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Beiträge aus der Rubrik InWEnt-Forum
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 02/2007
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[ Emerging Powers ]
Menschen sind Teil der Lösung
Für die Erreichung der Millenniumsentwicklungsziele der Armutsbekämpfung (MDG), die sich die Vereinten Nationen gesetzt haben, spielen aus Sicht von Paul Taylor Kommunalverwaltungen eine herausragende Rolle. Der Leiter des Brüsseler Verbindungsbüros von UN-Habitat, dem Siedlungprogramm der Weltorganisation, erläutert, in vielen Ländern seien Städte und Gemeinden für wichtige Einrichtungen zuständig. Dazu gehören beispielsweise Grundschulen, ohne die nicht alle Kinder wie versprochen lesen, schreiben und rechnen lernen werden (MDG 2), oder auch Krankenhäuser und Gesundheitsdienste, auf die es ankommen wird, wenn die Kinder- und Müttersterblichkeit wirklich sinken soll (MDG 4 und 5).
Ohne das Engagement von Entscheidungsträgern unterhalb der nationalstaatlichen Ebene wird, so Taylor, auch die Versorgung aller Menschen mit sauberem Trinkwasser (Teilaspekt von MDG 7) nicht gelingen. Der UN-Experte erinnert daran, dass in vielen Ballungsräumen die Hälfte der Bevölkerung keinen Zugang zum öffentlichen Leitungsnetz hat. Diese Menschen sind darauf angewiesen, Wasser eimer- und kanisterweise zu horrenden Preisen zu kaufen. Die Kosten dafür übersteigen manchmal 15fach das Niveau, das Haushalte aufwenden, die von regulären Wasserwerken bedient werden.
Besonders dramatisch ist die Lage typischerweise dort, wo Städte schnell wachsen. Das sind die Orte, an die arme Menschen aus Agrarregionen fliehen, wenn die Landwirtschaft ihre Familien nicht mehr ordentlich ernähren kann. In Indien ist Bombay (amtlich Mumbai genannt) solch ein Magnet. Fachleute schätzen, dass in dieser Metropole mit 18 Millionen Einwohnern mindestens zwei Millionen Menschen keinen Zugang zu gesundheitlich unbedenklichen sanitären Einrichtungen haben.
Dennoch bleibt Bombay für viele mittellose Inder ein Ort der Hoffnung. Die Leute kommen in die Stadt, um ihr Leben zu verbessern, berichtet Sheela Patel von der unabhängigen Organisation Sparc, die sich um Slumdweller in Bombay kümmert. Sie erinnert zugleich daran, dass in Indien und China auch kleine und mittlere Städte schnell wachsen. Ihre Infrastrukturen sind deshalb in der Regel ähnlich überlastet, wie das für große Megastädte mit mehr als acht Millionen Einwohnern gilt.
Dass das Thema wichtig ist, bestätigt auch Frannie Léautier vom World Bank Institute. Sie weist darauf hin, dass es nicht zuletzt von der Qualität lokaler Verwaltungen abhängt, ob und wenn ja, in welchem Maß Kommunen von der Globalisierung profitieren können. Im Dezember begegneten sich Taylor, Patel und Léautier am Main. Alle drei referierten auf einer von InWEnt und der Stadt Frankfurt veranstalteten Konferenz im Deutschen Architekturmuseum. Die Veranstaltung trug den Titel Governing Emerging Megacities. Ziel war, die Rolle der Kommunen aus verschiedenen Perspektiven zu beleuchten. Allein aus Indien und China waren 35 Teilnehmer mit von der Partie.
Die Herausforderungen sind komplex und es gibt keine Lösungen, die sich einfach von einer Stadt auf die nächste übertragen ließe. Aus InWEnt-Sicht ist wichtig, dass arme Menschen als Teil der Lösung gesehen werden und nicht als Problem an sich. Es kommt immer wieder darauf an, verschiedene Interessen und Perspektiven zu berücksichtigen und miteinander zu versöhnen. Was das konkret bedeutet, kann von Fall zu Fall recht unterschiedlich sein etwa was den Einsatz privatwirtschaftlicher Akteure für die Bereitstellung öffentlicher Güter angeht.
Die Regierbarkeit schnell wachsender Groß- und Megastädte in Ländern wie China, Indien und anderen &Mac226;Emerging Powers ist eine Schlüsselherausforderung des neuen Jahrtausends, urteilt Günther Taube, der InWEnt-Bereichsleiter für Governance-Angelegenheiten. Nur durch verantwortungsvolles Handeln und Einbindung aller Bevölkerungsgruppen können soziale und ökologische Katastrophen mit globalen Folgen vermieden werden. InWEnt veranstaltet deshalb im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung eine internationale Serie von Dialogforen zu Themen von globaler Bedeutung. Ende Januar fand in Berlin die zweite Tagung der Reihe zum Thema soziale Sicherung in Indien statt. Einmal mehr wurde dabei klargestellt, dass arme Menschen nicht nur Objekt der Gesellschaftspolitik sind, sondern befähigt werden müssen, ihr Schicksal selbst zu gestalten. (dem)
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