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Startschuss für die InWEnt GmbH
Was wurde aus DSE und CDG?

01/2003 |
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Dialog und Training weltweit
Startschuss für die InWEnt GmbH
Von Ulrich Popp
Am 10. Oktober 2002 wurde der Zusammenschluss der Carl Duisberg Gesellschaft e.V. (CDG) und der Deutschen Stiftung für internationale Entwicklung (DSE) zur gemeinnützigen GmbH Internationale Weiterbildung und Entwicklung (InWEnt) in das Handelsregister des Amtsgerichts Bonn eingetragen. Damit konnte eine mehr als zweijährige Zeit intensiver Verhandlungen, Gutachten sowie Arbeitsrunden der Vorbereitung zu einem positiven Abschluss gebracht werden. Schwierig war dieser Zusammenschluss nicht zuletzt auch deshalb, weil wohl erstmals in der deutschen Rechtsgeschichte ein eingetragener Verein und eine Stiftung unter dem Dach einer gemeinnützigen GmbH zusammengeführt wurden.
Nun arbeiten gut 900 Mitarbeiter an rund 30 Standorten im Inland und in sechs Büros im Ausland in der neuen Organisation; 133 Million Euro beträgt das Finanzvolumen. Damit können jährlich 35 000 Fortbildungsgäste aus aller Welt an den internationalen Dialog- und Trainingsprogrammen der InWEnt teilnehmen.
Mehrheitsgesellschafter der neuen GmbH ist die Bundesrepublik Deutschland, vertreten durch das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ); als Minderheitsgesellschafter beteiligen sich die Wirtschaft, vertreten durch die CDG e.V., ebenso wie die DSE als Vertreterin der Bundesländer. So ist Deutschlands größtes Gemeinschaftsunternehmen von Bund, Ländern und Wirtschaft für internationale Weiterbildung und Personalentwicklung entstanden. Auch im internationalen Vergleich nimmt InWEnt damit eine führende Position ein.
Im Arbeitsschwerpunkt Infrastruktur in Ballungszentren des Bereichs Nachhaltiges Wirtschaften von InWEnt wird seit 1999 kommunale Nord-Süd-Zusammenarbeit in der lokalen Agenda 21 gefördert. Das Programm gilt für alle Kommunen aus Partnerländern des BMZ.
Geschäftsfelder von InWEnt
InWEnt wird sich auf sechs Geschäftsfelder konzentrieren:
- Fortbildung von Fach- und Führungskräften aus Entwicklungsländern;
- internationale berufliche Qualifizierung von Nachwuchs-, Fach- und Führungskräften aus Deutschland, anderen Industrie- sowie Transformationsländern;
- Politikdialog mit internationalen Organisationen;
- internationaler Erfahrungsaustausch und Dialog;
- entwicklungsbezogene Bildungs- und Informationsarbeit in Deutschland;
- Vorbereitung von Fachkräften der deutschen Entwicklungszusammenarbeit.
Damit werden zum einen die Kernbereiche der bisherigen Arbeitsfelder beider Organisationen fortgeführt und zum anderen neue Schwerpunkte, besonders in der entwicklungsbezogenen Informations- und Bildungsarbeit, gesetzt.
Ausgangspunkt: Das Gutachten des DIE
Ausgangspunkt der Fusion war nach einer Anregung des BMZ ein Gutachten des Deutschen Instituts für Entwicklungspolitik (DIE) vom Dezember 2000, das verschiedene Varianten einer Fusion skizziert hatte. Die zahlreichen, an das Gutachten anschließenden Diskussionen sowohl mit den beteiligten Organisationen und deren gesellschaftlichem Umfeld als auch mit dem BMZ haben viele neue inhaltliche Perspektiven eröffnet. So wurde von der ursprünglich beabsichtigten völligen Zentralisierung aller Strukturen rasch Abstand genommen, als deutlich wurde, welch nachhaltige Mitwirkung die Länder in den Haushalten und Programmen der beiden Altorganisationen spielten und auch weiterhin spielen wollen. Dieser Erkenntnis folgte die Entscheidung, InWEnt in Deutschland auch künftig föderal aufgestellt arbeiten zu lassen. Das bedeutet gleichzeitig, dass die Hoffnung auf umfangreiche Fusionsrenditen nur begrenzt erfüllbar ist.
