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Tribüne


Entwicklungstheorie: Franz Nuscheler

Reich werden durch Armutsbekämpfung


01/2004
 

Franz Nuscheler (*1938)
Empirische Forschung und Global Governance

[ Entwicklungstheorie: Wer ist Wer? 44. Folge ]

[ Von Stephan Klingebiel und Dirk Messner ] Über mehr als 30 Jahre hinweg hat Franz Nuscheler die entwicklungspolitische Forschung in Deutschland maßgeblich beeinflusst und ist heute ihr bekanntester und wirkungsmächtigster Vertreter. Die aufeinander folgenden Paradigmenwechsel der Forschung wie der Politik begleitete er mit hellsichtigen Analysen. Als Direktor des 1990 gegründeten Duisburger Instituts für Entwicklung und Frieden (INEF) verankerte er mit großem Erfolg das Konzept „Global Governance“ in Wissenschaft und Politik. „Die Zeit“ stufte das INEF als eine der „kreativsten Denkfabriken“ in Deutschland ein.

I. Biographischer Abriss

Franz Nuscheler, geboren am 11. April 1938 in Kirchdorf bei Bad Wörishofen, studierte Politische Wissenschaft, Geschichte und Öffentliches Recht in Heidelberg. 1967 promovierte er bei Dolf Sternberger über „Walter Bagehot und die englische Verfassungstheorie“. Von 1969 bis 1974 war er an der Universität Hamburg zunächst als wissenschaftlicher Assistent des Politologen und Verfassungsrechtlers Winfried Steffani, anschließend als wissenschaftlicher Oberrat tätig. Seit 1974 wirkt er als Professor für internationale und vergleichende Politik an der Gerhard-Mercator-Universität Duisburg (seit 2003 Universität Duisburg-Essen). Seit 1990 ist er zugleich Direktor des Instituts für Entwicklung und Frieden, das mit der von Willy Brandt gegründeten Stiftung Entwicklung und Frieden zusammenarbeitet. Am 31. Juli 2003 wurde er emeritiert.

Forschungsaufenthalte führten Nuscheler in zahlreiche Entwicklungsländer Afrikas, Lateinamerikas und Asiens. Mehrfach reiste er in die USA und nach Japan zu Forschungsaufenthalten, Vorträgen und Gastprofessuren (z. B. an der Dokkyo Universität in Tokio).

Nuscheler wirkt in zahlreichen wissenschaftlichen und politikberatenden Gremien in führender Rolle mit. Er ist u. a. Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats der Bundesregierung für Globale Umweltveränderungen, Mitglied des Entwicklungspolitischen Beirats beim Österreichischen Außenministerium und stellvertretender Vorsitzender des Vorstands der Stiftung Entwicklung und Frieden. In der Enquête-Kommission des Deutschen Bundestages „Globalisierung der Weltwirtschaft“, die von 1999 bis 2003 arbeitete, war Nuscheler sachverständiges Mitglied und moderierte die Arbeitsgruppe „Global Governance“.


II. Werk und Einordnung

Franz Nuscheler hat mit seinen Veröffentlichungen die entwicklungspolitische und entwicklungstheoretische Debatte seit Ende der 60er Jahre begleitet und dabei immer wieder wegweisende Zwischenbilanzen gezogen. Das Werk, mit dem er den größten Einfluss auf das entwicklungspolitische Denken in Deutschland ausgeübt hat, war das zusammen mit Dieter Nohlen zuerst 1974 herausgegebene „Handbuch der Dritten Welt“ (HDW), das 1982 und 1993 in vollständig neu bearbeiteten Neuauflagen erschien. In diesem Werk entwickeln die beiden Herausgeber die zentralen begrifflichen und konzeptionellen Grundlagen der Entwicklungstheorie (u. a. „Was heißt Unterentwicklung?“, „Was heißt Entwicklung?“) und diskutieren die dominanten entwicklungstheoretischen Auseinandersetzungen, die grundlegenden Probleme, Bedingungen und relevanten Akteure von Entwicklung und die Dynamik des Nord-Süd-Verhältnisses im Kontext der sich wandelnden Weltpolitik. Ergänzt werden diese theoretischen Überlegungen durch ausführliche Länderanalysen.

