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Beiträge aus der Rubrik InWEnt-Forum
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 02/2007
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[ Berufsqualifikation ]
Mit GET in den globalen Bildungswettbewerb
Deutschland gehört, was die Ausbildung von Arbeitnehmern angeht, zur Weltspitze. Konzepte nach diesem Vorbild könnten auch anderswo Wirtschaftsentwicklung und Armutsbekämpfung beflügeln. Allerdings fällt es deutschen Anbietern schwer, sich in der weltweiten Konkurrenz des Bildungsmarkts durchzusetzen. Ein Expertenforum von InWEnt, dem Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) und der Deutschen Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ), hat Ideen formuliert, um für die Globalisierung fit zu werden.
[ Interview mit Wilfried Telkämper ]
Warum beschäftigen sich entwicklungspolitische Durchführungsorganisationen mit beruflicher Bildung?
Deutsche Facharbeiter haben weltweit einen sehr guten Ruf und zwar zu Recht. Sie sind wirklich besonders gut qualifiziert. Deshalb genießt unsere Form der beruflichen Bildung auch grundsätzlich ein recht hohes Ansehen. Es ist offensichtlich, dass sie als Produktions- und Standortfaktor eine Rolle spielt. Unter anderem kann sie dazu beitragen, Menschen aus armen Bevölkerungsschichten zu produktiven Arbeitskräften zu machen, die dann auch ordentlich Geld verdienen. Unser Modell hat verschiedene Stärken. Am bekanntesten ist vermutlich die Verknüpfung von Ausbildung in Schule und Betrieb. Wenn es an die jeweiligen Verhältnisse in Partnerländern angepasst wird, kann dieses Modell das Wirtschaftswachstum antreiben und zwar im Sinne von Pro-poor Growth. Leider sind wir international aber nicht optimal anschlussfähig. Nicht allen Interessenten ist klar, was unsere Stärken ausmacht. Wir müssen wettbewerbsfähig bleiben. Bildung ist ein internationaler Markt geworden, der sehr schnell wächst schneller als die Automobilbranche beispielsweise.
Wie steht Deutschland im internationalen Wettbewerb denn da?
Die Konkurrenz ist hart und zwar vor allem die der Anbieter aus anglophonen Ländern. Deren Modelle und Angebote sind international bekannt. Das hat mehrere Gründe. Dazu gehören die schiere Größe und die Leitrolle der US-Volkswirtschaft aber auch die Weltsprache Englisch. Qualitativ können wir allemal mithalten, aber um das auch rüberzubringen, sind wir noch nicht richtig aufgestellt. Es wäre gut, wenn die deutschen Akteure und Organisationen einheitlich auftreten würden. Es existiert international kein Bild der deutschen Berufsbildung und ihrer Akteure. Plastisch ausgedrückt hat sie kein Gesicht. Wir diskutieren seit langem darüber, eine gemeinsame Außendarstellung zu betreiben. Aber verwirklicht ist das noch nicht. Wir brauchen eine Corporate Identity, wenn wir die Chancen, die die Globalisierung bietet, nutzen wollen. Andernfalls droht uns die Marginalisierung. In diesem Sinne ist das Expertenforum zu dem Schluss gekommen, dass eine symbolartige Marke Deutsche Berufsbildungszusammenarbeit geschaffen werden sollte.
Wie sieht das die Bundesregierung?
Mit den zuständigen Bundesministerien also den Ressorts für Entwicklung und für Bildung wurde ein Arbeitstitel abgestimmt: GET Successfull Partnership The German approach to occupational competence. GET steht für German Education and Training. Die Zusammenarbeit von BIBB, GTZ und InWEnt ist der vielversprechende erste Schritt zur Bildung des entsprechenden Netzwerks. Diese Initiative ist ausbaufähig. Wenn sich weitere Institutionen und Organisationen anschließen, können wir international gut auftreten und zwar global, in Entwicklungs-, Schwellen-, Transformations- und Industrieländern.
