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Meinung
Leserbriefe
Aufklären, nicht belehren
 02/2004
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Leserbriefe
[ Cancún gescheitert
Entwicklungsrunde vertagt,E+Z 2003:10, S. 356 ]Das Scheitern der Verhandlungen über multilaterale Handelsfragen in Cancún ist ein weiterer Rückschritt in den ökonomischen Beziehungen zwischen Industrie- und Entwicklungsländern. Insbesondere die Singapur-Themen würden die ökonomische Entwicklung in den armen Ländern behindern. Deshalb haben sich die Entwicklungsländer zusammengetan, um für ihre Sicht der Dinge Druck zu machen.
Ich möchte der deutschen Landwirtschaftsministerin Renate Künast danken für ihre Großzügigkeit gegenüber armen Ländern wie Indien. Deutschland hat in der Vergangenheit beständig geholfen und das Anliegen der Armutsminderung in Indien und anderswo unterstützt. Die Industrieländer sollten nicht nur auf den Grundsätzen der Welthandelsorganisation beharren. Sie müssen sich die Wirklichkeit in den armen Ländern anschauen, was die Menschen dort essen und was sie besitzen.
Das Scheitern der Cancún-Verhandlungen sollte nicht als Absage an den Multilateralismus gewertet werden. Aber es ist ein zeitweiliger Rückschlag für die WTO. Die Situation fördert die Einheit unter den Entwicklungsländern und stärkt ihre Position am WTO-Verhandlungstisch.
G. R. Kishan Rao, Hyderabad, Indien
[ Zur Transformation von Kriegsökonomien, E+Z 2003:12, S. 457 ]
Auf Seite 457 im Dezemberheft ist Ihnen vermutlich unabsichtlich ein Missgeschick passiert, das mich empört, vor allem wenn es einer Fachzeitschrift zur Entwicklungszusammenarbeit unterläuft. Dort zeigen Sie zwei Fotos von Landwirten, die gerade mit Arbeiten an Drogenfrüchten beschäftigt sind, und Sie schreiben dazu: Bürgerkriege finanzieren sich häufig durch Drogenhandel: Mohn in Afghanistan und Coca in Kolumbien. Die Assoziation von Fotos und Bildunterschrift insinuiert, dass die Drogen anbauenden Landwirte die Finanziers von Bürgerkriegen seien. Das grenzt an üble Nachrede gegenüber den meist nicht sonderlich reichen Landwirten.
Nicht die Landwirte sind die Quelle der Finanzmittel für Bürgerkriege, sondern die Drogenkonsumenten. Bekanntlich gehören zu einem Geldfluss auf einem Markt, neben einer Entourage von Zwischenhändlern, immer Produzenten und Konsumenten. Die Ware fließt von den Produzenten zu den Konsumenten, und das Geld fließt von den Konsumenten zu den Zwischenhändlern und Produzenten. Wenn Sie die Finanziers jener Bürgerkriege anprangern möchten, die aus dem Drogenhandel gespeist werden, müssen Sie zuallererst die Geldquellen des Drogenhandels anprangern: die Drogenkonsumenten. Deshalb wäre es besser gewesen, Sie hätten zu Ihrer Bildunterschrift bekannte Konsumenten aus der deutschen Polit- und Fußballszene abgebildet und nicht Drogenanbauer. Diese zählen meist selbst zu den Opfern der Kriege, die von wohlhabenden und gedankenlosen Drogenkonsumenten finanziert werden.
Prof. Dr. Rolf A. E. Müller, Institut für Agrarökonomie,
Christian-Albrechts-Universität, Kiel
[ Entwicklungspolitik und Entwicklungsforschung,
E+Z 2004:1, S. 12 ]
Das Rundgespräch über Fragen entwicklungspolitischer Politikberatung und Forschung liefert auch die Maske zur Betrachtung der Lage in der entwicklungsbezogenen Bildungsforschung. Dieser Bereich war einmal vergleichsweise gut organisiert. Die Kommission Bildungsforschung mit der Dritten Welt in der Deutschen Gesellschaft für Erziehungswissenschaft konnte über viele Jahre Einzelpersonen oder sogar kleine Teams miteinander in Diskussionen bringen und in Netzwerke einbinden. Eine Reihe von Beispielen zeigt, wie Forschungsergebnisse aus diesen Netzwerken in Politik und Durchführungsorganisationen kommuniziert wurden. Besonders gut gelang dies einem Team um den verstorbenen Kollegen Wolfgang Karcher, dem es um Bildung und Armutsbekämpfung ging.
Das Grundproblem entwicklungspolitisch orientierter Bildungsforschung heute ist ein zweifaches: Zum einen ist das Thema nicht universitär institutionalisiert. Im Kollegenkreis wird es häufig als exotisches Hobby angesehen, zumal es der deutschen Erziehungswissenschaft immer noch an Internationalität mangelt. Es gibt zwar Netzwerke, die aber bei Neubesetzungen entsprechender Stellen ausdünnen, da eine institutionalisierte thematische Kontinuität nicht existiert. Die wenigen explizit themenbezogenen Strukturen wurden in den letzten Jahren eingespart, da es kaum eine Lobby für die entwicklungsbezogene Bildungsforschung gibt.
Das zweite Problem ist Nachwuchsmangel. In den letzten zwanzig Jahren wurden zwar zahlreiche Promotionen im Bereich der Bildungsforschung mit der Dritten Welt geschrieben. Doch gehen die Promovenden zumeist in Organisationen der Entwicklungszusammenarbeit oder der entwicklungspolitischen Bildung. Dort sind sie sicher nützlich, doch fehlen sie in der Forschung. Wenn beispielsweise die UNESCO oder die Weltbank Universitäten beauftragen wollen, die Bedingungen für Bildung als Beitrag zur Armutsreduzierung zu erforschen, dann gibt es dafür in Deutschland kaum Anlaufstellen, allenfalls Einzelpersonen, die solche Forschung nebenbei betreiben und überdies bereit sind, Politikberatung zu leisten, was immer noch als etwas anrüchig gilt. Wissenschaftliche Karrieren lassen sich darüber kaum konstruieren.
Ich fürchte, im Bildungsbereich fehlt es noch an einigem mehr als an Schnittstellen zwischen Wissenschaft und Politik, zumal dieser Bereich auch in Rundgesprächen zum Thema leicht vergessen wird.
Dr. Bernd Overwien, TU Berlin
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