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Der Geiz der Reichen


01/2005
 

[ Grüne Gentechnik ]

Auf den Preis kommt es an

Bedarf an einer gentechnisch veränderten dürreresistenten Kassavasorte gibt es bestimmt in vielen armen Ländern. Nicht aber eine zahlungskräftige Nachfrage. „Deshalb investieren wir auch nichts in die Forschung.“ Manfred Kern von Bayer Crop Science macht keinen Hehl daraus, dass sein Unternehmen – wie die Konkurrenz auch – mit grüner Gentechnik in erster Linie Geld verdienen will. Das ist legitim, aber doch auch bedauerlich, findet der Agrarökonom Matin Qaim von der Universität Hohenheim. Denn Qaim ist überzeugt, dass gentechnisch veränderte Pflanzen auch vielen armen Kleinbauern in Entwicklungsländern große Vorteile bieten. Auf einer Tagung der Deutschen Welthungerhilfe im Dezember in Bonn verdeutlichte er das mit einigen Forschungsergebnissen: Danach braucht insektenresistente Baumwolle deutlich weniger Schädlingsbekämpfungsmittel als herkömmliche Sorten; die geringeren Verluste bedeuten höhere Erträge– in Indien bis zu 34 Prozent, in Mexiko immerhin noch bis zu neun Prozent. Und die höheren Erträge bedeuten mehr Einkommen für die Bauern – trotz höherer Kosten für das genmanipulierte Saatgut.

Qaim plädierte für mehr öffentliche Forschung zu grüner Gentechnik – zum einen, um auch solche Produkte entwickeln zu können, die nützlich sind, für die sich private Forschung aber nicht rentiert. Zum anderen, um den geldwerten Nutzen für die Bauern noch zu erhöhen. Denn je höher die Preise für das Saatgut, desto kleiner der Gewinn für die Bauern. Nach Angaben von Qaim kassieren vom Gewinn, der sich mit insektenresistenter Baumwolle erzielen lässt, in Indien zwei Drittel die Bauern und ein Drittel der Saatguthersteller. In China dagegen entfallen auf die Bauern mehr als 90 Prozent, weil es keinen Patentschutz gibt. Die Folgen sind große Konkurrenz zwischen den Herstellern und niedrige Preise für das Saatgut. In Argentinien ist das Verhältnis umgekehrt: Hier kassiert der US-Konzern Monsanto mehr als drei Viertel des zusätzlichen Gewinns aus dem Anbau genveränderter Baumwolle, weil er als Monopolist die Preise für das Saatgut diktieren kann. Von Ausbeutung will Qaim dennoch nicht sprechen: Kein Bauer werde gezwungen, auf die genveränderte Baumwolle umzusteigen. In Argentinien hätten sich denn auch nur fünf Prozent für die teure insektenresistente Sorte entschieden, während in China mehr als die Hälfte umgestiegen sei.

Skeptiker monierten in Bonn, Qaims Ansatz beschränke sich zu sehr auf ökonomische Aspekte. Für Michael Krawinkel von der Universität Gießen muss eine Kosten-Nutzen-Analyse auch Auswirkungen der grünen Gentechnik auf Umwelt und Gesundheit berücksichtigen. Und Ricarda Steinbrecher von der Vereinigung Deutscher Wissenschaftler wies auf mögliche unerwünschte sozio-ökonomische Auswirkungen hin. So könne der Anbau herbizidresistenter Pflanzen in armen Ländern Arbeitsplätze gefährden, da dort die Unkrautvernichtung häufig noch Handarbeit sei. (ell)