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01/2005
 

[ Novartis ]

Verantwortung im Gesundheitswesen

In vielen Entwicklungsländern spiegelt das Gesundheitswesen weiterhin koloniale Konditionen. Ärzte und Krankenhäuser versorgen die Städte mit Therapien. Aus Sicht des Weltbank-Arztes Khama Rogo wäre es aber wichtig, Prävention zu fördern und ländliche Regionen nicht weiter zu vernachlässigen. Um die etablierten Strukturen zu reformieren, komme es vor allem darauf an, die Institutionen des Gesundheitswesens rechenschaftspflichtig zu machen. Das wiederum sei leichter gesagt als getan, warnt der kenianische Fachmann: „Das größte Problem ist, dass die, die versorgt werden sollen, endlich gehört werden.“

Dass Verantwortlichkeit im medizinischen Sektor zentral für Verbesserungen in armen Staaten sei, war bei bei einem Symposium der Novartis-Stiftung für nachhaltige Entwicklung in Basel Anfang Dezember unumstritten. Wie es hieß, ist es im Gesundheitswesen in der Regel fast so schwer wie beim Militär, Akteure zur Rechenschaft zu ziehen. Um die Millenniumsziele zu erreichen, seien aber Fortschritte bei Heilung, Pflege und Vorsorge nötig. Dabei gehe es nicht nur um die Millenniumsziele zur Bekämpfung von AIDS sowie Mütter- und Kindersterblichkeit, sondern ebenso um Hunger und Umweltbedingungen. Auch Bildung ist gesundheitsrelevant, da Menschen Informationen brauchen, um sich um ihr Wohlergehen kümmern zu können.

Selbstverständlich trägt auch die Pharmaindustrie Verantwortung. Paul Hunt, ein britischer Professor, der den Vereinten Nationen regelmäßig über das Menschenrecht auf Gesundheitsversorgung berichtet, machte dazu einen konkreten Vorschlag. Demnach würden sich zunächst Fachleute aus Wissenschaft, Zivilgesellschaft und Industrie in einer zweijährigen Arbeitsphase auf Kriterien einigen, an denen Konzerne zu messen wären. Dabei würde es beispielsweise um den Forschungsaufwand, die Preispolitik oder das Beharren auf Patentrechten gehen. Später würden dann in einer weiteren, dreijährigen Zeitspanne Berichte über einzelne Unternehmen erstellt.

Klaus Leisinger, der Leiter der Novartis-Stiftung, die 2004 ihr 25. Jubiläum feierte, sagte diesem Vorstoß seine Unterstützung zu. Der Manager kann unabhängigen Prüfungen gelassen entgegensehen. Denn sein Mutterkonzern betreibt in Singapur ein Labor zur Forschung an TB- und Dengue-Medikamenten. Er gilt auch deshalb als vorbildlich, weil er der WHO gratis Lepramittel bis zur Ausrottung der Seuche versprochen hat (siehe auch Seite 26 in diesem Heft).

Besorgniserregend findet Leisinger indessen, dass reiche Länder häufig medizinisches Personal aus armen Ländern abwerben. Einer Faustregel zufolge arbeiten in den US-Staaten New York und New Jersey mehr nigerianische Ärzte als in ihrem Herkunftsland. Zwar wird darüber debattiert, ob Industriestaaten für diesen Brain-drain Kompensationen zahlen müssten. Doch laut Weltbank-Experte Rogo gibt es bisher dafür kein schlüssiges Modell. Er gab auch zu bedenken, dass die Freizügigkeit von Ärzten und Pflegekräften ein Menschenrecht sei. (dem)





Weitere Informationen:
http://www.novartisfoundation.com/en/articles/human/
symposium_human_rights.html