| |
Beiträge aus der Rubrik Medien
Howard W. French: Afrika steht im Schatten
Mahmood Mamdani: Wie die USA Terroristen schaffen
M.C. Behera (Hg.): Ländliche Entwicklung kommt zu kurz
Harald Müller und Niklas Schörnig: Rüstung und wie man sie begrenzt
 02/2007
|
|
Auf Kosten Afrikas
Howard W. French:
A continent for the taking.
The tragedy and hope of Africa.
Vintage Books, New York 2005, 280 S.,
15,00 US-Dollar, ISBN 1-40003027-7
Afrika ist ein dunkler und gefährlicher Ort, geplagt von Armut, Krankheit und Krieg das ist es in etwa, was der durchschnittliche US-Bürger über Afrika sagen kann. Aber Unwissen über die Geschichte und die kulturellen, sozialen und politischen Bedingungen ist noch nicht einmal eine schwache Entschuldigung dafür, die Einmischung in afrikanische Angelegenheiten durch US-Regierungen zu tolerieren. Der US-Journalist Howard French erklärt, warum Amerika gegenüber dem herrschenden Leid ungerührt bleibt und die Dinge sogar oft noch verschlimmert.
Seit Mitte der 1970er Jahre berichtet French über die politischen Ereignisse in Afrika. In seinem kritischen und gut recherchierten Bericht untersucht er Entstehung und Entwicklung der Krisen in Liberia, Nigeria und Zaire/Kongo seit den 1990er Jahren. Der Autor legt den Schwerpunkt auf lokale Aspekte der afrikanischen Tragödien, doch gleichzeitig stellt er die Ereignisse in einen weiteren internationalen Kontext. Am Beispiel des früheren Zaire gelingt ihm dieser analytische Ansatz vorbildlich. Versagen der Diplomatie, unternehmerische Gier nach Afrikas natürlichen Ressourcen gepaart mit allgemeiner Gleichgültigkeit in Europa und den USA gegenüber afrikanischen Leben sind für French die zentralen Faktoren für den Zusammenbruch einer ganzen Region.
Die Bedeutung des Buches liegt darin, dass es zeigt, wie externe ökonomische und politische Interessen von jeher mit lokalen Kriminellen Hand in Hand gehen und dieses Zusammenspiel weite Teile des Kontinents und die Lebensbedingungen seiner Völker in Mitleidenschaft gezogen hat. Durch ihre Parteinahme haben westliche Regierungen afrikanische Bürgerkriege häufig verstärkt und verlängert. Zu oft wird die politische Entscheidung getroffen, nicht einzugreifen, wenn sich menschliche Tragödien abzeichnen.
Mit großer Anteilnahme plädiert French dafür, Afrika angesichts drohender Tragödien beizustehen. Leider geht das Buch auf die im Untertitel erwähnte Hoffnung für den Kontinent nicht näher ein. Aber es ist bereits ein ermutigendes Zeichen, mehr Leute dazu zu bringen, größere Notiz von Afrika zu nehmen.
Glenn Brigaldino
|