Das Handbuch der Dritten Welt war von Anfang an ein Gegenentwurf zu den „großen Theorien“ modernisierungs- und dependenztheoretischer, (neo-)marxistischer oder auch neoliberaler Provenienz mit ihren jeweiligen universalen Erklärungsansprüchen. Statt abstrakte Welterklärungsmodelle, die insbesondere bis in die 80er Jahre in der Entwicklungsforschung en vogue waren, interessierten Franz Nuscheler empirisch fundierte Theorien mittlerer Reichweite. Sein Forschungsansatz basierte auf vier Prämissen:

– Es gibt keine allgemeinen ökonomischen oder gesellschaftlichen Gesetzmäßigkeiten, die Entwicklung und Unterentwicklung erzeugen. Entwicklungsprozesse müssen zum einen stets in ihrem jeweiligen historischen Kontext (Entkolonialisierung, Ost-West-Konflikt, Globalisierung) verstanden werden. Entwicklungsprobleme und -blockaden sind zum anderen oft länder- und regionenspezifisch.
– Entwicklungstheorie kann sich nur auf der Grundlage gesättigter empirischer Forschung bewähren. Konzepte, Erklärungsansätze und Strategien müssen stets durch neue empirische Forschung überprüft, weiterentwickelt und gegebenenfalls verworfen werden. Dieser iterative Prozess zwischen empirischer Forschung und Theoriebildung kennzeichnet das gesamte Werk Franz Nuschelers.
– Entwicklungsforschung muss interdisziplinär arbeiten und offen sein für neue Forschungsergebnisse aus Nachbardisziplinen. So nahm Nuscheler etwa die ökologischen Nachhaltigkeitsdiskurse, aber auch Einsichten der neuen Wachstumstheorien (zentrale Bedeutung von Bildung) sehr früh in seine eigenen Forschungsstrategien auf.
– Entwicklungstheoretische Fortschritte entstehen häufiger durch den Bezug unterschiedlicher Schulen und Konzepte aufeinander als durch Rechthaberei zwischen den Schulen. Nuscheler ist Anhänger eines produktiven Theorieeklektizismus: „Wer sich selbst für einen bestimmten Weg entschieden hat, ist nicht dagegen gefeit, den eigenen Weg als Königsweg und andere Wege als Irrwege zu betrachten; wer aber keine Orientierung hat, dreht sich im Kreis“ (Nuscheler, in: ders. (Hg.) 1986, IX). Im Ergebnis plädierte er in der 3. Auflage des HDW zusammen mit Nohlen für eine „kritische Modernisierungstheorie“, „die weder dependencia noch den ominösen ,subjektiven Faktor‘ zum alles erklärenden Passepartout für komplexe Zusammenhänge erhebt, sondern die Multidimensionalität und Multikausalität von Unterentwicklung zu erfassen versucht".

Das HDW ist vor diesem Hintergrund ein bemerkenswerter Spiegel der internationalen entwicklungspolitischen und -theoretischen Paradigmenwechsel und Kontroversen der 70er, 80er und 90er Jahre, zumal es bestrebt ist, die Heterogenität der Debatten durch die zahlreichen einbezogenen Autoren sichtbar zu machen. Das Gewicht von dependenztheoretischen Themen (ungleicher Tausch, strukturelle Heterogenität, Kolonialismus) wurde so in der 3. Auflage zugunsten von neueren Fragestellungen (Umwelt, Strukturanpassung, good governance) verschoben. Die von Nuscheler als Leitbild propagierte „Befriedigung der Grundbedürfnisse“ (Nuscheler 1985, 27) und das von Nohlen/Nuscheler in den drei Auflagen des HDW präsentierte und weiterentwickelte „magische Fünfeck von Entwicklung“ (1. Wachstum, 2. Arbeit, 3. Gleichheit/Gerechtigkeit, 4. Partizipation und 5. Unabhängigkeit/Eigenständigkeit; später ergänzt durch die Zieldimension 6. ökologische Nachhaltigkeit) haben die deutsche Debatte über Entwicklungsbegriffe und -ziele wesentlich geprägt. Das magische Fünfeck stellt einerseits den Versuch dar, die Komplexität von Entwicklungsprozessen zu reduzieren, zentrale Dimensionen von Entwicklung zu benennen und deren Dynamik zu erfassen sowie die Wechselwirkungen zwischen den Elementen abzubilden (HDW 1993, 64 ff.). Es ist heuristisches Analyseinstrument und zugleich entwicklungsstrategisches Leitbild, es nahm bereits in den 70er Jahren einiges von dem vorweg, was in den 80er Jahren von UNDP als „human development“ bezeichnet wurde.

