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Entwicklungspraxis bildet


01/2005
 

[ Privatwirtschaft ]

Entwicklungspraxis bildet

Deutsche Unternehmen wollen künftig Fachkräfte mit entwicklungspolitischen Organisationen austauschen. Derartige Kooperationen dienten Firmen, den Beschäftigten und den armen Staaten, betonte Karl Starzacher auf der Jahrestagung der Arbeitsgemeinschaft Entwicklungspolitik der Deutschen Wirtschaft (AGE) Ende November in der Bonner InWEnt-Zentrale. Der AGE-Vorstandsvorsitzende verwies darauf, dass sich aus Sicht des britischen Unternehmerverbandes CBI (Confederation of British Industries) der Personalaustausch mit der Londoner Entwicklungspolitik bewährt hat. In Britannien wird derlei seit fünf Jahren praktiziert.

Angestellte sammelten wertvolle Erfahrungen, die Entwicklungsländer profitierten von deren Fachkompetenz und die Unternehmen hätten Gelegenheit, ihr Personal weiter zu qualifizieren, argumentierte Starzacher. Manager versprächen sich von der Zusammenarbeit zudem Vorteile, weil sinnvolles Firmenengagement die Glaubwürdigkeit bei den Verbrauchern steigere.

Starzacher berichtete, auch Ableger deutscher Gesellschaften hätten an dem britischen Programm teilgenommen. Nun solle ein einheimisches Äquivalent geschaffen werden. Die Bundesrepublik nehme zwar in Sachen entwicklungspolitischer Public Private Partnerships (PPP) international eine Vorreiterrolle ein. Dies schlägt sich dem Manager zufolge aber bislang nicht in personalpolitischer Zusammenarbeit zwischen den Organisationen der Entwicklungspolitik und der Wirtschaft nieder.

Die AGE geht davon aus, dass in diesem Jahr etwa ein halbes Dutzend Unternehmensangestellte in Entwicklungsvorhaben entsandt werden dürften. Ihre Zahl soll sukzessive steigen. Die Implementierung von Projekten unter schwierigen Bedingungen sei eine sinnvolle Form der Fortbildung. Außerdem könnten solche Mitarbeiter unter Umständen später bei der Markterschließung helfen. Beides biete nicht nur Großkonzernen, sondern auch mittelständischen Unternehmen interessante Perspektiven.

Die entwicklungspolitischen Durchführungsorganisationen verfügen in den Zielländern über wichtige Kontaktnetzwerke, in die auch deutsche Unternehmen eingebunden werden könnten. Mitglieder in der AGE sind unter anderen der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI), der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) oder auch der Bundesverband deutscher Banken (BdB).

Aus Sicht von Staatssekretär Erich Stather vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) ist die „enge Kooperation“ mit Unternehmen „von entscheidender Bedeutung“. Sie biete die Chance, „Handlungsperspektiven zum Wohle unserer Partnerländer gezielter auszuloten“. Stather kündigte an, BMZ und AGE würden künftig gemeinsam einen Preis für „vorbildliches unternehmerisches Handeln in Schwellen- und Entwicklungsländern“ ausschreiben.

AGE-Chef Starzacher erinnerte daran, dass exportorientierte Unternehmen Personal mit interkulturellen Kenntnissen und Auslandserfahrung brauchen. Jährlich kämen etwa 1000 Entwicklungshelfer von ihren Einsatzorten in den Zielländern nach Deutschland zurück. Allerdings suchten nur zwei Drittel von ihnen Jobs in der Privatwirtschaft – davon wiederum nur rund die Hälfte mit Erfolg. Starzacher zufolge schrumpft indessen nicht zuletzt dank Public Private Partnerships die Distanz zwischen Wirtschaft und Entwicklungspolitik seit Jahren in erfreulicher Weise. (dem)




Website:
http://www.age-berlin.de