht wurde. Hauptursache für den Rückgang ist laut Weltbank ein erneuter Einbruch der privaten Kapitalströme in die Entwicklungsländer um 30 % gegenüber dem Vorjahr; die öffentliche Entwicklungshilfe blieb dagegen nahezu unverändert.
Die privaten Kapitalflüsse
haben sich seit 1997 halbiert
Mit 160 Milliarden US-Dollar floss im vergangenen Jahr nur noch gut halb so viel privates Kapital in die Entwicklungsländer wie 1997, im Jahr der Asienkrise. Der erneute Rückgang bei den privaten Flüssen ist vollständig auf die Zurückhaltung der Banken und anderer privater Anleger auf den Kapitalmärkten zurückzuführen: Für Aktienbeteiligungen, Bankkredite und Anleihen ergab sich im Vorjahr sogar ein "Minuswachstum", das heißt, es floss mehr Geld aus den Entwicklungsländern zu den privaten Anlegern zurück, als neu investiert wurde. Nahezu konstant blieben hingegen die Direktinvestitionen, nachdem sie in 2000 das erste Mal seit Beginn der 90er Jahre geschrumpft waren.
Die Konstanz der Direktinvestitionen in Entwicklungsländer
seit der Asienkrise führt die Weltbank unter anderem auf die wachsende Bedeutung von Süd-Süd-Flüssen zurück, also von Direktinvestitionen aus Entwicklungsländern in andere Entwicklungsländer: Während nach Weltbank-Berechnungen die Direktinvestitionen aus den OECD-Ländern seit 1997 wie andere private Kapitalströme deutlich zurückgingen, stiegen die Investitionen aus Entwicklungsländern weiter an. Die Weltbank schätzt, dass 1999 Investitionen aus Entwicklungsländern mit 40 % den gleichen Anteil an den gesamten Direktinvestitionen in Entwicklungsländern hatten wie Investitionen aus OECD-Ländern (siehe Grafik). Freilich beruhen diese Berechnungen auf einer dünnen Datenbasis: Da die offiziellen Angaben zu Kapitalabflüssen aus Entwicklungsländern wenig verlässlich seien, subtrahiert die Weltbank die Direktinvestitionen der Industrieländer (OECD und Nicht-OECD) in Entwicklungsländern von den gesamten Direktinvestitionen in Entwicklungsländern und schließt, dass der verbleibende Betrag Süd-Süd-Investitionen sein müssen.
Aufgrund der lückenhaften Datenlage sind auch die Ausführungen der Weltbank zu Kapitalabflüssen aus Entwicklungsländern, auf die der Bericht ausführlich eingeht, mit Vorsicht zu genießen. Nach Weltbank-Schätzungen betrug der kumulierte Kapitalabfluss aus einer Gruppe armer Länder, die sich aus fast allen Ländern mit niedrigem und einigen Ländern mit mittlerem Einkommen zusammensetzt, in den 80er und 90er Jahren 62 Milliarden US-Dollar. Das waren 11,5 % des in diesen Ländern im gleichen Zeitraum angesparten Kapitals, 19 % der offiziellen Entwicklungshilfe und 17 % des von diesen Ländern in 1999 erwirtschafteten Bruttoinlandprodukts.
Die Weltbank vermeidet den Begriff "Kapitalflucht", weil für sie Kapitalabflüsse aus armen Ländern ein ambivalentes Phänomen sind. Die Ursache für Abflüsse aus Ländern mit niedrigem Einkommen sind in der Regel schlechte politische und ökonomische Rahmenbedingungen für Investoren, die Abflüsse also Indiz für ausbleibende Entwicklung. Dagegen können sie, so die Weltbank, in Ländern mit höheren Einkommen das Gegenteil signalisieren: wachsenden Wohlstand der Bevölkerung, die nach Anlagemöglichkeiten jenseits der Landesgrenzen sucht.
Viel Geld aus dem Süden
geht lediglich auf "Rundreise"
Die Weltbank schätzt freilich, dass ein erheblicher Teil des aus Ländern mit mittlerem Einkommen abfließenden Kapitals lediglich auf eine "Rundreise" geschickt wird (round-tripping), also in einem anderen Land, einer Steueroase beispielsweise, zwischengeparkt wird und von dort als ausländische Direktinvestition getarnt in das Ursprungsland zurückfließt. Auf diese Weise können auch einheimische Investoren von Vergünstigungen profitieren, die eigentlich nur ausländischen Investoren gewährt werden sollen. Für China schätzt die Weltbank, dass bis zu einem Viertel der vermeintlichen Direktinvestitionen aus dem Ausland auf diese Weise zustande kommen, es sich tatsächlich also um einheimisches Kapital handelt.
Tillmann Elliesen
Wichtige Veranstaltungen
14.5.
"Global Public Goods - Zukunftskonzept für die Internationale Zusammenarbeit?" 10. Berliner Fachgespräch zur Globalisierung.
Informationen bei: KfW, FZ-Büro Berlin,
Tel.: 030/20264-5185, Fax: -5353,
E-mail: KfW.FZ-Berlin@KfW.de
16.-17.5.
"Qualitätsmanagement (EFQM) und Evaluation - Konkurrierende oder sich ergänzende Konzepte?" Tagung in Kirchheim/Teck.
Informationen bei: Arbeitskreis "Evaluation von Entwicklungspolitik" in der Deutschen Gesellschaft für Evaluation (DeGEval), Alexandra Caspari,
Tel.: 0681/302-3146, Fax: -3899,
E-mail: A.Caspari@rz.uni-sb.de
23.-26.5.
"Afrikas Vielfalt. Das Ende der Monologe?" Zweijahrestagung der Vereinigung von Afrikanisten in Deutschland (VAD) in Hamburg.
Informationen bei: Institut für Afrika-Kunde,
Tel.: 040/42825-523, Fax: -511,
E-mail: info@vad-ev.de
24.-26.5.
"Nachhaltigkeit im Rahmen der armenorientierten Entwicklungsarbeit - Anspruch und Wirklichkeit." Workshop in Bensheim.
Informationen bei: Karl Kübel Stiftung,
Tel.: 06251/7005-23, Fax: -55,
E-mail: r.tepel@kkstiftung.de
7.-8.6.
"Entwicklung im Schatten der Terrorbekämpfung? Entwicklungspolitik zu Beginn des 21. Jahrhunderts." Tagung in Berlin.
Informationen bei: PDS-Bundestagsfraktion, Gisela Kremberg, Tel.: 030/227-57013, Fax: -50008,
E-mail: kremberg@pds-im-bundestag.de

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