Andererseits verweist die im Fünfeck der Entwicklung angelegte Vermittlung zwischen der „Entfaltung ökonomischer Produktivkräfte“ und dem Ziel der „Chancengleichheit für alle“ (HDW 1993, 73) auf den normativen Kern, der das gesamte Werk Franz Nuschelers kennzeichnet: „Der Kapitalismus hat seine Überlegenheit als Wirtschaftssystem bewiesen, aber noch nicht den Beweis erbracht, dass er auch das Verelendungswachstum in großen Teilen der Dritten Welt eindämmen kann. Dennoch bleiben unter den internationalen Rahmenbedingungen, die auch einen ordnungspolitischen Rahmen setzen, ein sozial und ökologisch gebändigter Kapitalismus sowie eine internationale soziale Marktwirtschaft ordnungspolitische Orientierungsmodelle. ... Entwicklung könnte (also) als Verwirklichung der politischen und sozialen Menschenrechte definiert werden“ (HDW 1993, 74-75).

Nuscheler hat sich in den vergangenen Jahrzehnten neben den skizzierten theoretischen Beiträgen mit einer Vielzahl zentraler Themen der Entwicklungsforschung beschäftigt:

Politische Herrschaft und politische Systeme: Seine frühe Beschäftigung mit Verfassungstheorien und politischen Systemanalysen (Nuscheler 1969) schlägt sich in den späteren Arbeiten etwa über „Politische Herrschaft in Schwarzafrika“ (Nuscheler/Ziemer 1980) nieder. Der Beitrag über „Erscheinungs- und Funktionswandel des Prätorianismus in der Dritten Welt“ (Nuscheler 1979) hat nicht erst durch die neuen Phänomene des Staatszerfalls eine bleibende Aktualität. Darin untersuchte er den Mangel an „civic order“, den alle prätorianischen Gesellschaften aufweisen: „ … die Ineffizienz, Instabilität und mangelnde Legitimität der politischen Institutionen, … den Mangel an Konsens über politische Werte und Ziele. ... Der Mangel an Legitimität begründet die entscheidende Schwäche der zivilen politischen Institutionen; er legitimiert gewissermaßen ihre Zerstörung und hilft den Putschisten über die Illegalität ihrer Aktionen hinweg“ (S. 179).

Menschenrechte: Nuscheler setzte sich in einer Vielzahl von Arbeiten mit dem Verhältnis von politischen, sozialen und kulturellen Menschenrechten auseinander. Er ist einerseits ein Verfechter der Gleichrangigkeit der unterschiedlichen Generationen von Menschenrechten als zentralen Zielsystemen von Entwicklungsprozessen. Er plädiert jedoch zugleich, statt einer Inflationierung immer neuer und letztlich doch nicht einklagbarer Rechte, für die konsequente Durchsetzung bereits bestehender Regelwerke. So hat er sich auch kritisch mit dem „Recht auf Entwicklung“ auseinandergesetzt, als er fragte, ob es sich hier um einen „Fortschritt oder ein Danaergeschenk“ handele (Nuscheler 1996).

