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Hilfe für schwangere Schülerinnen

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01/2005
 

[ Reproduktive Gesundheit ]

Hilfe für schwangere Schülerinnen

Viele afrikanische Schülerinnen müssen die Schule abbrechen, weil sie schwanger werden. Über die Folgen und Risiken ungewollter Schwangerschaften klären „peer educators“ ihre Mitschülerinnen auf. „Tantines“, junge Frauen, die selbst ungewollt schwanger wurden und nun in den Schulen ihre Geschichten erzählen, sind ein weiterer Ansatzpunkt.


[ Von Ursula Schoch ]

Ob in Ruanda, Niger oder Kamerun, für viele Schülerinnen enden die Träume von Abitur und Studium oft abrupt nach den Ferien, wenn sich eine Schwangerschaft nicht mehr verheimlichen lässt. Oft müssen die Mädchen dann die Schule verlassen. Das ist besonders bedauerlich in Ländern, in denen ohnehin nicht so viele Mädchen die Sekundarschulen besuchen. Ansätze der AIDS-Prävention und Sexualaufklärung versuchen dem entgegenzuwirken. In Zusammenarbeit mit den Gesundheitsdiensten entwickelt InWEnt lokal angepasste Programme, um die Jugendlichen zu erreichen.

Hilfe scheint auch geboten: Die Situation der Mädchen wird geradezu perspektivlos, wenn sich die Erzeuger der Verantwortung entziehen und die Mädchen von ihren Familien verstoßen werden. Selbst wenn sie sich nicht mit dem HI-Virus infiziert haben, sind sie gesellschaftlich stigmatisiert. Und sie werden dann, das zeigt die Erfahrung, auch eher ein Opfer von Gewalt. Oft bleibt den jungen Frauen nur die Prostitution, um sich und ihr Kind über Wasser zu halten. Um diesem Schicksal zu entgehen, lassen viele Mädchen eine illegale und daher besonders risikoreiche Abtreibung vornehmen. Einige sterben daran.

Verschiedene Ansätze, wie mit dem Problem umgegangen werden kann, wurden auf einem Seminar in Potsdam vorgestellt. An dem Treffen nahmen Mitarbeiterinnen aus Gesundheits-, Erziehungs- und Frauenministerien sowie Schüler und Direktoren von Krankenpflegeschulen und Projektmitarbeiter teil. Die Experten aus Kamerun, Niger und Ruanda nutzen die Gelegenheit, um sich über die neuesten Erkenntnisse zum Thema zu informieren. Im Rahmen einer Exkursion konnten sie auch vergleichbare Ansätze in Deutschland kennen lernen: bei Pro Familia, deren Büros bundesweit in Familienangelegenheiten beraten, bei „Kind im Zentrum“, einer Organisation, die mißbrauchten Kindern hilft, und der Aidshilfe. Außerdem wurde ihnen ein Internetangebot zur Sexualaufklärung der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung vorgestellt.


Peer Educators

Um ungewollten Schwangerschaften und HIV/AIDS vorzubeugen, haben das Kigali Health Institute und InWEnt ein Trainingsmodul für Ruanda entwickelt. Es ist für die Anti-AIDS-Clubs an den Krankenpflegeschulen des Landes bestimmt. Die Einheit enthält Fachwissen und Kommunikationstechniken zu Sexualaufklärung, Verhütung und AIDS. 100 Mitglieder der Clubs werden mit dem Modul geschult. Sie sind dann in doppelter Funktion gefragt: Heute als „Peer Educators“ für ihre Mitschülerinnen und Mitschüler. Und in Zukunft als Fachkräfte, die im Gesundheitswesen arbeiten.

Bei der Entwicklung des Moduls wurde versucht, die Perspektive der Jugendlichen mit aufzunehmen. Dazu wurden in einem Workshop mit Jugendlichen aus den AIDS-Clubs Fragen gesammelt, die Jugendliche zum Thema reproduktive und sexuelle Gesundheit bewegen. Die Trainingseinheit wurde entlang dieser Fragen entwickelt und mit Jugendlichen „pre“getestet. Die Experten hatten sich für dieses Vorgehen entschieden, da Informationen, die nur für, aber nicht mit Jugendlichen entwickelt werden, die Zielgruppe erfahrungsgemäß nicht erreichen.


