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 01/2006
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Menschliche Sicherheit:
Erfreuliche Bilanz
Human Security Centre (Ed.):
Human Security Report 2005.
War and Peace in the 21st Century.
New York, Oxford University Press 2005, 170 Seiten, 29,95 Euro, ISBN 0-195-30739-9
Entgegen dem weitverbreiteten Eindruck ist die Welt in den vergangenen Jahren friedlicher geworden. So jedenfalls lautet eine Hauptthese des Human Security Report. Erstmals vorgelegt hat ihn das vom früheren kanadischen Außenminister Lloyd Axworthy mitbegründete Human Security Centre an der University of British Columbia. Es versteht unter menschlicher Sicherheit den Schutz der Individuen vor Gewalt. Unterentwicklung, Hunger oder Seuchen berücksichtigt das Institut nur als mögliche Gewaltursache.
Dem Bericht zufolge ging die Zahl der kriegerischen Auseinandersetzungen weltweit seit 1992 von 50 auf 29 zurück. Prozentual noch stärker sank die Zahl der Getöteten. Ein Hauptgrund dafür ist, dass mit dem Kalten Krieg die Unterstützung der Supermächte für viele Kriegsparteien im Süden endete. Dass seitdem zahlreiche Konflikte beigelegt oder entschärft werden konnten, schreibt das Zentrum auch den Friedensmissionen der Vereinten Nationen zu, die nicht mehr vom Ost-West-Konflikt gelähmt sind.
Die meisten Kriege der Gegenwart würden in armen Ländern mit niedriger Intensität und einfachen Waffen ausgefochten, oder eine Seite dominiere das Geschehen völlig wie die USA in Afghanistan und Irak. Deshalb fielen heute weniger Kämpfer als in früheren Kriegen.
Die Situation in Afrika südlich der Sahara trübt für das Zentrum das Bild. Dort registriert der Bericht weiterhin ungünstige Bedingungen für eine Überwindung der Gewalt. Dabei blendet er aus, dass gerade in armen Ländern viel mehr Menschen an mittelbaren Kriegsfolgen wie Hunger und Seuchen sterben allein im Kongo im Zeitraum 1998 bis 2003 wohl über drei Millionen.
Widmet sich der Report zunächst Gewaltkonflikten, an denen mindestens ein Staat beteiligt ist, legt er im zweiten Teil Daten über Kämpfe zwischen sozialen Gruppen ohne staatliche Beteiligung vor. Ergebnis: Diese Konflikte finden häufiger als Kriege und Bürgerkriege statt, fordern jedoch weit weniger Opfer und gehen zahlenmäßig ebenfalls zurück. Zweitens nehme die Zahl einseitiger Gewalttaten wie Massenmorde an Zivilisten ab. Das scheint einerseits plausibel (Völkermorde werden in der Regel in Kriegen begangen). Andererseits ist nicht klar, wie aussagekräftig hier Zahlen sind. Die Definition von Genozid ist schwierig. Wenige neue Fälle oder eine andere Definition können einen Trend schnell verändern.
Der Bericht geht auch auf politische Repression und Kriminalität ein. Wegen der schwierigen Datenlage bleiben die Aussagen allerdings recht allgemein. Ein umfassender Index der menschlichen Sicherheit vergleichbar jenem für menschliche Entwicklung des UN-Entwicklungsprogramms UNDP ist nach Aussage der Forschungsgruppe zurzeit nicht erreichbar und vielleicht auch nicht wünschenswert. Angesichts der Vielzahl von Gewaltformen würde er das Verständnis der Probleme möglicherweise eher behindern als erleichtern.
Der Bericht tritt dem überzeichneten Bild von Kriegen in Medien und Öffentlichkeit mit allgemein zugänglichen Daten entgegen. Es fehlt ein Vergleich mit Zahlen, die auf anderen Zählweisen und Kriegsdefinitionen beruhen. Doch die Aussage bezüglich des Trends scheint überzeugend. Andere Teile des Reports erweitern die Datenlage zur menschlichen Sicherheit. Beides macht das Buch nützlich und lesenswert.
Bernd Ludermann
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