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Analysen und Berichte


Weltbank: Nur die armen Länder haben liberalisiert

Staatszentriertheit als Problem

Zukunft der Food Aid Convention ungewiss

Nicht geeignet für die Reichen,
gut genug für die Armen



02/2005
 

[ Agrarhandel ]

Weltbank: Nur die armen Länder
haben liberalisiert

Nach dem Abschluss der Uruguay-Welthandelsrunde Mitte der 90er Jahre versprachen Freihandelsbefürworter den armen Ländern große Gewinne aus einem liberalisierten Agrarhandel. Zehn Jahre später haben die Entwicklungsländer davon immer noch nicht viel gesehen. Was nichtstaatliche Gruppen schon lange monieren, prangert jetzt auch die Weltbank an: Die reichen Länder sind ihren Verpflichtungen aus der Uruguay-Runde nur unzureichend nachgekommen. Die Entwicklungsländer dagegen haben ihre Grenzen für Agrargüter in den letzten zwanzig Jahren Stück für Stück geöffnet. In ihrem Bericht „Global Agricultural Trade and Developing Countries“, den die Bank Anfang Januar vorstellte, heißt es, die OECD-Länder hätten die Subventionen für ihre Landwirte seit Ende der 80er Jahre von 63 Prozent des Produktionswertes gerade einmal um 17 Prozentpunkte auf 46 Prozent reduziert. Die Entwicklungsländer dagegen hätten ihre Agrarzölle im gleichen Zeitraum von durchschnittlich 30 Prozent auf 18 Prozent nahezu halbiert und darüber hinaus weitere nichttarifäre Importbarrieren abgebaut.

An der Überzeugung der Weltbank, dass die Liberalisierung des Agrarhandels grundsätzlich auch für die Armen gut ist, ändert freilich auch ihr neuer Bericht nichts. Für die Bank können in landwirtschaftlich geprägten Entwicklungsländern Wirtschaftswachstum und neue Arbeitsplätze nur über den Export von Agrarprodukten erzielt werden; die einheimischen Märkte seien dazu zu klein. Jedoch müsse eine Politik der Exportorientierung auch solche Ziele wie Ernährungssicherung und Aufbau einheimischer Verarbeitungskapazitäten berücksichtigen, die eine nicht durchdachte Marktöffnung gefährden kann. „Zu wissen, wer wahrscheinlich profitieren und wer verlieren wird, ist entscheidend für die Wahl der Reformschritte und für begleitende Maßnahmen – einschließlich Hilfestellung, um die Anpassungskosten in nicht wettbewerbsfähigen Bereichen zu senken“, heißt es in dem Bericht.

Die Markteingriffe der Industrieländer seien so gewaltig, dass die armen Länder dem einfach nichts entgegensetzen könnten. So unterstützen die Europäische Union und die USA ihre Baumwollfarmer laut Weltbank mit mehr als vier Milliarden Dollar jährlich – bei einem Weltmarkt für Baumwolle von 20 Milliarden Dollar. Die Subventionen der Reichen kosten die west- und zentralafrikanischen Baumwollfarmer jährlich bis zu 250 Millionen Dollar, schätzt die Weltbank. Zum Vergleich: Die gesamte internationale Entwicklungshilfe für die Region betrug 1999 nach Weltbank-Berechnung knapp zwei Milliarden Dollar, von denen rund 400 Millionen Dollar in die Landwirtschaft flossen. „Die Unvereinbarkeit von Entwicklungshilfe und Agrarpolitik der Geberländer, die ihre reichen Landwirte subventionieren, liegt auf der Hand“, kommentiert die Weltbank. Die Abkoppelung der Subventionen von der Produktion ziele in die richtige Richtung, genüge aber nicht. Die reichen Länder sollten jegliche Zahlungen an ihre Bauern zeitlich befristen und nur zum Zwecke der Anpassung an die Marktöffnung leisten.

Gewinne können die Entwicklungsländer aus der Agrarliberalisierung nach Ansicht der Weltbank aber nur dann erzielen, wenn sie ihr Angebot verbessern. Für viele Länder ist nicht der Protektionismus der reichen Länder das Problem, sondern die Tatsache, dass sie schlichtweg nichts zu verkaufen haben. Die Industrieländer seien gefordert, ihre Märkte vor allem für verarbeitete Produkte zu öffnen. Zugleich müssten sie den Entwicklungsländern dabei helfen, ihr Angebot zu erweitern. Vor allem müssten Produzenten in armen Ländern es schaffen, die auf den Märkten der reichen Länder geforderten Produktstandards (Hygiene, Gesundheit) zu erfüllen. Solche Standards dürften nicht nur als neue Form des Protektionismus verurteilt werden; sogar sehr armen Ländern sei es gelungen, die erforderlichen Kapazitäten in Produktion und Kontrolle aufzubauen. (ell)