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Beiträge aus der Rubrik Analysen und Berichte
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Asien will sich selbst vor Finanzkrisen schützen
Als neoliberales Programm war der Washington Consensus nicht gedacht
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Die Fähigkeit zu teilen neu lernen
 02/2004
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[ Von einer Reformagenda zum Kampfbegriff ]
Als neoliberales Programm war der
Washington Consensus nicht gedacht
John Williamson hat Lateinamerika noch nicht aufgegeben obwohl der Entwicklungsökonom nach dem verlorenen Jahrzehnt der 80er Jahre nun auch die Jahre 1997 bis 2002 als halbes verlorenes Jahrzehnt bezeichnet. Der Wissenschaftler aus den USA hat zusammen mit dem ehemaligen peruanischen Wirtschaftsminister Pedro Pablo Kuczynski im vergangenen Jahr das Buch After the Washington Consensus herausgegeben, das eine regionale Reformagenda für Lateinamerika entwickelt. Anlässlich einer Konferenz über Institutionen, Wettbewerbsfähigkeit und Wachstum stellten sie im Dezember in Lima an der Universidad Peruana de Ciencias Aplicadas die spanische Übersetzung des Buches vor.
Dass Williamson heute südlich des Rio Grande als Vortragsreisender willkommen ist, ist keine Selbstverständlichkeit. Der Erfinder des Begriffs Washington Consensus vertritt weiterhin dessen Kernpunkte, zu denen er unter anderen Ordnung der Staatsfinanzen, Handelsliberalisierung, Privatisierung und Steuerreform zählt. Minimalstaat oder Monetarismus dagegen, die als Teil der nur mäßig erfolgreichen neoliberalen Agenda in Lateinamerika keinen guten Ruf genießen, gehörten aus Williamsons Sicht nie zum Washington Consensus. Als er den Begriff 1989 bei einem Seminar prägte, dachte er an eine lateinamerikanische Reformagenda, die in Washington von allen wichtigen Akteuren akzeptiert werden würde von Weltbank und Währungsfonds bis hin zum US-Finanzministerium. Abweichend von dieser Definition wurde der Begriff aber gerade in Lateinamerika zu einem Kampfbegriff, der für die radikal-neoliberale Politik steht, die in vielen Ländern nur dürftige Ergebnisse brachte.
Für völlig gescheitert hält Williamson die Reformen der vergangene Dekade indessen nicht, da auf makroökonomischer Ebene erhebliche Erfolge erzielt wurden (insbesondere drastische Reduzierung der Inflation). Doch beabsichtigte Wirkungen wie Reduzierung der Armut, Arbeitsplatzschaffung im formellen Sektor und politische Stabilität blieben aus. Der Volkswirt aus den USA sucht die Ursache darin, dass das Reformprogramm unvollständig blieb. Vernachlässigt wurde aus seiner Sicht etwa der Aufbau von funktionstüchtigen Institutionen. Zudem klagt Williamson, die reformorientierten Wirtschaftspolitiker hätten in der Regel die extrem ungleiche Einkommensverteilung nicht berücksichtigt und hätten deshalb keine stimmigen Konzepte zur Armutsbekämpfung entwickelt. Außenwirtschaftliche Schocks wie etwa die Asienkrise hätten die Ökonomien Lateinamerikas deshalb besonders stark erschüttert.
Unter der Voraussetzung, dass derartige Defizite korrigiert werden, schätzt Williamson die Aussichten Lateinamerikas indessen relativ positiv ein: Direktinvestitionen würden wieder verstärkt aus dem Ausland in die Region fließen, die Rezession scheine überwunden zu sein, und einige Länder würden von den hohen Rohstoffpreisen profitieren. Markus Rühling
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