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01/2003
 

Internationale Konferenz der Quandt-Stiftung

Welche Zukunft für Afrika?

Von Cord Jakobeit

Unter dem provozierend gemeinten Tagungsthema „Afrika – der vergessene Kontinent?“ hatte die Herbert-Quandt-Stiftung zwei Dutzend internationale Experten am 22. und 23. November nach Kronberg im Taunus eingeladen, um eine Bestandsaufnahme der Lage Afrikas vorzunehmen und über Perspektiven zu diskutieren. Über die Antwort auf die Ausgangsfrage bestand noch weitgehend Konsens: Afrika ist kein ferner Planet, von den übrigen Weltteilen marginalisiert und zugleich in Abhängigkeit geraten, lediglich dazu fähig, passiv den Schock der Globalisierung zu absorbieren. Vielmehr ist Afrika auf vielfältige Weise in globale Austauschprozesse und Netzwerke eingebunden und gestaltet diese mit – nicht immer so freilich, wie es der Westen gerne hätte: Man denke an den internationalen Drogenhandel oder die teilweise illegalen Geschäfte mit Rohstoffen wie Diamanten und Öl.


Dagegen kam es über die Frage nach den Perspektiven des Kontinents zum Streit zwischen den afrikanischen Teilnehmern der Konferenz. Der Ghanaer George Ayittey von der Free Africa Foundation in Washington identifizierte die afrikanischen Regierungen als das größte Entwicklungshindernis und appellierte an die Geberländer, nur noch mit nichtstaatlichen Organisationen zusammenzuarbeiten. Freie Medien, ein funktionierendes Justizwesen, eine unabhängige Zentralbank und die Professionalisierung des Militärs seien die wichtigsten Ziele der Hilfe, sagte Ayittey. Allerdings blieb er die Antwort auf die Frage schuldig, wie denn diese Ziele ohne einen funktionierenden Staat und ohne Zusammenarbeit mit diesem zu erreichen wären.

Der Südafrikaner Khotso Mokhele, Präsident der National Research Foundation of South Africa, verwahrte sich gegen die vorherrschende düstere Beurteilung der Perspektiven des Kontinents. Er beharrte auf eine optimistische, selbstbewusste und auf Unabhängigkeit bedachte Sicht der Zukunft Afrikas, ganz im Sinne der African Renaissance seines Staatspräsidenten Thabo Mbeki. Afrika wäre schlecht beraten, so Mokhele, sich nur auf die Hilfe des Westens zu verlassen. Es sollte stattdessen darum bemüht sein, „auf gleicher Augenhöhe“ zu diskutieren und Hilfe nur zu akzeptieren, wenn sie den eigenen Vorstellungen entspreche. Es wäre in der Tat eine neue Form von ownership, wenn afrikanische Regierungen sich nicht auf die immer wieder angekündigte, aber selten praktizierte Koordination zwischen den Gebern verlassen, sondern selbst entscheiden würden, was sie brauchen und was nicht.

Vier Dekaden weitgehend enttäuschender Bemühungen der Entwicklungszusammenarbeit machen deutlich, so einer der Konferenzteilnehmer im Sinne eines Schlussworts, dass auch in Afrika das politische Geschäft ein langsames Bohren dicker Bretter ist – mit dem Unterschied allerdings, dass man es hier mit dem weit härteren Tropenholz zu tun habe.