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Beiträge aus der Rubrik Tribüne
Landreformen: Stiefkind der Entwicklungspolitik
Solarenergie für die Anden
Globale Steuerung durch Policy-Netzwerke
 02/2006
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[ Angepasste Technik ]
Solarenergie für die Anden
Abgelegene Dörfer sind auf erneuerbare Energiequellen angewiesen, da sie in absehbarer Zeit an keinerlei Stromnetz angeschlossen werden. Für Lama- und Alpaka-Hirten in Peru ist Solarenergie eine sinnvolle Alternative.
[ Von Inge Bolin und Greg Bolin ]
Die Nacht bricht das ganze Jahr über zwischen sechs und sieben Uhr über die peruanischen Anden herein. Viele höher gelegene Dörfer sind weit von jeglichem Elektrizitätsnetz entfernt. Petroleumlampen sind für die Subsistenzbauern zu teuer. Daher nutzen die Familien sparsam Kerzen, deren schwaches Licht reichen muss, um die notwendigsten Aufgaben nach Sonnenuntergang zu erledigen. Das Schicksal der Menschen hier ist im Wortsinne düster.
Erneuerbare Energiequellen können Gesundheit, Bildung und den allgemeinen Lebensstandard in den hohen Anden enorm verbessern. Chillihuani ist eine Gemeinde von rund 1500 Lama- und Alpaka-Hirten. Die Siedlung liegt zwischen 4000 und 5000 Meter Höhe. Wie auch in anderen abgelegenen Gemeinden im peruanischen Bezirk Cusco wurde hier Solarenergie eingeführt. Zwar wären auch Windkraft und Mikro-Wasserkraft mögliche Optionen, aber Solarenergie ist angesichts der sozialen, finanziellen und ökologischen Bedingungen optimal.
Vor dem Start der ersten Solarprojekte erlebten wir, wie Patienten nachts in Chillihuanis kleiner Gesundheitsstation ankamen. Sobald die Tür geöffnet wurde, blies der Wind die Kerzen aus. Manchmal gab es überhaupt kein Licht und auch keine Möglichkeit, das eiskalte Gletscherwasser zu wärmen. Eine verlässliche Quelle zur Erzeugung von Licht und heißem Wasser in den Gesundheits- und Erste-Hilfe-Stationen ist dringend nötig.
Ohne Licht leidet auch das Bildungssystem. Nach der Schule brauchen viele Kinder zu Fuß bis zu drei Stunden, um nach Hause zu kommen. Oft erreichen sie es erst bei Einbruch der Dunkelheit, zu spät, um ihre Hausaufgaben bei Tageslicht zu machen. Den Lehrern fällt es schwer, bei Kerzenlicht Klassenarbeiten zu korrigieren und den Unterricht vorzubereiten. Bildung ist aber ausgesprochen wichtig, weil die Lebensweise als Hirten die Subsistenz nicht mehr sichern kann. Darüber hinaus bringt die globale Erwärmung die Gletscher zum Schmelzen. Es gibt Fluten, Dürren und andere extreme Wetterlagen, die Weiden und Äcker in hohen Lagen verheerend beeinträchtigen. Viele der Kinder werden in den Städten im Tal Jobs suchen müssen, wo jedoch heute schon Arbeitslosigkeit grassiert.
Weil andere Energiequellen fehlen, sind die Menschen zum Kochen und Wassererhitzen auf die spärliche Vegetation angewiesen, die in so hoher Lage gedeiht. Deshalb dezimieren sie Bäume und Pflanzen noch weiter. Es wird zwar auch Tierdung als Brennstoff genutzt, aber ein großer Teil wird für die Düngung von Kartoffelfeldern und anderen andinen Knollengewächsen gebraucht. Zudem verursacht der Rauch der Ofenfeuer gesundheitliche Probleme der Augen und der Atemwege.
Um die Situation in Chillihuani zu verbessern, unternahmen wir verschiedene Schritte in Zusammenarbeit mit der Bevölkerung und der NRO Yachaq Runa. Alle Beteiligten arbeiteten auf freiwilliger Basis. Die Finanzierung übernahm das Rote Kreuz (Landesverband Baden-Württemberg) und der Landkreis Böblingen.
