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Zu wenig Medikamente

Falsche Politik als Ursache


01/2005
 

[ Desertifikation ]

Falsche Politik als Ursache

Wüstenbildung ist ein überwiegend von Menschen verursachtes Problem und kein natürlicher Prozess. Wie gravierend die Situation ist, belegen die Zahlen: Ein Drittel der weltweiten Landoberfläche ist von Wüsten bedeckt; die Vereinten Nationen schätzen, dass jährlich 120 000 Quadratkilometer hinzukommen – eine Fläche halb so groß wie die britische Insel. Ein Fünftel der Weltbevölkerung ist von der fortschreitenden Desertifikation betroffen. Es besteht jedoch die Hoffnung, dass ein Großteil des verödeten Landes nicht irreversibel geschädigt ist und die betroffenen Ökosysteme wieder restauriert werden können. Wissenschaftler sprechen denn auch von „Ökosystem-Rehabilitation“ oder „Therapiemaßnahmen für degradierte Trockengebiete“. Das war eines der Themen, die auf der Jahrestagung von DesertNet Anfang Dezember in Bonn diskutiert wurden. DesertNet ist ein Forschungsnetzwerk deutscher wissenschaftlicher Einrichtungen, das in Zusammenarbeit mit internationalen Partnern zum Kampf gegen Wüstenbildung und ihre Folgen beitragen will.

Das Beispiel des austrocknenden Aralsees zeigt, dass einfache Antworten zu kurz greifen. Dass der Aralsee über 80 Prozent seiner Wasserfläche verloren hat, hat mehrere Ursachen. Am Anfang der Probleme standen politische Fehlentscheidungen. Das Vorhaben der Sowjetunion, mit Hilfe von aufwändigen Bewässerungssystemen großflächig Baumwolle in Wüstengebieten anzubauen, hatte verheerende Folgen. Die Wasserentnahme war so groß, dass ein Teil des Aralseebeckens austrocknete. Zugleich hat der verschwenderische Umgang mit dem Wasser in den landwirtschaftlich genutzten früheren Wüstengebieten zu Bodendegradation in großem Ausmaß geführt. „Desertifikation bezeichnet gar nicht so sehr die Ausweitung von Wüstengebieten, sondern vor allem die Degradation der Bodenqualität und des Ökosystems“, erklärt Christopher Martius, der am Bonner Zentrum für Entwicklungsforschung (ZEF) ein Forschungsprojekt über Land- und Wassernutzung in Usbekistan leitet. „Die Probleme im Aralseebecken zeigen, dass technische Maßnahmen nicht mehr reichen. Die Lösung liegt letztlich in einer anderen Agrarpolitik.“

Aber hört die Politik auf die Wissenschaft? Auch um diese Frage ging es auf der Tagung. Die Forscher sehen sich in verschiedenen Rollen: Im Idealfall sind sie Berater, Frühwarner und diejenigen, die im Krisenfall Hilfe auslösen. Forschung kann aber nur effektiv sein, wenn sie integrativ ist, das heisst Know-how aus verschiedenen wissenschaftlichen Disziplinen zusammenführt. Außerdem sollten die Wissenschaftler eng mit den lokalen Partnern in den von Desertifikation betroffenen Regionen zusammenarbeiten. Und wie das Beispiel des Aralsees zeigt, sind Lösungen nur machbar, wenn auch die politischen Entscheidungsträger einbezogen werden. Alma van der Veen


Weitere Informationen:
http://www.desertnet.de