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Kommentar: Entwicklungspolitik: Wissenslücken schließen
 02/2007
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Kommentar
Wissenslücken schließen
Entwicklungshilfe stützt sich selten auf qualifizierten wissenschaftlichen Rat. Die meisten Geberländer und UN-Organisationen haben keine nennenswerte Forschungsabteilung. Die Weltbank ist daher ein Quasi-Monopolist in Sachen Entwicklungsforschung. Aber auch ihre Arbeit hat Mängel, wie eine neue Evaluierung zeigt.
[ Von Stephan Klasen ]
Die Studie wurde von einer Gruppe international angesehener Entwicklungsökonomen durchgeführt. Sie loben die Bank für einige bahnbrechende Forschungsarbeiten, beispielsweise zu Armut, Ungleichheit und Umweltfragen. Gleichzeitig würdigen sie einige innovative und politikrelevante Datensammlungen, insbesondere die Living Standard Measurement Surveys und die Investment Climate Surveys.
Einige Untersuchungen der Bank werden jedoch scharf kritisiert. Weit verbreitete Ergebnisse zur Effektivität von Entwicklungshilfe und zum Einfluss von Wirtschaftswachstum auf Armut sind laut Evaluierung methodisch schwach und wenig verlässlich. Die Prüfer plädieren dafür, die jeweiligen Veröffentlichungen zurückzuziehen oder zumindest stark zu überarbeiten. Die Bank habe in diesen Fällen wissenschaftliche Forschung zur Legitimierung vorgefertigter Meinungen statt zur Verbreitung von neuem Wissen benutzt.
Die Evaluierer monieren außerdem, oft tue die Bank sich schwer, verlässliche und vergleichbare Entwicklungsdaten zu erheben und zu verbreiten obwohl das eine ihrer Kernfunktionen ist. Zudem gebe selbst die Bank nur einen Bruchteil ihres Verwaltungsbudgets (2,5 Prozent) für Forschungszwecke aus viel zu wenig für eine Institution, die Politikberatung und Kreditvergabe auf wissenschaftliche Forschung stützen sollte. In den vergangenen Jahrzehnten waren denn auch Entwicklungshilfe und Politikberatung der Bank bestenfalls nur teilweise erfolgreich.
Wie sollte die Entwicklungsforschung organisiert sein? Es führt offensichtlich nicht unbedingt zu den besten Ergebnissen, sie einem Quasi-Monopolisten zu überlassen. Bilaterale Geber sollten sich deshalb zusammentun und sowohl selbst mehr forschen als auch Untersuchungen außer Haus in Auftrag geben. Die vom britischen Department for International Development (DfID) finanzierten Forschungskonsortien sind ein lobenswertes Beispiel. Allerdings fehlen dem DfID leider die nötigen internen Forschungskapazitäten, um die Erkenntnisse dieser Konsortien für die eigene Arbeit aufzuarbeiten.
Zweitens muss viel mehr für die verlässliche Erhebung, Sammlung und Verbreitung von Daten getan werden. Die Weltbank braucht ein Zentrales Statistikamt. Sie braucht außerdem mehr Geld für diese wichtigen Aufgaben. Eingeschlafene UN-Agenturen zur Datenerhebung müssen wiederbelebt oder durch neue Institutionen für diese Aufgabe ersetzt werden. Zudem müssen nationale Statistikämter besser ausgestattet und unterstützt werden.
Drittens muss in Institutionen, die sowohl Forschung betreiben als auch Politik machen, beides besser voneinander abgegrenzt werden. Eine Möglichkeit wäre, das Forschungsbudget aufzustocken und den zuständigen Abteilungen mehr Autonomie einzuräumen. Das empfiehlt auch die Weltbank-Evaluierung. Eine andere Option wäre, Forschungsergebnisse und politische Schlussfolgerungen getrennt zu veröffentlichen. Statt bestimmte politische Botschaften in die Weltentwicklungsberichte und andere Untersuchungen einzufügen, sollten die Forscher ihre Ergebnisse zuerst veröffentlichen. Dann erst sollten andere Abteilungen sie als Grundlage für ihre politischen Botschaften nutzen.
Schließlich muss die Forschungszusammenarbeit gestärkt werden. Die Weltbank verlässt sich zu stark darauf, was der US-amerikanische Wissenschaftsbetrieb gerade anbietet und dort in Mode ist. Forscher aus anderen entwickelten Ländern werden selten gefragt, von Beiträgen aus armen Ländern ganz zu schweigen. Entsprechend eng bleibt die Perspektive der Bank. Außerdem fördert sie die Forschungskapazitäten in Entwicklungsländern zu wenig. Es wäre sinnvoll, Forschungspartnerschaften mit Instituten und Wissenschaftlern in den betroffenen Ländern aufzubauen. Kurzfristig würde das die Legitimität der Bank stärken. Langfristig ist der Aufbau von Forschungskapazitäten in den Entwicklungsländern die beste Garantie für eine Entwicklungspolitik, die auf nachhaltiger, verlässlicher und relevanter Beratung ruht.
Prof. Dr. Stephan Klasen
hat den Lehrstuhl für Entwicklungsökonomie an der Universität Göttingen inne.
sklasen@uni-goettingen.de
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