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Ein Jahr danach


01/2006
 

[ Tsunami ]

Ein Jahr danach

In den zwölf Monaten nach dem verheerenden Seebeben in Südostasien hat die Servicestelle Partnerschaftsinitiative 117 Projekte mit einem Gesamtvolumen von 21 Millionen Euro vermittelt. Bei 175 weiteren Projekten stand sie beratend zur Seite. Insgesamt gingen mehr als 1300 Hilfsangebote von Bundesländern, Kommunen, Schulen, Vereinen und Verbänden, Unternehmen und Privatleuten ein. Die Bundesregierung hatte die Servicestelle für den Wiederaufbau und die Entwicklung der von der Flut betroffenen Regionen Asiens unmittelbar nach dem Tsunami bei InWEnt eingerichtet. Sie soll Hilfsangebote aus Deutschland koordinieren und in sinnvolle Bahnen lenken.

„Ich bin tief beeindruckt davon, wie viele Bürgerinnen und Bürger bereits weitere Benefizaktionen für das kommende Jahr planen“, betonte die Sonderbeauftragte der Bundesregierung, Christina Rau, bei der Präsentation der Jahresbilanz in Berlin. Die frühere deutsche First Lady hat in den vergangenen Monaten viele Kommunen, Initiativen und Unternehmen deutschlandweit besucht, die sich für den Wiederaufbau der vom Tsunami betroffenen Gebiete engagieren. Sie sagt, alles deute darauf hin, dass langfristige Partnerschaften entstünden.

Zirka 300 Projektpartnerschaften sind mittlerweile angelaufen. Sie setzen sehr unterschiedliche Akzente. Es gibt zahlreiche Hausbau- und Schulbauprojekte – vor allem in Sri Lanka und Indonesien. Für Thailand wurden gleich mehrere Krankenhauspatenschaften ins Leben gerufen. In allen betroffenen Ländern haben deutsche Partner den Kauf oder die Reparatur von Fischerbooten und anderen Geräten als „Hilfe zur Selbsthilfe“ gefördert. Oft unterstützen mehrere deutsche Partner gemeinsam ein Projekt. Den meisten Hilfeanbietern konnte InWEnt eine erfahrene Organisation als Kooperationspartner zur Seite stellen.

Am 26. Dezember 2004 hatte ein Seebeben der Stärke 9,3 im Indischen Ozean eine gewaltige Flutwelle ausgelöst. Sie brachte Zerstörung, Leid und Not über mehrere Länder Süd- und Südostasiens sowie Teile Ostafrikas. Offiziellen Angaben zufolge kamen mehr als 220.000 Menschen ums Leben, 1,7 Millionen Menschen verloren ihr Hab und Gut. Den Schaden beziffern Experten auf 9,6 Milliarden Dollar.

Weltweit löste die Katastrophe eine große Hilfs- und Spendenbereitschaft aus. Auf einer von den Vereinten Nationen eiligst einberufenen Geberkonferenz in Genf im Januar 2005 sagte die damalige Bundesregierung 500 Millionen Euro für einen Zeitraum von fünf Jahren zu. Neben diesen öffentlichen Mitteln spendeten Privatpersonen bislang knapp 670 Millionen Euro an nichtstaatliche Organisationen.

Die Partnerschaftsinitiative berät, vermittelt und begleitet deutsche Kommunen, Unternehmen, Vereine und Schulen, die sich für den nachhaltigen Wiederaufbau in den zerstörten Regionen engagieren wollen. Sie bringt Anbieter von Hilfe mit passenden Partnern und Projekten in Asien zusammen. Auf lange Sicht sollen, so der Wunsch der Bundesregierung, die meist auf konkrete Projekte konzentrierten Beziehungen in dauerhafte kommunale Partnerschaften überführt werden.

Die Servicestelle Partnerschaftsinitiative kooperiert mit staatlichen wie nichtstaatlichen Organisationen in Deutschland und vor Ort. Das Aktionsbündnis „Gemeinsam für Menschen in Not – Entwicklung hilft“ – ein Zusammenschluss von Brot für die Welt, Deutsche Welthungerhilfe, Medico International, Misereor und Terre des Hommes – arbeitet in der Partnerschaftsinitiative mit. Die Servicestelle hat subsidiären Charakter. Sie besitzt kein Monopol bei der Koordination oder Projektvermittlung. Verschiedene Bundesländer etwa haben eigene Koordinationsstrukturen eingerichtet. Zu den bei Beratung und Projektvermittlung zugrunde gelegten Kriterien gehört, dass die Projekte sich am Bedarf der betroffenen Menschen orientieren, die Hilfe entwicklungspolitisch sinnvoll ist und dem Grundsatz der „Hilfe zur Selbsthilfe“ entspricht. Sie muss mit den Behörden vor Ort abgestimmt sein.

Die Erfüllung dieser Kriterien setzt eine professionelle und sorgfältige Planung voraus. „Qualität geht vor Schnelligkeit“. Die Welle der Hilfsbereitschaft nach dem Tsunami soll der kommunalen Nord-Süd-Kooperation zu einem dauerhaften Aufschwung verhelfen.

Norbert Glaser