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Beiträge aus der Rubrik Bücher und Medien
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Theorie der Zivilgesellschaft
Wurzeln und Querverbindungen
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 02/2004
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[ Über weite Strecken informativ ]
Theorie der Zivilgesellschaft
Wurzeln und Querverbindungen
Der Sammelband von Chambers/Kymlicka zeichnet die geistesgeschichtlichen Wurzeln des Konzepts der Zivilgesellschaft nach und untersucht dessen Verbindung zu Wirtschaftsliberalismus, Naturrecht und Feminismus sowie zu Christentum, Judentum, Islam und Konfuzianismus. Als roter Faden dient die Frage, ob das Konzept Zivilgesellschaft das Potential hat, interkulturell akzeptierte Normen für eine pluralistische, toleranzgeprägte Koexistenz der Kulturen unter Bedingungen der Globalisierung bereitzustellen eine Gegenposition also zu Huntingtons Kampf der Kulturen.
Ausgangspunkt ist der normative Zivilgesellschaftsbegriff Lockes. In der Tradition der Aufklärung betrachtet er die Entstehung der Zivilgesellschaft als Heraustreten aus dem feudalen Naturzustand in jenen des zivilisierten Gesellschaftsvertrages. Von dieser Grundlage ausgehend versuchen die Autoren aus ethischer oder moraltheologischer Perspektive, Elemente von Toleranz und Pluralität in den Gedankengebäuden der Weltreligionen aufzuspüren. Dabei werden die Autoren in allen Fällen fündig. So verweist Hasan Hanafi am Beispiel des politisch brisanten Themas Islam darauf, dass in dessen Geistesgeschichte auch Strömungen existieren, die mit den Normen von Toleranz und Pluralität kompatibel sind.
Grenzen des normativen Zivilgesellschaftsbegriffs sieht Michael Waltzer dort, wo auf der Basis vorhandener sozioökonomischer Ungleichheiten die Zivilgesellschaft selbst zu deren Reproduktion beiträgt. Das ist etwa der Fall, wenn die Mittelklasse ihre eigenen Privilegien fortschreibt.
Auch Mitherausgeberin Chambers hebt sich insofern ab, als sie einen soziologischen, an Gramsci orientierten Zivilgesellschaftsbegriff vertritt. Allerdings vergibt sie die Chance, einen ideologiekritischen Blick auf den ansonsten stark vom Kommunitarismus geprägten Diskurs ihrer Mitautoren zu werfen. Sie führt dagegen die Arbeiten von Habermas aus den 1990er Jahren ins Feld, der damals mögliche Grundlagen einer normativen Universalethik diskutiert hatte.
Der Band von Chambers/Kymlicka fällt hinter diesen Diskussionsstand zum Teil beträchtlich zurück. Dennoch sind die Beiträge über weite Strecken informativ und geben Einblicke in die Gemengelage der gesellschaftspolitischen Diskurse in den USA.
Peter Wahl
Simone Chambers, Will Kymlicka (Eds.): Alternative Conceptions of Civil Society. Princeton, Oxford,
Princeton University Press 2002,
237 S., 19,95 $, ISBN 0-691-08796-2
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