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Analysen und Berichte


Zu wenig Medikamente

Falsche Politik als Ursache


01/2005
 

[ AIDS ]

Zu wenig Medikamente

Die Zahl der Menschen, die mit dem AIDS-Virus HIV infiziert sind, hat sich in 2004 um fast fünf Millionen auf knapp vierzig Millionen erhöht. Nach Angaben der UN-Behörde zur AIDS-Bekämpfung, UNAIDS, verzeichneten Ostasien mit 56 Prozent sowie Osteuropa und Zentralasien mit 48 Prozent die größten Zuwächse. Bei der Vorstellung des jüngsten Jahresberichts von UNAIDS Ende November in Genf sagte UNAIDS-Direktor Peter Piot, in der AIDS-Bekämpfung sei die Zeit schneller Lösungen endgültig vorbei. „Wir müssen den Ausnahmecharakter, den die Krise hat, mit der Notwendigkeit langfristiger Lösungen in Einklang bringen.“

Nach Angaben von UNAIDS steigt der Anteil der Frauen unter den HIV-Infizierten weltweit kontinuierlich an. In Afrika südlich der Sahara sind es bereits knapp 60 Prozent, bei den 15- bis 24-Jährigen sogar über 70 Prozent. UNAIDS weist darauf hin, dass es aus biologischen Gründen doppelt so wahrscheinlich ist, dass ein Mann eine Frau ansteckt als umgekehrt. Darüber hinaus seien Frauen auch aus sozioökonomischen Gründen gefährdeter, da sie häufig dazu gezwungen seien, als Prostituierte zu arbeiten. Entwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul sagte, der Katastrophe könne nur begegnet werden, „wenn wir Frauen und Mädchen stärken“.

Der UNAIDS-Bericht verdeutlicht, dass es auch in Afrika nicht eine, sondern mehrere Epidemien unterschiedlicher Intensität gibt. Während im südlichen Afrika die Infektionsraten weiter auf über 25 Prozent angestiegen sind, gibt es laut UNAIDS in Ostafrika durchaus Erfolge bei der Bekämpfung der Seuche. In der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba ist demnach die Infektionsrate seit Mitte der 90er Jahre von 24 Prozent auf 11 Prozent gesunken, in Kenia landesweit von 13,6 Prozent auf 9,4 Prozent.

Nach Angaben von UNAIDS haben sich die weltweiten öffentlichen und privaten Ausgaben zur AIDS-Bekämpfung seit 2001 von 2,1 Milliarden auf gut sechs Milliarden Dollar nahezu verdreifacht. Christoph Benn vom Globalen Fonds zur Bekämpfung von AIDS, Tuberkulose und Malaria wies auf einer Tagung Ende November in Berlin darauf hin, dass immer mehr Geld in die Behandlung von AIDS-Patienten mit antiretroviralen Medikamenten fließe. In den ersten zwei Jahren des seit 2002 bestehenden Fonds seien die meisten Mittel für Prävention beantragt worden. Das hat sich laut Benn mit der internationalen 3-by-5-Initiative geändert. Ziel der Ende 2003 aufgelegten Initiative ist es, bis Ende 2005 drei Millionen Patienten Zugang zu einer antiretroviralen Therapie zu verschaffen.

Bis dahin ist es noch ein weiter Weg: Laut UNAIDS sind zurzeit knapp eine halbe Million AIDS-Patienten in Behandlung. Das seien zwar mehr als doppelt so viele wie noch vor zwei Jahren. Doch weniger als zehn Prozent der HIV-Infizierten, die dringend behandelt werden müssten, erhalten regelmäßig Medikamente. Tido Schön-Angerer von der Organisation Ärzte ohne Grenzen stellte deshalb in Berlin die 3-by-5-Initiative in Frage. Eine langfristige Finanzierung des Globalen Fonds sei keineswegs gesichert. Und die US-Politik, die die eigene Pharmaindustrie fördere, die Hersteller von AIDS-Generika dagegen behindere, mache es zusätzlich schwer, die Versorgung mit preiswerten Medikamenten zu verbessern. Das Entwicklungsministerium kündigte unterdessen an, den deutschen Beitrag zum Globalen Fonds in 2005 auf 82 Millionen Euro zu verdoppeln. (Siehe auch Seiten 5 und 6 in diesem Heft.)

Tillmann Elliesen / Annette Hornung






Im Internet:
http://www.unaids.org