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Die roten Busse von Bogotá
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 01/2004
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[ InWEnt fördert innovatives Verkehrskonzept für Großstädte ]
Die roten Busse von Bogotá
Seit ihrer Einführung im Jahre 2000 sind die roten Transmilenio-Großraumbusse aus den Straßen Bogotás nicht mehr wegzudenken. Transmilenio ist ein innovatives Verkehrskonzept, dessen Kern ein Bussystem ist, das letztlich wie eine Metro funktioniert: Die Busse fahren auf eigenen Spuren, Zubringer-Busse verbinden die Außenbezirke Bogotás mit dem System in der Innenstadt. Doch Transmilenio ist mehr als nur ein Transportsystem. Zu dem Konzept gehören ein neu angelegtes Netz von Fahrradwegen sowie neue Grünanlagen und Fußgängerzonen im Stadtgebiet. Andere lateinamerikanische Millionenstädte wie Lima oder León de Guanajuato lernen von den Erfahrungen der Hauptstadt Kolumbiens. InWEnt unterstützt diesen Lernprozess mit Workshops und der Vermittlung von Praktika.
Transmilenio hat sich zu einem Vorbild für den städtischen Nahverkehr entwickelt, weil sich das Konzept schnell planen und realisieren lässt und vergleichsweise preiswert ist. Die öffentliche Hand ist für den Aufbau der Infrastruktur, die Ausschreibung des Auftrags für den Busbetrieb sowie das Monitoring zuständig. Private Busunternehmen kaufen die Busse, sind für deren Instandhaltung zuständig und übernehmen den Betrieb des Systems. Transmilenio ist eine Aktiengesellschaft, deren Kapital einen Treuhandfonds speist, zu dem weder Stadtverwaltung noch Busunternehmen direkten Zugriff haben. Der Fonds wird von einer Firma verwaltet, die die Erträge an die beteiligten Busunternehmen proportional zu den jeweils gefahrenen Kilometern verteilt.
Das Engagement von InWEnt im Verkehrssektor in Lateinamerika geht auf einen 1998 in Lima durchgeführten Workshop der Carl Duisberg Gesellschaft zurück, der das Projekt Verkehrsmanagement in lateinamerikanischen Ballungszentren vorbereitete. Zwei Jahre später wurde das Transmilenio-System im Fortbildungsprogramm Management städtischer Verkehrssysteme vorgestellt. Besonders die Teilnehmer aus Lima waren begeistert. Deshalb förderte InWEnt im Jahre 2002 Praktika von Entscheidungsträgern der Stadtverwaltung Lima bei Transmilenio in Bogotá. Im April 2003 sprachen sich die 39 Ratsmitglieder der Stadt Lima einstimmig für das an Transmilenio orientierte Projekt ProTransporte aus. InWEnt förderte daraufhin einen weiteren Süd-Süd-Austausch speziell für Transportunternehmer aus Lima. Vieles spricht dafür, dass das erfolgreiche Modell von Bogotá auch in Lima funktioniert.
In der kolumbianischen Hauptstadt trug Transmilenio dazu bei, neuen öffentlichen Raum in Gestalt von Fußgängerzonen und Fahrradwegen zu erschließen sowie die konfliktiven sozialen Randgebiete im Süden der Stadt in das Verkehrsnetz zu integrieren. Zudem hat Transmilenio sich durch geschickte Marketing-Konzepte zu einem positiven Identitätssymbol für die Stadt Bogotá entwickelt. In Bogotá gab es seit 2000 zahlreiche autofreie Sonntage, um den Einwohnern die Vorzüge des Bustransports zu demonstrieren. Oberbürgermeister Antanas Mockus, ein Philosophieprofessor mit Hang zur Extravaganz, fuhr wochenlang mit dem Fahrrad zu seinem Arbeitsplatz, um auf die neu gebauten Radwege aufmerksam zu machen. Der Verkehrssektor als sensibelster Bereich städtischen Managements ist besonders auf visionäre und charismatische Führungsgestalten wie Antanas Mockus oder seinen Vorgänger Enrique Peñalosa die Väter des Transmilenio angewiesen, um Rückhalt für innovative Konzepte zu bekommen.
Im Rahmen des von InWEnt angestrebten Aufbaus eines internationalen Kompetenznetzwerks zur Förderung nachhaltiger Stadtentwicklung wäre eine weitere Kooperation mit Transmilenio im Verkehrssektor wünschenswert. Dies sollte nicht auf Lateinamerika begrenzt sein zurzeit werden von InWEnt geförderte Gespräche zwischen Bogotá und Kapstadt vorbereitet.
Dr. Berthold Volberg, Mitarbeiter der InWEnt-Abteilung 4.03 Stadtentwicklung, Infrastruktur und Kommunikation.
berthold.volberg@inwent.org
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