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Ankerland China:
Wirtschaftliche Perspektiven
 01/2006
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Ankerland China:
Wirtschaftliche Perspektiven
Jan Joost Teunissen (Ed.):
Chinas Role in Asia and the World
Economy: Fostering Stability and Growth.
The Hague, FONDAD 2003,
308 Seiten, 24,50 Euro, ISBN 90-74208-22-3
Die Größe Chinas ist für sich bereits Grund genug, die wirtschaftlichen Aussichten des Landes und seinen Einfluss auf Stabilität und Wachstum der Weltwirtschaft zu untersuchen. Diese Publikation Ergebnisse einer Konferenz des niederländischen Forum on Debt and Development (FONDAD) behandelt Fragen, denen sich das Land mit Blick auf seine innere Entwicklung, regional und international stellen muss.
Die aktuelle Debatte definiert China als Ankerland. Das spiegelt die neue Bedeutung des Landes wider. Die Beiträge der etwa 20 überwiegend asiatischen Autoren, Wissenschaftler und Experten aus dem internationalen Finanz- und Entwicklungssektor, thematisieren die ersten Erfolge der ökonomischen Reformen, Chinas Rolle in der Region und in der Weltwirtschaft, die asiatische Sicht des globalen Finanzsystems sowie die kommenden Herausforderungen für das Land. Dabei ist das Buch trotz seines Umfangs gut strukturiert.
Die Wirtschaftsprofessoren Gang Fan und Xiaojing Zhang fragen, wie eine Reformagenda zu gestalten ist, die dem Land weitere 20 Jahre Wirtschaftswachstum ermöglicht. Sie schlagen vor, Staatsmonopole aufzuheben, staatliche Unternehmen zu liberalisieren, den Bankensektor zu diversifizieren und unabhängig von der Peoples Bank of China zu machen sowie private Eigentumsrechte zu stärken. Besonders dringlich ist aus ihrer Sicht, tragfähige Renten-, Kranken- und Arbeitslosenversicherungen zu schaffen. Die Rolle des Staates müsse sich von einer Kontrollfunktion hin zum makroökonomischen Management wandeln.
Für Professor Keun Lee von der Seoul National University müssen Chinas Probleme in Beziehung zueinander gesehen werden. Sie seien einzeln nicht lösbar. Die Hauptprobleme liegen für ihn im Antagonismus von schnellem Wachstum und dem Entstehen marktwirtschaftlicher Strukturen auf der einen Seite, politischem Hegemoniestreben der Kommunistischen Partei und der Notwendigkeit, soziale Stabilität zu gewährleisten, auf der anderen Seite. Hohe Arbeitslosigkeit, ein Übermaß an faulen Krediten sowie rapid wachsende Disparitäten zwischen ländlichen und städtischen Regionen und damit verbundene Migrationsströme erschwerten die Reformansätze.
Dem Leser bietet der Band ein breites Spektrum anregender, mitunter kontroverser Meinungen. Einig sind sich die Forscher, dass im chinesischen Finanzsektor weitere Liberalisierung nötig ist, dagegen gehen die Meinungen auseinander, wie das zu erreichen ist. Einvernehmlich fordern die Experten ein starkes Bankensystem, belastbare Institutionen, ein flexibles Währungsregime mit Notreserven und eine nachhaltige makroökonomische Politik. Den Weg dorthin weist ein 7-Punkte-Plan, der sich an den Forderungen von Gang Fan und Xiaojing Zhang orientiert.
Nicole Heppner, Regine Reim
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