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01/2004
 

[ Interview mit Silvano Langa, Katastrophenschutzbehörde Mosambik ]

„Katastrophen gibt es nicht nur in Afrika“

Auf Einladung von InWEnt und des Auswärtigen Amtes nahmen zehn Katastrophenschutz-Experten aus dem südlichen Afrika im Oktober an der Internationalen Konferenz zur Frühwarnung von Naturkatastrophen in Bonn teil. Den Gästen wurde zudem die Möglichkeit geboten, sich in Bitterfeld in Sachsen-Anhalt über die Folgen des Elbe-Hochwassers im August 2002 zu informieren. Fragen an Dr. Silvano Langa, den Direktor der nationalen Katastrophenschutzbehörde in Mosambik.

Dr. Langa, was war die wichtigste Erfahrung auf Ihrer Studienreise durch Ostdeutschland?
Das Beeindruckendste war, die gesamte Kette von Zuständigkeiten und den Informationsfluss an praktischen Beispielen kennenzulernen – von der Bundesregierung über die Länder und Landkreise bis hinunter zu den Gemeinden. Beeindruckend war auch, das große Engagement in Bitterfeld auf lokaler Ebene zu spüren. Die Bitterfelder haben es geschafft, Konsequenzen aus der schlimmen Erfahrung des Hochwassers zu ziehen und das System des Katastrophenschutzes zu erneuern.

Kann das ein Vorbild sein für Ihre Arbeit in Mosambik?
Ja, ich glaube, das kann eine sehr wichtige Richtschnur sein. Das haben auch meine Kollegen aus den anderen drei Ländern gesagt, die an der Studienreise beteiligt waren. Wichtig war für uns auch, zu sehen, wie intensiv in Bitterfeld Freiwillige und Privatunternehmen in die Rettungsarbeiten einbezogen wurden. So etwas hat bei uns gefehlt, als wir im Jahr 2000 die große Flut hatten. Aber jetzt werden wir versuchen, auch in Mosambik unseren Geschäftsleuten die Bedeutung solcher Solidarität nahe zu bringen.

Haben Sie in Deutschland Kontakte geknüpft, auf die Sie in Zukunft zurückgreifen werden?
Ja, und ich denke, dass wir einige dieser Kontakte nutzen werden. Zum Beispiel mit Blick auf die Frage der Versicherung und der Bewertung der ökonomischen Folgen einer Katastrophe. Sie haben ja in Deutschland eine ganze Reihe von Institutionen, die über viel Erfahrung in der Risikoabschätzung verfügen.

Gab es auch abschreckende Beispiele, die Sie in Mosambik unbedingt vermeiden wollen?
Wir sollten uns klarmachen, dass Katastrophen überall vorkommen können. In Deutschland wurde versäumt, die nötigen Konsequenzen aus dem Oder-Hochwasser von 1997 zu ziehen. Und so hat Sie das Elbe-Hochwasser im vergangenen Jahr sehr hart getroffen. Die Bevölkerung und auch die Politiker sind wohl davon ausgegangen, dass solche Katastrophen nur in Afrika oder Lateinamerika passieren. Das war natürlich falsch. Wir müssen immer davon ausgehen, dass selbst ein kleiner Fluss eine Katastrophe auslösen kann. Aber wir haben jetzt in Deutschland auch gesehen, was man alles zur Vorbeugung tun kann, wenn man die Gefahr ernst nimmt. Und das war eine inspirierende Erfahrung für uns.

Die Fragen stellte Dirk Asendorpf.