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The Charity of Nations / Military Action and Humanitarian Aid

Impulse für eine Welt in Balance

Stärkung der Global Governance-Architektur


02/2006
 

Global Governance:
Ohne roten Faden

Global Marshall Plan Initiative (Hg.):
Impulse für eine Welt in Balance.
Hamburg, Global Marshall Plan Foundation 2005,
540 Seiten, 15,00 Euro, ISBN 3-9809-7232-1

Klappentexte sind eine sinnvolle Sache. Sie informieren potentielle Leser, was sie von einem Buch zu erwarten haben. „Impulse für eine Welt in Balance“ hat keinen Klappentext. Jeder Autor wäre mit Sicherheit an dieser Aufgabe gescheitert. Ein roter Faden, ein übergreifender Gedanke, fehlt den 61 Autorinnen und Autoren völlig. Die Veröffentlichung ist so bunt und facettenreich, aber auch so konturlos und beliebig wie viele Kirchentagsprogramme.

Entstanden anlässlich des Deutschen Evangelischen Kirchentags im Mai 2005 in Hannover, ist die Liste der Autorinnen und Autoren ebenso lang wie bunt: Neben Angela Merkel und Heidemarie Wieczorek-Zeul schreiben etwa EU-Kommissarin Ferrero-Waldner, Friedensnobelpreisträgerin Wangaari Maathai sowie zahlreiche NRO-Aktivisten aus aller Welt. Doch auch die Prominenz einiger Namen kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass das Buch kaum mehr darstellt als den neu verpackten Appell, die Welt müsse dringend gerechter und friedlicher werden.
Manche Beiträge machen betroffen, so die Abrechnung Rupert Neudecks mit der Indifferenz und Tatenlosigkeit des Westens angesichts des Völkermords in Ruanda. Seine schonungslose Anklage wirkt umso verlorener neben Hunderten von Seiten mit Allgemeinplätzen wie „Die Globalisierung ist ein Phänomen, dem sich niemand entziehen kann“ (Angela Merkel), religionsgeschichtlichen Crudités, die die Globalisierung als göttliche Fortsetzung der Reformation betrachten (Prabhu Guptara) oder esoterischen Ausführungen über „das wissenschaftliche Konzept eines organischen Kosmos“ (Ervin Laszlo). Pointierte und klar strukturierte Beiträge, die einen Erkenntnisgewinn versprechen, etwa die Texte von Guillermo Salcedo zu „Oikokredit und Mikrofinanzierung“ oder von Max Arlt zu „Entwicklungsfinanzierung und globale Steuern“ bleiben Ausnahmen in einem Meer entwicklungspolitischer Erweckungsliteratur.

Einen Sinn mag das Buch haben als Selbstdarstellung der in Hamburg ansässigen Global Marshall Plan Initiative. Sie hat sich die Verwirklichung der Millenniumsziele zum Ziel gesetzt. Die in 18 Ländern aktive Organisation verlangt, dass sich Europa an die Spitze einer weltweiten Bewegung für einen ökosozialen Global Marshall Plan setzt. Die mangelnde Stringenz von Werbebroschüren wie „Impulse für eine Welt in Balance“ lässt allerdings Zweifel daran aufkommen, ob die Initiative auf die richtigen Strategien setzt. Dass ein solches Buch nachhaltige Impulse auslösen wird, ist mehr als fraglich.

Carel Mohn