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Beiträge aus der Rubrik Analysen und Berichte
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Die Fähigkeit zu teilen neu lernen
 02/2004
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[ Stillstand in der Umweltpolitik ]
Die Fähigkeit zu teilen neu lernen
Ideen, wie die Blockaden in der internationalen Umweltpolitik überwunden werden könnten, sind häufig visionär und kreativ. Jedoch bleiben ihre Vertreter meistens ratlos, wenn sie praktische politische Schritte nennen sollen, die das Ziel der Nachhaltigkeit auf internationaler Ebene näher rücken lassen. Dem Gedanken, ob nicht eine Ökodiktatur dem Stillstand nach der Konferenz in Johannesburg und dem langen vergeblichen Warten auf eine russische Ratifizierung des Kyoto-Protokolls abhelfen könne, mochte auf einer Diskussionsveranstaltung der Stiftung Zukunftsfähigkeit, der Nord-Süd-Initiative Germanwatch und der KfW-Bankengruppe Mitte Dezember in Berlin keiner der Teilnehmer folgen. Der SPD-Bundestagsabgeordnete und frühere Präsident des Wuppertal Instituts, Ernst-Ulrich von Weizsäcker, der seine Rolle als Moderator gern verließ, um sich in die Debatte einzuschalten, gab indessen zu bedenken, dass sich das demokratische System nur dann als überlegen erweisen werde, wenn es nachhaltige Lösungen auf drängende soziale und ökologische Probleme finde.
Der allgemeinen Skepsis war zuvor der iranische UN-Diplomat Hussein Moeini entgegengetreten, der in Johannesburg Koordinator der G77 war, der Gruppe der Entwicklungsländer, und zurzeit die Bonner Konferenz über erneuerbare Energien im Juni (renewables 2004) mit vorbereitet. Zwar beklagte auch er einen allgemeinen Mangel an Bereitschaft, ökologische Pläne umzusetzen. Aber nach Johannesburg sei unter den Entwicklungsländern das Verständnis für Umweltfragen gewachsen. Eine neue Ära habe begonnen.
Davon sprach auch Chris Flavin, der Präsident des Worldwatch-Instituts in Washington, allerdings unter anderen Vorzeichen. Flavin datierte den Beginn der neuen Ära auf den 11. September 2001. Seitdem dominiere das Sicherheitsdenken und konzentriere sich alles auf die bange Frage, wo die nächste Krise ausbreche. Die großen globalen Herausforderungen seien gleichwohl geblieben: die zunehmende Armut auf dem Land und in den Megastädten, die Verschwendung nicht erneuerbarer Ressourcen und die allgemeine energiepolitische Unsicherheit vor dem Hintergrund des globalen Klimawandels. Da unter den 190 UN-Mitgliedern eine Einigung über dringliche Umweltschutzmaßnahmen schwer zu erreichen sei, müssten die leadership-countries die Initiative ergreifen, forderte Flavin. Und der Germanwatch-Vorsitzende Michael Windfuhr plädierte für eine regulative Politik im Kampf gegen die Armut. Die Fähigkeit zu teilen müsse neu erworben werden.
Johannes Wendt
Zur weiteren Lektüre: Über Kioto hinaus denken Klimaschutzstrategien für das 21. Jahrhundert. Sondergutachten des Wissenschaftlichen Beirats der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen (WBGU).
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