Entwicklungspolitiken einzelner Geber: Die Frage, ob Entwicklungspolitik eher „Partnerschaft oder Ausbeutung“ (im Sinne einer Unterwerfung unter kurzsichtige Interessen) bedeute, beschäftigte ihn bereits während der 70er Jahre. Es folgten Analysen zu den konservativen entwicklungspolitischen Wenden in den USA (Reagan) und Großbritannien (Thatcher). Regelmäßig arbeitete er über die Stärken und Schwächen der japanischen Entwicklungspolitik (Nuscheler 1990). Trotz seines Plädoyers für eine Stärkung der Entwicklungspolitik warnte Nuscheler immer wieder vor deren Überforderung und plädiert statt dessen für eine Kooperation mit den Entwicklungsländern, die als globale Strukturpolitik konzipiert ist und den lange geforderten Kohärenzanspruch endlich einlöst (Nuscheler 2002).

Die ostasiatischen Tigerstaaten: In den 90er Jahren beschäftigte sich Nuscheler mit den Faktoren, die den Erfolg ostasiatischer Länder ausmachen, und den Möglichkeiten ihrer Übertragung auf andere Regionen. Trotz seinem Beharren auf der Bedeutung je spezifischer Bedingungen gibt es für Nuscheler verallgemeinerbare Lehren (Nuscheler 2000: 490 f.): 1. Entwicklung braucht die Dynamik des Marktes, aber auch einen handlungsfähigen Staat; 2. der Weltmarkt ist nicht zwangsläufig eine entwicklungspolitische „Sackgasse“, sondern bietet Chancen, die intelligent genutzt werden müssen; 3. „Tradition“ muss kein Entwicklungshindernis sein; 4. Demokratie entsteht nur dann, wenn die sozio-ökonomische Entwicklung Trägergruppen dafür hervorbringt.

Ende der Entwicklungstheorien? Offensiv setzte Nuscheler den „Bankrotterklärungen“ von Entwicklungspolitik und Entwicklungstheorien Argumente für deren Nutzen entgegen. Ulrich Menzels Provokationen in den 90er Jahren (vom „Scheitern der großen Theorie“ und vom „Ende der Dritten Welt“), aber auch Francis Fukuyamas „Ende der Geschichte“ motivierten Nuscheler, Gegenposition zu beziehen: „Entwicklungspolitik braucht Entwicklungstheorien nötiger denn je. Ihnen ist keineswegs das Objekt abhanden gekommen, sondern mit der Globalisierung (...) sogar ein neuer und komplexer Objektbereich zugewachsen“ (Nuscheler 1998: 287).

Migration, Flucht und Asyl: Dies sind Themen (Nuscheler 1995), die Brücken schlagen zwischen Entwicklungen im Süden und im Norden. Nuscheler versuchte in seinen Debattenbeiträgen zu diesem Feld die Interdependenzen zwischen innen-, außen- und entwicklungspolitischen Strategien zur Einhegung von Flucht und Entwurzelung aufzuzeigen. Hervorzuheben ist sein Sachbuch „Nirgendwo zu Hause“ (1984), worin er für jugendliche Leser einfühlsam und aufklärerisch die Vertreibungen des 20. Jahrhunderts schildert.


Weltprobleme und Global Governance

Seit Mitte der 90er Jahre beschäftigt sich Franz Nuscheler mit der zentralen Zukunftsfrage, wie Weltprobleme kooperativ bearbeitet und die Globalisierung politisch gestaltet werden können. Ausdruck hierfür sind sein maßgebliches Mitwirken an den seit 1991 regelmäßig erscheinenden „Globalen Trends“und seine Auseinandersetzung mit den Weltkonferenzen und Weltberichten der 90er Jahre (Messner/Nuscheler 1996). Vor allem die deutsche Diskussion zum Thema „Global Governance“ hat Nuscheler (zusammen mit Dirk Messner) nachhaltig geprägt (Messner/Nuscheler 2003).

