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Der Weg zum Frieden in Sudan ist noch lang
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 02/2004
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[ Interview mit Sudanexpertin Marina Peter ]
Der Weg zum Frieden in Sudan ist noch lang
Der Friedensprozess in Sudan ist jetzt unumkehrbar. Euphorisch reagierte John Garang, der Führer der südsudanesischen Volksbefreiungsarmee (SPLA), Anfang Januar auf die Einigung mit der Regierung über die Verteilung der sudanesischen Ölexporteinnahmen. Auch der Verhandlungsleiter der Regierung, Vizepräsident Ali Osman Mohammed Taha, gab sich optimistisch, dass der zwanzig Jahre alte Bürgerkrieg zwischen dem islamischen Norden und dem christlich-animistischen Süden kurz vor dem Ende steht, und sprach von einem historischen Tag für Sudan. Fragen an Marina Peter, die Leiterin des Sudan Focal Point Europe, einem internationalen Netzwerk vor allem kirchlicher Hilfsorganisationen, die in Sudan arbeiten.
Frau Peter, ist der Optimismus der Verhandlungspartner begründet? Gibt es bald Frieden in Sudan?
Es wird bald ein Friedensabkommen geben, aber der Weg zu echtem Frieden in Sudan ist noch lang. Vor allem muss die Frage beantwortet werden, wie Macht und Ressourcen zwischen den rund 500 ethnischen Gruppen in Sudan geteilt werden können. Bisher hat immer nur ein kleiner Teil davon die Regierung gestellt. Wenn sich das nicht ändert, kann es keinen stabilen Frieden geben.
Warum hat der Friedensprozess in den letzten zwei Jahren so deutliche Fortschritte gemacht?
Zum einen hat die Regierung seit dem 11. September 2001 großes Interesse daran, dass Sudan von der Liste mit Ländern gestrichen wird, die nach Ansicht der US-Regierung Terrorismus unterstützen. Das hat dem Prozess neue Dynamik gegeben. Zum anderen hat die Zivilgesellschaft in Sudan, die stark unterdrückt wurde, in den letzten Jahren zunehmend lauter Frieden gefordert.
Was hat der Zivilgesellschaft solchen Auftrieb gegeben?
Es gab in der Vergangenheit ja nicht nur den Krieg zwischen Regierung und SPLA, sondern auch heftige Kämpfe zwischen verfeindeten Gruppen im Süden. Vor allem die Kirchen haben versucht, hier versöhnend zu wirken, was lange Zeit nicht geklappt hat. Ein Wendepunkt war die so genannte Wunlit-Konferenz im März 1999, die zur Aussöhnung von Dinka und Nuer in der Region Bar el Ghazal führte. Dieser Erfolg hat der Zivilgesellschaft gezeigt, dass sie aktiv zum Frieden beitragen kann, und das hat ihr sehr viel Kraft und Zuversicht gegeben.
Wie kann die internationale Gemeinschaft den Friedensprozess unterstützen?
Der Friedensplan sieht eine sechsjährige Übergangszeit vor, nach der die Bevölkerung im Süden in einem Referendum über ihre Selbständigkeit entscheiden soll. In diesen sechs Jahren werden viele der beteiligten Akteure in Sudan versuchen, ihre Machtpositionen zu sichern. Darauf muss die internationale Gemeinschaft in Zusammenarbeit mit der Zivilgesellschaft ein Auge haben. Sie darf sich nach einem Friedensschluss nicht gleich wieder von Sudan abwenden.
Wäre eine militärische Friedensmission hilfreich?
Voraussetzung wäre, dass die Bevölkerung einer solchen Mission zustimmt. Unabhängig davon bezweifle ich jedoch, dass der Frieden in Sudan einem Land so groß wie Westeuropa militärisch gesichert werden kann. Dringend gebraucht wird dagegen eine Art internationale Schiedsstelle, an die die Konfliktparteien sich bei Problemen wenden können und die darüber wacht, dass das Friedensabkommen eingehalten wird.
Während SPLA und Regierung kurz vor einem Friedensschluss stehen, eskalieren die Kämpfe in der westsudanesischen Region Darfur. Droht hier ein neuer lang anhaltender Bürgerkrieg?
Ja, diese Gefahr besteht. Die Rebellen in Darfur fühlen sich in den Friedensverhandlungen übergangen und befürchten, dass eine neue Regierung aus Süd- und Nordsudanesen ihre Interessen ignorieren könnte. In Darfur gärt es seit Anfang der 80er Jahre. Am Anfang ging es um Land, das aufgrund fortschreitender Erosion immer knapper wurde; nomadische Viehhalter rivalisierten mit sesshaften Bauern. Zugespitzt haben sich die Auseinandersetzungen unter anderem dadurch, dass die Regierung die arabisierten Nomaden mit Waffen versorgt hat. Khartum ist an dem Konflikt inzwischen stark beteiligt.
Die Fragen stellte Tillmann Elliesen.
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