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Der Geiz der Reichen
 01/2005
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[ Oxfam-Analyse ]
Der Geiz der Reichen
Gemessen an ihrem Einkommen geben die reichen Länder heute nur noch halb so viel Entwicklungshilfe wie in den 1960er Jahren. Vor vierzig Jahren betrug der Anteil der Hilfe am Bruttosozialprodukt der Industrieländer 0,48 Prozent, heute sind es nur noch 0,24 Prozent. Darauf macht die britische Hilfsorganisation Oxfam in einer Studie aufmerksam, die sie Anfang Dezember vorstellte. Ziel des Papiers ist es, die britische Regierung anzutreiben, während ihrer G8-Präsidentschaft in 2005 die Bekämpfung der Armut ganz nach oben auf die Tagesordnung zu setzen. Gegenwärtig geben die reichen Länder jährlich nur 80 Dollar pro Einwohner für Entwicklungshilfe aus so wenig wie für eine Tasse Kaffee wöchentlich. Würden sie die Hilfe auf 0,7 Prozent des Bruttosozialprodukts steigern, wäre das immer noch nur ein Fünftel ihrer Rüstungsausgaben. Unterdessen zahlen die armen Länder laut Oxfam weiterhin mehr an Schuldendienst an die Industrieländer zurück als sie an neuer Hilfe erhalten. Es sei eine moralische Pflicht der Reichen, den Armen mehr zu geben und ihnen die Schulden zu erlassen.
Entwicklungshilfe habe in der Vergangenheit viel erreicht, heißt es in dem Papier. Problematisch sei jedoch, dass viele Geber strategische Interessen mit ihrer Hilfe verfolgen. Zudem knüpfen laut Oxfam sechzehn der 22 größten Geber ihre Zahlungen immer noch an die Bedingung, dass die Nehmerländer mit dem Geld bevorzugt Güter und Dienstleistungen aus den Geberländern kaufen (Lieferbindung). Würden diese Missstände abgestellt und sich die Geber außerdem besser abstimmen, könnte die Effizienz der Hilfe nach Ansicht von Oxfam deutlich gesteigert werden. Voraussetzung dafür sei natürlich, dass auch die Regierungen der armen Länder sich ernsthaft auf die Bekämpfung der Armut verpflichten. (ell)
Im Internet:
http://www.oxfam.org.uk/press/releases/mdgs_price061204.htm
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