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Halbierung in weiter Ferne


01/2006
 

[ Hunger ]

Halbierung in weiter Ferne

Jährlich sterben sechs Millionen Kinder weltweit an den Folgen von Mangel- und Unterernährung. Das teilt die Welternährungsorganisation FAO in ihrem aktuellen Jahresbericht mit (The State of Food Insecurity in the World 2005). Demnach hat sich die Zahl der Hungernden seit Anfang der 1990er Jahre von 824 Millionen bis zum Jahr 2002 leicht auf 815 Millionen reduziert. Ihr Anteil an der Weltbevölkerung ging in der gleichen Zeitspanne um drei Prozentpunkte von 20 auf 17 Prozent zurück.

Der Bericht betont, die internationale Gemeinschaft müsse mehr tun, um den Weltbevölkerungsanteil der Unernährten bis zum Jahr 2015 zu halbieren. Sie sei noch weit davon entfernt, dieses UN-Millenniumsziel zu erreichen. Würden die Anstrengungen nicht verstärkt und setze sich der bisherige Trend fort, dann könnten nur Lateinamerika und die Karibikstaaten das Ziel erreichen. Von 1992 bis 2002 ist der Anteil der Unterernährten in Lateinamerika von 13 auf zehn Prozent zurückgegangen, in Asien von 20 auf 16 Prozent. Auch in Subsahara-Afrika und Südasien ging der Anteil von 36 auf 33 Prozent beziehungsweise 26 auf 22 Prozent zurück. Die absolute Zahl der Hungernden hingegen ist in diesen beiden Regionen in den letzten zehn Jahren gestiegen, was vor allem am überdurchschnittlich hohen Bevölkerungswachstum liegt.

Neben fehlendem Wirtschaftswachstum sind laut FAO vor allem Infektionskrankheiten wie AIDS und Malaria, aber auch politische Instabilität und schlechte Regierungsführung die wichtigsten Ursachen für das niedrige Tempo im Kampf gegen den Hunger. Gleichzeitig behindere Hunger Erfolge in anderen Bereichen wie Bildung und Gesundheit. FAO-Generalsekretär Jacques Diouf sieht deshalb in der Bekämpfung des Hungers den Schlüssel zum Erreichen auch der anderen Millenniumsziele.

Die FAO empfiehlt, im armen ländlichen Raum verstärkt in produktivitäts- und einkommenssteigernde Maßnahmen zu investieren und für besonders verletzliche Gruppen wie Frauen und Kinder den Zugang zu Nahrungsmitteln zu verbessern, zum Beispiel durch Investitionen in die Lebensmittellagerung oder den Bau von Schulgärten. Der Bericht schreibt den Entwicklungsländern dabei eine hohe Eigenverantwortung zu. Gleichzeitig ruft die FAO die internationale Gemeinschaft zu mehr Hilfe auf und fordert den Abbau von Handelsschranken sowie weitere Schuldenerlasse.

Antje Mangelsdorf