Dabei zeichnet er ein differenziertes Bild. Er erkennt Chancen und Risiken der Globalisierung, beschreibt Gewinner und Verlierer auf der Ebene der Staatenwelt, innerhalb der Gesellschaften des Nordens sowie in und zwischen den Entwicklungsländern. Doch die Globalisierung verteilt aus seiner Sicht nicht nur Entwicklungschancen und
-risiken neu, sondern sie verändert die Grundstruktur der Politik aller Gesellschaften: „Die neue Qualität der Globalisierung besteht nicht nur in der Verdichtung der Interdependenzen und wechselseitigen Verwundbarkeiten zwischen den Staaten, sondern auch in einer Erosion der internen Souveränität, d. h. in der Verengung der Handlungsspielräume von Regierungen“ (Nuscheler 2000a, 472). Er erarbeitet „Bausteine einer Global-Governance-Architektur“ (regionale Kooperation als Kern von Global Governance, Mehrebenenpolitik, kooperativer Multilateralismus, Zusammenspiel privater und staatlicher Akteure), beschreibt die „Voraussetzungen für Global Governance“ (z. B. die Stärkung globaler Rechtsstaatlichkeit, eine globale Kooperationskultur, Kulturdialoge) und betont die „Widersprüche zwischen Einsichten und Handeln“ auf dem schwierigen Weg zu mehr Kooperation in der Weltpolitik sowie „Blockaden für Global Governanc“ (z. B. durch unilateralistische Machtpolitik, die Schwächen europäischer Außenpolitik, Nord-Süd-Interessengegensätze) (Nuscheler 2000a, 475 ff.; Messner/Nuscheler 2003).

Bei seinen Beiträgen zu Global Governance geht es ihm weder um kleinteilige Forschung zu Spezialproblemen noch um einen umfassenden Theorieentwurf (wie etwa Immanuel Wallerstein), sondern darum, Ansätze zu Global Governance in unterschiedlichen Politikbereichen (der Entwicklungs-, der globalen Umwelt-, der Menschenrechts-, der Sicherheitspolitik) herauszuarbeiten sowie sich verändernde Akteurs- und Machtkonstellationen unter Bedingungen der Globalisierung zu erfassen, so dass sukzessive ein Puzzle an Erklärungsansätzen entsteht, das dann zu einem „sich verdichtenden Flickenteppich“ (so eine Lieblingsmetapher von Franz Nuscheler) verwoben werden kann. Dabei versteht es sich für Nuscheler von selbst, dass er Wissenschaft mit praktischer Absicht verfolgt. Gerade angesichts der Krise des Multilateralismus plädiert er für Weitsicht: „Hegemoniale Weltordnungsvorstellungen haben in einer polyzentrischen und turbulenten Welt keine Zukunft. Global Governance ist (daher) kein romantisches Projekt für eine heile ,globale Nachbarschaft‘, sondern eine realistische Antwort auf die Herausforderungen der Globalisierung und der globalen Risiken. Es ist ein evolutionäres Projekt, das sich nur schrittweise entwickelt“ (Nuscheler 2000, 505).


III. Wirkung: Ein Vermittler zwischen Theorie und Praxis

Nuscheler ist Mentor und Lehrer vieler, die sich in der wissenschaftlichen und praktischen Entwicklungspolitik einen Namen gemacht haben. Das Nuscheler-Netzwerk reicht in das BMZ, das Auswärtige Amt, die Friedrich-Ebert-Stiftung, die GTZ, das Zentrum für Entwicklungsforschung, die Stiftung Wissenschaft und Politik, das Deutsche Institut für Entwicklungspolitik und in die NRO-Welt hinein.