Würde das auch privatwirtschaftlichen Unternehmen aus Deutschland etwas bringen?
Die deutsche Berufsbildung ist ein wichtiger Baustein der Außenwirtschaftsförderung. Deutsche Wertarbeit wird weltweit geschätzt und sie beruht eben auch auf der Qualität unseres Ausbildungssystems. Folglich liegt erfolgreiche Kooperation auf diesem Feld auch im originären Interesse vieler öffentlicher wie privatwirtschaftlicher Akteure. Wenn das deutsche Bildungsmodell Schule macht, entstehen dadurch wieder neue Kontakte und Geschäftschancen.
Welche deutschen Partner würden Ihrer Initiative denn weiterhelfen?
Es gibt eine ganze Reihe von Kandidaten. In der beruflichen Bildung sind beispielsweise die Arbeitgeberverbände engagiert, die je nach Branche recht unterschiedliche Bedürfnisse artikulieren. Die Autoindustrie und der Maschinenbau haben andere Sorgen als das Bäckerhandwerk oder die Finanzwirtschaft. Grundlage für die Teilnahme an unserem Netzwerk ist die Übereinstimmung mit den Herausstellungsmerkmalen der deutschen Berufsbildung. Dazu gehören das Lernen in Schule wie Arbeitsprozess, die gesellschaftliche Akzeptanz von bundesweit geltenden Qualifikationsstandards, die enge Zusammenarbeit von Staat und Wirtschaft, die integrierte Didaktik sowie Forschung und Beratung.
Sie werden also eine neue Institution schaffen, um dieses Modell weltweit zu propagieren.
Nein, darum geht es nicht. Wir wollen keine neue Organisation aufbauen, sondern unsere Stärken in einem Netzwerk zusammenfassen. Vielfalt ist schließlich auch eine Stärke. Unser Ziel ist, die Eigendynamik zu nutzen, die sich aus den originären Interessen der deutschen Akteure ergibt. Die Initiative ist als ein peer-to-peer network nicht gewinnorientierter deutscher Institutionen konzipiert. Es gibt bereits eine Koordinierungsgruppe, die sich aus Vertretern von BIBB, GTZ und InWEnt zusammensetzt. Sie handelt im Auftrag der beiden genannten Bundesministerien. Weitere Ministerien werden sich hoffentlich anschließen und unsere Scharnierfunktion nutzen.
Trotzdem steht Deutschland im globalen Bildungswettbewerb allein da.
Nicht unbedingt. Die Zusammenarbeit innerhalb der EU bietet Chancen. Wir beobachten interessante Entwicklungen wie EQF, das European Qualifications Framework, oder ECVET, das European Credits Transfer System for Vocational Education and Training. Diese Ansätze orientieren sich an Kompetenzen, sie passen gut zu den deutschen Spezifika. Solche Chancen gilt es zu nutzen. Wir müssen uns aber klarer profilieren, wenn wir unsere Vorstellungen in internationale Rahmenkonzepte einbringen wollen.
Wie geht es jetzt weiter?
Wir haben uns auf eine Pilotphase mit drei Hauptaktionslinien geeinigt:
Zunächst geht es um die Entwicklung einer Corporate Identity der deutschen Akteure auf der Basis der genannten Merkmale und den Start einer Kampagne. Wir wollen uns mit dem Kürzel GET als Marke etablieren.
Ferner müssen die Fachleute der verschiedenen Partner gemeinsame Positionen zu übergreifenden Fragestellungen formulieren und international vertreten.
Drittens soll ein gemeinsames Organisations- und Koordinationsbüro bei InWEnt eingerichtet werden.
Die Fragen stellte Hans Dembowski.
Wilfried Telkämper
leitet bei InWEnt den Bereich
Industrie- und Transformationsländer
wilfried.telkaemper@inwent.org
Links:
EQF:
http://ec.europa.eu/education/policies/educ/eqf/index_en.html
ECVET:
http://www.embedding-standards.com/ecvet_002.pdf.
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