Interessenausgleich abgeschlossen
Was die Mitarbeiter angeht, so gab es keine fusionsbedingten Kündigungen und wird sie auch nicht geben. Gerade angesichts der heutigen schwierigen Lage des Arbeitsmarktes kam dem Interessensausgleich zwischen Mitarbeiterschaft und Geschäftsführung ein zentraler Stellenwert zu. Dennoch konfrontieren die föderale Aufstellung und die Standortzusagen für die Mitarbeiter die Neustrukturierung der Aufbauorganisation mit besonderen Herausforderungen.
Portfolioanalyse
Inhalte und Instrumente beider Organisationen werden intern auf den Prüfstand gestellt: welche Inhalte sind zukunftsträchtig, welche Instrumente erzielen die nachhaltigsten Ergebnisse, welcher Bedarf ist bisher nicht abgedeckt, welche Leistungen erwarten die Gesellschafter, welche Anforderungen stellen neue Märkte? Als Ergebnis der Analyse soll bis Ende 2003 ein umfassendes, aufeinander abgestimmtes Portfolio an modernen, innovativen und zukunftsorientierten Programmen und Projekten entstehen, das auf den besten Erfahrungen der Vorgängerorganisationen aufbaut.
Unternehmerisches Handeln
InWEnt wird künftig auch außerhalb der öffentlichen Zuwendungen Aufträge, etwa der EU, nicht nur durchführen, sondern auch Erträge erwirtschaften können, die im Unternehmen verbleiben und seine fachliche und personelle Stärke weiterentwickeln. Dies fordert der neuen Gesellschaft neue Führungsstrukturen und Zielvorgaben ab. Unternehmerisches Denken und Handeln der Führungskräfte ist eine wesentliche Voraussetzung dafür, neue Auftraggeber zu akquirieren und die neue Gesellschaft dauerhaft am Markt zu positionieren. Klare Handlungsspielräume und ein modernes Management werden daher Teil des noch zu entwickelnden Führungskonzeptes der InWEnt gGmbH sein.
Flexibilität nach innen und außen
Die Neuausrichtung von InWEnt zu einer zentralen Einrichtung des internationalen Wissensmanagements setzt voraus, dass der Weiterentwicklung der inneren Strukturen auch die der äußeren folgt. Angesichts der Dezentralisierung der EU wie auch der Weltbank und anderer (vor allem bilateraler) Geberstrukturen ist schon heute erkennbar, dass für InWEnt die Dialogfähigkeit vor Ort in den Partnerregionen ein Kriterium für künftigen Erfolg sein wird. Außenstrukturen nicht nur in Deutschland, im Sinne eines föderalen Modells, sondern auch in den wichtigsten Partnerländern sind für InWEnt ein ebenso zentrales Thema wie für die Schwesterorganisationen im Vorfeld des BMZ, wie etwa für die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) und die Deutsche Gesellschaft für technische Zusammenarbeit (GTZ).
Fusion in der Fusion: Vorbereitungsstätte
Vor einer besonderen Herausforderung steht die Vorbereitungsstätte für Entwicklungszusammenarbeit: Aus der bisherigen Kooperation zwischen DSE, GTZ und dem Deutschen Entwicklungsdienst (DED) soll zum 1. Januar 2003 ein integraler Bestandteil von InWEnt werden. Die Kompetenz insbesondere in der interkulturellen Kommunikation und in der landeskundlichen Vorbereitung bekommt dadurch ein stärkeres Profil. So kann die Vorbereitungsstätte ihre Angebote noch flexibler als bislang auf die Nutzer abstimmen und neue Auftraggeber insbesondere mit Blick auf die zunehmende Globalisierung in der Wirtschaft und den steigenden Bedarf an interkultureller Qualifizierung der Führungskräfte akquirieren.
