Beiträge aus der Rubrik
Medien


Howard W. French: Afrika steht im Schatten

Mahmood Mamdani: Wie die USA Terroristen schaffen

M.C. Behera (Hg.): Ländliche Entwicklung kommt zu kurz

Harald Müller und Niklas Schörnig: Rüstung und wie man sie begrenzt


02/2007
 

Vernachlässigter ländlicher Raum

M. C. Behera (Hg.):
Globalising rural development. Competing paradigms and emerging realities.
Sage Publications India, New Delhi 2006, 468 S., 13,00 US-Dollar, ISBN 0-761-93479-0

Das Buch beschäftigt sich mit den Grundlagen und Konzepten für ländliche Entwicklung, wie sie seit den 1950er Jahren propagiert und praktiziert worden sind. Es fragt insbesondere danach, wie die Globalisierung sich auf diese Konzepte und die Praxis ausgewirkt hat.

Fast alle Autoren des Bandes sehen ländliche Entwicklung als im wesentlichen von städtischen politischen Zentren bestimmt. Die Folge sei, dass Programme für ländliche Entwicklung kaum den differenzierten Bedürfnissen ländlicher Räume und Bevölkerungsgruppen gerecht würden.

Die 17 Beiträge sind in vier Themenbereiche gruppiert. Im ersten werden die Zusammenhänge zwischen ländlicher Entwicklung und Globalisierung ausgelotet. In einer ausführlichen, aber etwas akademisch anmutenden Analyse betont der Herausgeber unter anderem die ideologischen Grundlagen von Konzepten ländlicher Entwicklung und zeigt, dass diese die komplexe Wirklichkeit auf dem Land nur unvollkommen berücksichtigen.

Der zweite Themenbereich behandelt die wichtigsten Akteure – den Staat und nichtstaatliche Organisationen auf der einen Seite, die ländliche Bevölkerung beziehungsweise bestimmte Bevölkerungsgruppen wie Frauen oder indigene Gruppen auf der anderen Seite. Fallbeispiele aus Nigeria und Thailand bestätigen weitgehend die kritischen Einschätzungen hinsichtlich Eignung und Wirksamkeit der Konzepte von ländlicher Entwicklung.

Als Gegenpol zu den „von oben“ verordneten Entwicklungskonzepten stellt der dritte Teil des Bandes eine Reihe so genannter endogener Konzepte und Strategien vor. Hier werden Fallbeispiele sowohl aus Afrika und Asien als auch aus Ostdeutschland und osteuropäischen Transformationsländern diskutiert. Die Autoren gehen unter anderem der Frage nach, inwieweit diese Ansätze nachhaltig sind. Binayak Rajbhandari macht in seinem Beitrag über Möglichkeiten eines nachhaltigen Lebensunterhalts in Südasien Vorschläge für eine ländliche Entwicklungspolitik auf der Mikro-Ebene .

Der vierte Teil des Buches beschäftigt sich mit den Wirkungen von Globalisierung und ländlicher Entwicklung auf Ziele wie Partizipation, Armutsminderung, Ernährungssicherung und Stärkung der Frauen. Er enthält einerseits Beispiele für schädliche Auswirkungen: So hat in einer ländlichen Region Kenias stärkerer ökonomischer Druck und eine veränderte Geschlechterrolle der Frauen zu einer Zunahme häuslicher Gewalt geführt. Andererseits werden günstige Erfahrungen mit Armutsminderungsstrategien geschildert, zum Beispiel in Indien, und Vorschläge gemacht, wie diese verstärkt werden können.

Dem Buch liegt ein multidisziplinärer Ansatz und ein umfassendes Verständnis von Entwicklung zugrunde. Dies und die Fülle des empirischen Materials machen es zu einer nützlichen und anregenden Lektüre für alle, die sich mit der Konzeption, Bewertung und Dynamik von Entwicklung befassen.

Manfred Metz