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01/2003 |
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Afrika im Abwärtstrend
Nicolas van de Walle: African Economies and the Politics of Permanent Crisis, 1979-1999. Cambridge, Cambridge University Press 2001, 291 S., 14,95 £, ISBN 0-521-00836-0
Spätestens seit 1970 fällt Afrika bei allen wesentlichen makroökonomischen Indikatoren gegenüber dem Rest des Südens immer weiter zurück; der Kontinent befindet sich in einem langanhaltenden Prozess der Marginalisierung. In handwerklich gewohnt gründlicher Weise, mit großer Kenntnis der Literatur und theoretisch inspirierend fragt der an der Michigan State University lehrende Politologe Nicolas van de Walle in seinem jüngsten Buch nach den Ursachen dieser Krise. Im Kern bietet er eine neoinstitutionalistische Erklärung an, die ihren Ausgangspunkt im Konzept des Neopatrimonialismus hat. Danach zeichnen sich die postkolonialen Staaten Afrikas durch eine hybride Funktionslogik aus: Die nur scheinbar bürokratisch-rationalen Institutionen wie Staat, Parlament und Verwaltung sind durchdrungen von der traditionalen klientelistischen Organisation sozialer Beziehungen.
In einem Umfeld, in dem die Trennung von privater und öffentlicher Sphäre nicht vollzogen ist und die Eroberung öffentlicher Ämter die Voraussetzung für erfolgreiche Kapitalakkumulation darstellt, werde, so van de Walle, der Konsum der (Re-)Investition tendenziell vorgezogen, sei stabilisierende Wirtschaftspolitik nicht möglich und werde der Aufbau institutioneller Kapazitäten systematisch vernachlässigt. In der postkolonialen Phase habe die Fähigkeit afrikanischer Staaten daher immer weiter abgenommen, entwicklungsfördernde Politiken zu formulieren und deren Wirkung zu überprüfen.
Für van de Walle zeichnen sich bei aller länder- und zeitabhängigen Varianz Afrikas politische Ökonomien durch große (abwärtsgerichtete) Kontinuität aus. Als Zäsur wertet er allerdings die demokratischen Reformen, die viele Länder in den neunziger Jahren vorgenommen haben, deren Tragfähigkeit freilich sich erst noch erweisen muss. Dass die Demokratie in Afrika einen so schweren Stand habe, sei nicht zuletzt der systemstabilisierenden, ja kollaborativen Funktion zu danken, die die internationale Entwicklungszusammenarbeit in der Vergangenheit für Afrikas neopatrimonialen Eliten gehabt habe. Denn de facto sei der kaum konditionalisierte Zufluss öffentlicher Entwicklungshilfe eine in vielen Fällen die zentrale Ressource für neopatrimoniale Regime gewesen.
So wie das Buch Africa Works von Patrick Chabal und Jean-Pascal Daloz (1999) für das Verständnis des Informellen in Politik und Ökonomie in Afrika bahnbrechend gewesen ist, bringt van de Walles neues Buch das Verständnis des ökonomischen Scheiterns Afrikas und des Zusammenspiels zwischen den afrikanischen neopatrimonialen Eliten und der Entwicklungszusammenarbeit ein gutes Stück voran es wird die künftige Debatte über Staat, Gesellschaft und Ökonomie in Afrika prägen. Die nächste Aufgabe ist es, die neoinstitutionelle Agenda van de Walles mit Erkenntnissen aus der Informalitätsdebatte zu verzahnen.
Von Ulf Engel
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