Neuer Arbeitsbereich entwicklungsbezogene Inlandsarbeit
Die Inlandsarbeit, in beiden Alt-Organisationen bereits in Ansätzen vorhanden, hat mit der Fusion eine sehr viel größere Bedeutung bekommen: Als eigenständiges Geschäftsfeld wird InWEnt vor allem ihre Präsenz an den zahlreichen Standorten im Bundesgebiet nutzen, um interkulturelle Begegnung und Bildung zu fördern. Zugleich wird sie als Mandatar des BMZ die entwicklungspolitische Bildungsarbeit von Akteuren der Eine-Welt-Arbeit unterstützen und neue Zielgruppen für entwicklungsbezogene Inlandsarbeit erschließen.
Besonderheit Industrieländerprogramme
Als einzige Institution innerhalb der Entwicklungszusammenarbeit arbeitet InWEnt wirklich weltweit. Trainings- und Qualifizierungsangebote für Führungskräfte, Nachwuchsführungskräfte und junge Berufstätige aus Deutschland und anderen Industrie- und Transformationsländern in fast allen Ländern der Welt eröffnen ein großes Potenzial für eine weltumspannende Arbeit. Wer sich einer fremden Lebens- und Arbeitswelt aussetzt, gelangt zu einem tieferen Verständnis für globale Abhängigkeiten und zu interkultureller Aufgeschlossenheit. Die Wirtschaft unterstützt als wichtiger Partner diese internationale Qualifizierung.
Integration und Leitbild
Leitbild und Visionen des Unternehmens werden die Eckpfeiler einer neuen und gemeinsamen Identität von InWEnt sein müssen. Der Weg dahin kann nur über eine breite und partizipativ angelegte Diskussion des derzeitigen und künftigen Programmportfolios gehen. Dies wird einer der Schwerpunkte der Weiterentwicklung in den nächsten Monaten sein. Daneben steht die neue Gesellschaft vor der Herausforderung, nun auch den inneren Prozess der Fusion zu bewältigen. Innere Fusion macht sich vor allem an Stichworten wie Personalentwicklung, Mitarbeiterfortbildung, transparente Beurteilungsverfahren und -kriterien , Gewinnung neuer transparenter Rotationsverfahren in allen Funktionsbereichen, aber auch an gemeinsamen Verfahrensregelungen fest. Mit externer Beratung ist dieser Prozess angelaufen. Alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter erhalten die Chance, sich an dieser Zukunftsgestaltung des neuen Unternehmens zu engagieren, sich persönlich daran zu beteiligen.
Nur so wird es gelingen, in den nächsten zwei bis drei Jahren InWEnt zu der zentralen Einrichtung für internationale Weiterbildung und Dialog wachsen zu lassen, die es nach der Vorstellung der Gesellschafter und Hauptauftraggeber werden soll.
Dr. Ulrich Popp, Hauptgeschäftsführer,
InWEnt Internationale Weiterbildung und Entwicklung gGmbH popp@dse.de
Geschäftsführung
Die Geschäftsführung besteht aus Hauptgeschäftsführer Dr. Ulrich Popp und zwei weiteren Geschäftsführern, Dr. Gudrun Kochendörfer-Lucius (bisher DSE) und Bernd Schleich (bisher CDG). Die Verantwortung für die neun Arbeitsbereiche ist wie folgt aufgeteilt: Gudrun Kochendörfer-Lucius betreut die Bereiche Entwicklungspolitisches Forum, Internatonale Regelwerke/Gute Regierungsführung/Wirtschaftspolitik, Industrie- und Transformations-länder und die Vorbereitungsstätte für Entwicklungszusammenarbeit. Bernd Schleich ist zuständig für die Bereiche Soziale Entwicklung, Nachhaltiges Wirtschaften und Zusammenarbeit mit den Ländern, entwicklungsbezogene Bildungsarbeit. Die Bereiche Umwelt, natürliche Ressourcen und Ernährung, Verwaltung sowie die Stabsstellen Steuerungsgruppe Strategische Unternehmensentwicklung, Unternehmenskommuni-kation, Qualität und Evaluierung und Revision und Controlling berichten direkt an Hauptgeschäftsführer Ulrich Popp.
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