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Weniger Kriege und Völkermorde
 02/2007
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[ Sicherheit ]
Weniger Kriege und Völkermorde
Die Zahl der Kriege weltweit ist zwischen 2002 und 2005 von 66 auf 56 gefallen. Der Rückgang betrifft fast ausschließlich gewaltsame Konflikte ohne staatliche Beteiligung. Die Zahl der Kriege mit Regierungsbeteiligung hat sich dagegen kaum verändert. Laut dem Human Security Centre der University of British Columbia gibt es vor allem in Afrika deutlich weniger Konflikte als noch vor einigen Jahren: Danach schrumpfte auf dem Kontinent die Zahl der Kriege mit staatlicher Beteiligung seit 2002 von 13 auf fünf; bewaffnete Auseinandersetzungen zwischen nichtstaatlichen Parteien gingen von 24 auf 14 zurück. In den meisten anderen Weltregionen haben gewaltsame Konflikte dagegen zugenommen, stellt das Zentrum in seinem Human Security Brief 2006 fest. Heute sei nicht mehr Afrika die konfliktträchtigste Weltregion, sondern Zentral- und Südasien. Das Papier aktualisiert den Human Security Report 2005, den das Zentrum vor einem Jahr vorgelegt hatte (siehe E+Z 1/2006, S. 38). Ende 2007 soll der nächste ausführliche Bericht über menschliche Sicherheit erscheinen.
Deutlich zurückgegangen ist auch die Zahl der völkermordähnlichen Massenmorde. Als einzigen Genozid 2005 nennt das Zentrum Darfur, während es 1989 noch in zehn Ländern politisch motivierte Massentötungen gegeben habe, unter anderen in Afghanistan, Angola, El Salvador und Guatemala. Das heißt aber nicht, dass die Welt für Zivilisten sicherer geworden ist. Denn seit Ende des Ost-West-Konflikts ist die Zahl der Angriffe auf Unbeteiligte, die sich nicht wehren können, um 56 Prozent gestiegen. Zurückzuführen sei das vor allem auf die starke Zunahme von Terroranschlägen, die sich laut dem Bericht seit 2000 verdreifacht haben. Allerdings sei die Zahl der Todesopfer von Angriffen auf Zivilisten seit Mitte der 1990er Jahre klar geschrumpft. Das bestätige den Trend, dass völkermordartige Massenmorde und größere Kriege in den letzten Jahren seltener geworden sind. Heute übliche Attacken wie Terroranschläge seien zwar zahlreicher, forderten im Durchschnitt aber vergleichsweise geringe Opferzahlen. Das Zentrum betont aber, dass die Daten zu Opfern auf Schlachtfeldern und unter der Zivilbevölkerung nicht sehr präzise seien und nur Trends anzeigten.
Im ersten Jahrzehnt nach dem Ende des Ost-West-Konflikts brachen zwar viele neue Kriege aus mehr als doppelt so viele wie in den 1980er Jahren. Aber laut dem Human Security Brief wurden noch mehr Kriege beendet. 2003 habe es deshalb insgesamt 40 Prozent weniger Kriege mit Regierungsbeteiligung gegeben als 1992. Eine zweite wichtige Entwicklung der 1990er Jahre war, dass erstmals mehr Kriege durch Verhandlungen zwischen den Gegnern als durch den Sieg einer Partei beendet wurden ein Trend, der sich im neuen Jahrtausend noch verstärkt habe: Von 2000 bis 2005 seien 17 gewaltsame Konflikte durch Verhandlungen und nur drei durch Siege beendet worden. Einziger Wermutstropfen: Statistisch flammen durch Abkommen beendete Konflikte doppelt so häufig wieder auf wie Kriege, die durch Siege beendet wurden.
Es gebe allerdings Anzeichen dafür, dass heutige Friedensschlüsse stabiler seien als frühere Abkommen. Im Durchschnitt seien in den letzten sechs Jahren jährlich mehr Kriege beendet worden als neue ausgebrochen. Es gebe keine Garantie, dass sich dieser Trend fortsetze, aber, so Andrew Mack, der Leiter des Human Security Centre, in einer Welt, die jedes Jahr eine Billion Dollar für Verteidigung ausgibt, könnte eine moderate Kürzung der Militärausgaben zugunsten von Konfliktprävention, Friedensstiftung und Friedenskonsolidierung verhindern helfen, dass die potenziellen Bedrohungen von heute zur gewaltsamen Wirklichkeit von morgen werden. (ell)
Im Internet:
http://www.humansecuritybrief.info
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