Bemerkenswert ist vor allem, dass Nuschelers Arbeiten nicht nur in der akademischen Debatte, sondern ebenso bei Praktikern der Entwicklungspolitik große Beachtung finden. Nuscheler legt Wert auf den offenen, kritischen, konstruktiven und leidenschaftlichen Austausch mit der Praxis. Aufmerksamkeit ist ihm nicht zuletzt deshalb sicher, weil er sich nie gescheut hat, mit großer sprachlicher Klarheit Missstände zu benennen und kurzsichtiges oder ideologisches Handeln zu kritisieren. Dabei kommt ihm zugute, dass er als Autor und Redner komplexe Sachverhalte verständlich darstellen kann – für deutsche Wissenschaftler keineswegs selbstverständlich. Mit seinem 1985 erstmals erschienenen „Lern- und Arbeitsbuch Entwicklungspolitik“, das inzwischen in sechs Auflagen erschien, hat er das Entwicklungsdenken ganzer Lehrer-, Schüler- und Studentengenerationen geprägt. In einer Laudatio hat Klaus Hänsch, Präsident des Europäischen Parlamentes a. D., über Franz Nuscheler gesagt: Er ist einer, „für den Profession und Compassion eins sind“.






Schriften von Franz Nuscheler

1969: Theorien zur politischen Entwicklung, in: CIVITAS, Jahrbuch für Sozialwissenschaften, Bd. 8, S. 67-103
1974-1978 (Hg., mit Dieter Nohlen):
Handbuch der Dritten Welt. 4 Bände, Hamburg. Neuauflagen 1982, 1993
1979: Erscheinungs- und Funktionswandel des Prätorianismus in der Dritten Welt, in: CIVITAS, Bd. 16, S. 171-213
1980 (mit Klaus Ziemer): Politische Herrschaft in Schwarzafrika: Geschichte und Gegenwart, München
1984: Nirgendwo zu Hause, Menschen auf der Flucht. Baden-Baden
1985a: Lern- und Arbeitsbuch Entwicklungspolitik. Bonn. 6 Neuauflagen
1985b (Hg.): Dritte-Welt-Forschung, Entwicklungstheorie und Entwicklungspolitik, in: Politische Vierteljahresschrift, Sonderheft 16, Opladen
1986 (Hg.): Politikwissenschaftliche Entwicklungsländerforschung. Darmstadt
1990: Japans Entwicklungspolitik. Hamburg
1995: Internationale Migration – Flucht und Asyl. Opladen
1996a: Das Recht auf Entwicklung. Fortschritt oder Danaergeschenk in der Entwicklung der Menschenrechte. Bonn
1996b (mit Dirk Messner): Weltkonferenzen und Weltberichte Bonn
1997 (Hg., mit Ingomar Hauchler, Dirk Messner): Globale Trends 1998, Fakten – Analysen – Prognosen. Frankfurt M.
1998: Warum brauchen wir Entwicklungstheorien?, in: E+Z, 39. Jg., Nr. 11, S. 284-287
2000a (Hg.): Entwicklung und Frieden im 21. Jahrhundert, Zur Wirkungsgeschichte des Brandt-Berichts. Bonn
2000b: Vom (großen) Nutzen und (kleinen) Elend der Komparatistik in der Entwicklungstheorie, in: Ulrich Menzel (Hg.) 2000: Vom Ewigen Frieden und vom Wohlstand der Nationen. Frankfurt M., S. 467-492
2002a: Überforderte Entwicklungspolitik, Veränderungen nach dem 11. September, in: Internationale Politik, Bd. 57, Nr. 11, S. 1-8
2002b (mit Paul Kennedy, Dirk Messner): Global Trends and Global Governance. London
2003 (mit Dirk Messner): Das Konzept Global Governance, Stand und Perspektiven. INEF-Report, Heft 67/2003. Duisburg


Dr. Stephan Klingebiel hat bei Franz Nuscheler promoviert und 1988-1993 an seinem Lehrstuhl und am INEF gearbeitet. Seit 1993 arbeitet er am Deutschen Institut für Entwicklungspolitik, wo er die Abteilung II (Subsahara-Afrika) leitet.
stephan.klingebiel@die-gdi.de

Dr. Dirk Messner war von 1995 bis September 2003 Wissenschaftlicher Geschäftsführer des INEF; er ist seit Oktober 2003 Direktor des Deutschen Instituts für Entwicklungspolitik.
dirk.messner@die-gdi.de