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03/2003
 

Deutschland in der internationalen Konfliktbearbeitung

Frieden lässt sich nicht erzwingen

Von Colin Gleichmann

Als vor 14 Jahren deutsche Grenzschützer als Blauhelme nach Namibia ausrückten, war dies ein kleiner Beitrag zur Unabhängigkeit der ehemaligen deutschen Kolonie. Und als die Bundeswehr 1992 in Kambodscha erstmals mit einem Sanitätsbataillon an einer UN-Friedensmission teilnahm, war dies bereits ein sichtbarer Schritt hin zu einem stärkeren internationalen Engagement Deutschlands. In beiden Ländern markierte der Blauhelmeinsatz das Ende jahrzehntelanger Bürgerkriege und legte die Grundlagen für Wahlen und zivile Konfliktlösung. Noch ungewiss ist der Ausgang zwei weiterer internationaler Missionen, an denen Deutschland beteiligt ist: auf dem Balkan und vor allem in Afghanistan.


Auf einer Tagung der Bundesakademie für Sicherheitspolitik in Bonn kamen am 11. und 12. Februar Experten aus der Friedens- und Entwicklungszusammenarbeit zusammen, um die Möglichkeiten militärischer und ziviler Instrumente bei der Konfliktbearbeitung zu beurteilen. Die Etappen des deutschen UN-Engagements – Namibia, Kambodscha und der Balkan – dienten als Fallstudien. In der Rückschau auf die politischen Entwicklungen in diesen Einsatzgebieten wurden die Wirkung der internationalen Konfliktbearbeitung und Entwicklungszusammenarbeit bewertet.

Die Bilanz fiel überraschend gut aus. In Namibia und Kambodscha haben die Kontrahenten die Chancen ziviler Konfliktbearbeitung genutzt; die früheren Kriegsparteien tragen ihre Konflikte heute im Parlament aus. Wo liegen die Gründe für diesen Wandel? Mit Peacekeeping allein sei das ebenso wenig zu erklären wie mit der nachsorgenden Technischen Zusammenarbeit, hieß es in Bonn. Die Teilnehmer stimmten darin überein, dass vor allem die internen Akteure, die Dynamik ihrer Beziehungen verantwortlich seien für Erfolg oder Scheitern von Friedensmissionen. Die von außen angebotenen Instrumente der Friedenskonsolidierung bildeten nur einen Rahmen; erzwingen könnten die Geber den Frieden nicht. Das wird etwa auf dem Balkan deutlich, wo die Situation noch längst nicht stabil ist. Einige Teilnehmer vertraten die These, dass es noch Jahrzehnte dauern werde, bis der Frieden auf dem Balkan nicht mehr von außen gesichert werden müsse.

Der Rückblick der Tagung auf die erfolgreichen Beispiele von Konfliktbearbeitung mit deutscher Beteiligung ermutigte dazu, auch auf dem Balkan, in Afghanistan und in künftigen Krisenregionen mit langem Atem für den Frieden zu arbeiten.