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Beiträge aus der Rubrik Analysen und Berichte
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Nicht geeignet für die Reichen,
gut genug für die Armen
 02/2005
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[ Deutsche Medikamentenexporte ]
Nicht geeignet für die Reichen,
gut genug für die Armen
Mit Ausfuhren im Wert von über 21 Milliarden Euro war die deutsche Pharmaindustrie im Jahr 2003 Exportweltmeister. Seit Mitte der 90er Jahre konnten die deutschen Medikamentenhersteller ihre Lieferungen ins Ausland nahezu verdoppeln. Zwar geht davon nur ein sehr kleiner Teil in die armen Länder Afrikas, Asiens und Lateinamerikas. Doch überdurchschnittlich viele Medikamente, die deutsche Unternehmen in Entwicklungsländer liefern oder dort herstellen, helfen nicht: Nach einer Untersuchung der BUKO Pharma-Kampagne in Bielefeld sind 39 Prozent der deutschen Präparate unsinnig, überflüssig oder sogar gefährlich.
Die Studie, an der Pharmaexperten aus Deutschland und einigen Entwicklungsländern mitgearbeitet haben, erfasst das Angebot von 33 deutschen Firmen in 46 Ländern. Nur 27 Prozent davon seien unentbehrliche Präparate im Sinne der Klassifizierung der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Und drei Viertel der als überflüssig oder schädlich bewerteten Medikamente würden in Deutschland nicht angeboten oder seien sogar verboten. Zwar verbiete es das deutsche Arzneimittelgesetz seit 1990, in Deutschland als bedenklich eingestufte Medikamente zu exportieren. Doch enthalte das Verbot eine Reihe von Schlupflöchern: So können laut Pharma-Kampagne Hersteller die Produktion einfach ins Ausland verlagern. Oder sie exportieren Halbfertigware, die beispielsweise noch nicht für den Verbraucher verpackt ist und von der Exportkontrolle nicht erfasst wird. Laut Pharma-Kampagne gehen 85 Prozent der im Ausland verkauften Produkte an der Exportkontrolle vorbei. In den meisten Entwicklungsländern wiederum sind die Kontrollbehörden zu schwach wenn es sie überhaupt gibt , um den Medikamentenmarkt zu überwachen.
Die Studie der Pharma-Kampagne enthält viele Beispiele für bedenkliche Medikamente, mit denen deutsche Hersteller in Entwicklungsländern Geld verdienen. Knapp die Hälfte der kritisierten Produkte seien Mischungen aus mehreren Wirkstoffen so genannte Kombinationspräparate. Manche Medikamente enthielten bis zu zwanzig verschiedene Substanzen. In Deutschland hingegen gelten laut Pharma-Kampagne Kombinationen von mehr als drei Wirkstoffen als unsinnig und werden von Krankenkassen nicht erstattet. Besonders Vitamin- und Aufbaupräparate enthielten häufig nicht nachvollziehbare Wirkstoff-Kombinationen.
Besonders deutlich wird die Kluft zwischen Standards für die reichen Länder und der Verkaufspraxis deutscher Unternehmen in Entwicklungsländern bei Schmerzmitteln. So sind Medikamente mit dem Wirkstoff Metamizol in vielen Industrieländern, darunter Großbritannien, die USA und Kanada, längst verboten, weil nach Angaben der Pharma-Kampagne gefährliche Nebenwirkungen nachgewiesen wurden. In Deutschland darf der Wirkstoff nur bei nicht beherrschbaren Schmerzen verordnet werden. Boehringer Ingelheim zum Beispiel habe in seinem Produkt Buscopan compositum Metamizol längst durch Paracetamol ersetzt. In Afrika, Asien und Lateinamerika dagegen verkaufe die Firma das Medikament weiterhin in seiner gefährlichen Variante. In Indien bietet Aventis sein auf Metamizol basierendes Mittel Novalgin laut Pharma-Kampagne sogar als Injektion für Kinder und Säuglinge an. Ein anderes Beispiel ist Aspirin: In Brasilien verkauft Bayer das Medikament mit Fruchtgeschmack extra für die Kleinen: Aspirina Infantil. In Deutschland heißt es dagegen in der Packungsbeilage, bei Kindern sollte Aspirin nur dann angewendet werden, wenn andere Maßnahmen nicht wirken. (ell)
Weitere Informationen:
http://www.bukopharma.de
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