Unser erstes Kocher-Projekt führte 1992 passive Solarenergie ein. Seither können die Familien in der Trockenzeit mit diesen Solargeräten täglich eine Mahlzeit kochen und kleinere Mengen Wasser erhitzen. Krankenschwestern und Heiler sind begeistert, weil sie mit den Kochern medizinische Instrumente sterilisieren können. Solartrockner für Heilpflanzen wurden 1998 eingeführt. Sie sind in abgelegenen Gegenden von unschätzbarem Wert, weil die getrockneten Kräuter monatelang gelagert und dann auch außerhalb der Saison genutzt werden können.
Photovoltaische Energie
Wegen der dünnen Besiedlung der Region müssen Krankenschwestern und Heiler bis zu 16 Kilometer laufen, um schwer kranke Patienten zu besuchen. Angesichts des schwierigen Terrains und der insbesondere in der Regenzeit dunklen Nächte hat sich die tragbare Solux-Solarlampe als unschätzbare Hilfe erwiesen. Dank Chillihuanis Höhenlage reicht die Sonnenstrahlung selbst in der Regenzeit für das photovoltaische System.
Das 75-Watt-Panel, das wir 2002 in der Gesundheitsstation installierten, sorgt für Licht in allen vier Räumen. Das 2004/05 in einer Erste-Hilfe-Station angebrachte Solarlicht funktioniert genauso gut, ebenso das 75-Watt-Panel in der Schule, das Licht in die vier Klassenzimmer für 164 Schüler bringt.
2005 wurden in Chillihuanis Gesundheitsstation Solarwassererhitzer installiert, in anderen Dörfern schon früher. Sie fördern die Hygiene in einer Region, in der Parasiten Probleme und Krankheiten verursachen, und helfen, die spärliche Vegetation zu erhalten. Wir hoffen auf mehr Geld, um in Chillihuani und anderen Dörfern in den Schulen Duschen mit großen Solar-Wassererhitzern installieren zu können.
Unsere jahrelange Arbeit in Peru zeigt, worauf es bei kleinen Entwicklungsprojekten ankommt. Unsere Projekte sind aus folgenden Gründen sozial und ökologisch nachhaltig:
Die Zusammenarbeit der Menschen vor Ort ist ausgezeichnet. Sie gaben den Ausschlag für die Initiierung und Durchführung der Projekte und tragen zum großen Teil die Verantwortung für den Unterhalt.
Das ganze Dorf profitiert von diesen Projekten, nicht nur bestimmte Leute oder Gruppen. Ungleich verteilter Nutzen führt in den meisten Gesellschaften zu Problemen und sollte daher unbedingt vermieden werden.
Solarpanels sind in abgelegenen Gebieten sehr nützlich. Weder die lange Regenzeit noch die häufigen Hagelstürme haben den Panels geschadet. Wenn sie einmal installiert sind, benötigen sie wenig Wartung, da das System keine beweglichen Teile hat. Ein oder zwei Mal im Jahr muss lediglich die Oberfläche mit Wasser vom Staub gereinigt werden. Für den Fall, dass eine Batterie ersetzt werden oder ein elektrischer Kontakt wieder verbunden werden muss, müssen die Bewohner vor Ort wissen, wo sie Ersatzteile erhalten, wie sie diese anschließen und wen sie wegen Reparaturen kontaktieren können.
Da in vielen Teilen der Anden noch immer die einfachsten Annehmlichkeiten des Lebens fehlen, sollten sich kleinere Entwicklungsprojekte auf die Installation von Solarsystemen in Gesundheitsstationen, Schulen und wo sonst noch möglich konzentrieren. Diese umweltverträgliche Technologie hilft nicht nur den Menschen vor Ort auf vielfältige Weise, sie trägt auch dazu bei, die Erde zu erhalten.
Dr. Inge Bolin
ist wissenschaftliche Mitarbeiterin (research associate) am Institut für Völkerkunde der Malaspina University in British Columbia, Kanada. Sie arbeitet seit 22 Jahren in den Anden und hat Yachaq Runa gegründet.
ibolin@telus.net
Greg Bolin
ist Berater für erneuerbare
Energiequellen und alternative
Subsistenzmethoden
in Kanada und Peru.
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