Tantines

Auch in Kamerun sind ungewollte Schwangerschaften an Schulen sehr verbreitet. Um dem entgegenzuwirken, wurde im Rahmen eines Gesundheitsprojektes der Deutschen Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) ein neuer Ansatz entwickelt. Dieser wird seit 2004 auch von der Abteilung Gesundheit von InWEnt unterstützt. Bei dem Ansatz gehen Betroffene, so genannte „Tantines“ (Tantchen), Mädchen und junge Frauen, die selbst ungewollt schwanger geworden sind, in die Schulen und erzählen ihre persönliche Leidensgeschichte den Schülerinnen und Schülern.

Das „Zeugnisablegen“ (Testimony/Temoinage) soll zunächst nur vor der vorzeitigen Aufnahme von sexuellen Kontakten warnen. Inzwischen sind viele Tantines für die Jugendlichen auch außerhalb der Schulen wichtige Ansprechpartnerinnen geworden. Die Schülerinnen und Schüler wenden sich an sie, wenn sie Fragen zu Verhütung und Schwangerschaft haben oder Opfer von sexueller Gewalt geworden sind.

Damit waren viele Tantines überfordert. Deshalb haben GTZ und InWEnt Trainings entwickelt und durchgeführt, die den Tantines Fachwissen sowie Kommunikations- und Beratungsmethoden vermitteln. Informationen zu Verhütungsmethoden und deren Anwendung gehören ebenfalls dazu. Außerdem wurden Beratungsbögen erstellt, die den Tantines helfen, ihre Klientinnen und Klienten sachlich korrekt zu informieren, und mögliche Handlungsoptionen aufzeigen. InWEnt hat die Entwicklung dieser Beratungsleitfäden unterstützt. Sie werden in englischer und französischer Sprache herausgegeben und an die Tantines verteilt. Die Arbeit der Tantines wird dadurch professioneller und systematischer und gestattet eine bessere Nachbetreuung der Jugendlichen.

Anfängliche Bedenken der Eltern gegen die Besuche der Tantines in den Schulen gehören inzwischen der Vergangenheit an. Heute bitten sie die Tantines darum, in die Schulen zu kommen. Auch die Reputation junger Mütter als „leichte Mädchen“ hat sich gewandelt. Sie werden zunehmend als verantwortungsvolle Frauen angesehen. An vielen Schulen, an denen die Tantines aktiv sind, ist die Zahl ungewollter Schwangerschaften zurückgegangen.


Qualifizierung von Fachpersonal

Sexualaufklärung, Vermeidung ungewollter Schwangerschaften und die Prävention von HIV/AIDS stehen auch im Niger ganz vorne bei der gesundheitlichen Aufklärung von Schülerinnen und Schülern. Primär geht es dabei um die Qualifizierung des Personals von Gesundheitseinrichtungen für die Belange Jugendlicher.

Die beiden staatlichen Krankenpflegeschulen im Niger (Ecoles Nationale de la Santé Publique / ENSP) haben mit fachlicher Unterstützung durch InWEnt einen Baustein entwickelt. Er soll fester Bestandteil des Curriculum der Institute werden. Das Modul beinhaltet medizinisches Fachwissen und Kommunikations- und Beratungsmethoden für Krankenschwestern, Hebammen, Labortechniker und Sozialarbeiter. Es soll die Absolventen der Schulen auf ihre Arbeit in den Gesundheitsdiensten vorbereiten und ihnen helfen, angemessener mit Jugendlichen umzugehen.

InWEnt engagiert sich für die gesundheitliche Aufklärung Jugendlicher im Rahmen eines mehrjährigen Projektes „Sexualaufklärung, Prävention von HIV/AIDS und reproduktive Gesundheit junger Menschen“ mit Partnerorganisationen aus den drei genannten Ländern. Erwünscht ist dabei auch das gegenseitige voneinander Lernen.





Ursula Schoch
arbeitet bei InWEnt im Bereich Soziale
Entwicklung. Sie ist dort Projektleiterin mit Arbeitsschwerpunkt Reproduktive Gesundheit.
ursula.schoch@inwent.org