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01/2003 |
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Nach zwei Jahrzehnten zurückgehender Mittel
Zweiter Frühling für die deutsche Medienförderung?
Christoph Dietz
Anfang der achtziger Jahre war Deutschland weltweit der bedeutendste staatliche Geldgeber für entwicklungspolitische Medienförderung. Doch seit dem Höchststand von rund 54 Millionen Euro in 1981 sind die Mittel kontinuierlich gesunken auf mittlerweile nur noch 20 Millionen Euro (2001). Wie lässt sich dieser Rückgang erklären? Diese und andere Fragen standen im Vordergrund einer Konferenz zu Praxis und Perspektiven der deutschen Medien- und Journalistenförderung am 13. und 14. November im Bonner Gustav-Stresemann-Institut. Eingeladen hatten der Catholic Media Council (CAMECO) in Aachen, der Evangelische Entwicklungsdienst (EED) in Bonn und die Fachstelle Eine-Welt-Medien des Gemeinschaftswerks der Evangelischen Publizistik (GEP) in Frankfurt.
Günter Hollenbach, bis 2001 bei der GTZ für Medien und Kommunikation zuständig, mutmaßte, der Rückgang der Medienförderung im frankophonen Afrika sei auf eine Absprache zwischen Helmut Kohl und François Mitterand im November 1990 zurückzuführen. Sie hätten sich darauf verständigt, dass Frankreich sich wieder stärker in den alten Kolonien engagiere, während die Bundesrepublik sich intensiver den osteuropäischen Ländern widmen solle. Dieser Interpretation steht jedoch entgegen, dass die deutsche Förderung bereits vorher zurückgefahren worden ist. Stefan Brüne vom Deutschen Übersee-Institut sagte, im angelsächsischen Raum und in Frankreich habe man die strategische Bedeutung der Medien für die politische und wirtschaftliche Entwicklung schon lange erkannt. Dagegen friste die Kommunikationsforschung in Deutschland ein Schattendasein.
Elena Chernyavska vom Europäischen Medieninstitut (EIM) in Düsseldorf übte deutliche Kritik an der unkoordinierten Arbeit der Geldgeber und Durchführungsorganisationen in Südosteuropa. Binnen kürzester Zeit seien nach Ende des Bosnienkrieges sechshundert Nichtregierungsorganisationen in das Land gekommen; die ausländischen Geldgeber seien oft mehr am Ausbau ihrer Einflusssphären als an der Stärkung unabhängiger Medien vor Ort interessiert gewesen. Es sei dringend erforderlich, die Medienförderung durch die Mitglieder der Europäischen Union besser zu koordinieren. Ein Schritt in die richtige Richtung sind die neuen Förderrichtlinien des Auswärtigen Amtes im Rahmen des Stabilitätspakts für Südosteuropa. Danach sollen in erster Linie einheimische Initiativen gefördert werden (statt ausländischer Experten), soweit sie von der Media Task Force der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) geprüft worden sind.
In jüngster Zeit, so scheint es, erfährt die Diskussion um die Rolle der Medien für Entwicklung und Demokratie auch in Deutschland wieder eine Aufwertung. Erstmals seit 17 Jahren wird das BMZ wieder eine Querschnittsevaluierung seiner Medienförderung vornehmen. Dabei soll nicht nur die Kohärenz der bisherigen Förderpolitik analysiert, sondern zudem geprüft werden, inwieweit die Medienförderung in den Partnerländern zur Stärkung von Demokratie, Zivilgesellschaft und Menschenrechten beigetragen hat. Das derzeitige eher geringe Fördervolumen des BMZ korrespondiere jedenfalls nicht mit der großen Bedeutung unabhängiger Medien für die Demokratieförderung, sagte die zuständige BMZ-Referentin Ariane Hildebrandt.
Konsens bestand darüber, dass die Auflösung der Medienreferate in BMZ, GTZ und FES zum Verlust von wertvollem Erfahrungswissen geführt hat. 1985 habe das letzte mit der jetzigen Tagung vergleichbare Expertengespräch stattgefunden, damals auf Einladung des BMZ, sagte der freie Kommunikationsberater Manfred Oepen. So erfreulich die bessere Berücksichtigung des Themas Internationale Kommunikation im universitären Bereich ist, so wichtig ist eine stärkere institutionelle Verankerung bei den entwicklungspolitischen Durchführungsorganisationen.
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