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Deutschlands Entwicklungspolitik

Leben im globalen Dorf –
Eine Welt voller Unsicherheiten


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02/2004
 

[ Pessimistische Problemanalyse ]

Leben im globalen Dorf –
Eine Welt voller Unsicherheiten

Für Elmar Altvater und Birgit Mahnkopf ist die fortschreitende globale Transformation des wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und politischen Lebens mit einer Zunahme an „Informalität“ verbunden. Was gemeinhin als Globalisierung bezeichnet wird, geht aus ihrer Sicht „mit einem hohen Grad an persönlicher und sozioökonomischer Unsicherheit“ einher. Von dieser Grundannahme aus definieren sie Informalität als einen Vorgang, in dem Normen, Formen und Institutionen aufgelöst werden. Altvater/Mahnkopf untersuchen dieses Phänomen auf den drei Ebenen Arbeit, Geld und Politik.

Die Unschärfe des Informalitätsbegriffes bietet den Autoren dabei sowohl Chancen als auch Risiken. So gelingt es ihnen, die vielfältigen Abstufungen von Informalität für ihre Darstellung zu nutzen. Ihr Blick reicht im Kapitel über die zunehmende Unsicherheit der Arbeitsplätze im Globalisierungsprozess etwa von der prekären Selbständigkeit westeuropäischer Ich-AGs bis zu den „sweat shops“ der Textilindustrie Südostasiens. Ein Viertel der Erwerbsbevölkerung weltweit arbeitet nach internationalen Schätzungen im informellen Sektor.

Beim Thema „Geldwirtschaft“ behandeln sie die Kompensationsgeschäfte zwischen Konzernen sowie zwischen Unternehmen und Staaten ebenso wie die Vergabe von Mikrokrediten in afrikanischen Ländern durch Nichtregierungsorganisationen (Kleinstkreditnehmern ist der formelle Kreditmarkt vielerorts versperrt). Und auf der Ebene der Politik findet „funktionale Informalität“ in Form von Nebenregierungen („Bündnis für Arbeit“) ebenso ihren Platz wie „unordentliche Informalität“. Letztere kann vom Zerfall ganzer Staaten wegen ethnischer Konflikte, aber auch von der Einrichtung illegaler Parallelökonomien (Drogen, Raubkopien) geprägt sein.

Auf der anderen Seite wirkt die Unschärfe des Begriffes auch störend. Ist es wirklich sinnvoll, europäische Schwarzarbeit und Schattenwirtschaft in der Dritten Welt in einen gemeinsamen Begriff der Informalität zu zwängen? Ist Informalität in dieser breiten Definition nicht allen (historischen) Gesellschaften inhärent und damit keineswegs zwangsläufig auf Globalisierungseffekte zurückzuführen?

Altvater/Mahnkopf beziehen eine klare Position: Sämtlichen Ansätzen, die in dem Aufbau informeller Strukturen (jenseits krimineller Machenschaften) auch Chancen im Sinne einer dynamischen, flexiblen Strategie zur Lösung anstehender Problem sehen, erteilen sie eine Absage. Das Buch ist in einer klaren, argumentativ-analytischen Sprache geschrieben, die gelegentlich durch konkrete Beispiele aufgelockert wird. Konkrete Lösungsvorschläge und Alternativen kommen in der zutiefst skeptischen und pessimistischen Problemanalyse leider zu kurz. Jürgen Schmidt






Elmar Altvater, Birgit Mahnkopf:
Globalisierung der Unsicherheit. Arbeit im Schatten, schmutziges Geld und informelle Politik.
Münster, Westfälisches Dampfboot 2002,
393 S., 24,80 Euro, ISBN 3-89691-513-4