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03/2003 |
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Tagung der Stiftung Entwicklung und Frieden
Kann die Forschung die Politik beraten?
Als die Stiftung Entwicklung und Frieden zu einer erweiterten Beiratssitzung einlud, um das in ihren Aktivitäten lange vernachlässigte Thema Entwicklung wieder stärker in den Vordergrund zu stellen, und dabei in der Einladung das Verhältnis von Entwicklungspolitik zu anderen Politikfeldern zur Grundproblematik erklärte, weckte dies hohe Hoffnungen. Sollte hier das Gespräch zwischen Wissenschaft und Politik wieder in Gang gebracht werden, das (jedenfalls für diesen Politikbereich) arg ins Stocken geraten ist? Sollte man hier Wissenschaftler treffen, die sich mit den Problemen befassen würden, mit denen die Politik täglich zu tun hat, um sie bei deren Lösung zu beraten? Egon Bahr, der dem Kuratorium der Stiftung angehört, hatte vorab erklärt, er erwarte von den Beiträgen zu der Tagung profilierte Positionen zu veränderten Rahmenbedingungen der Entwicklungshilfe.
Was die Tagung dann bot, die am 24. und 25. Januar im Bremer Rathaus unter der Überschrift Entwicklung: Mythos oder realistisches Politikziel? stattfand, blieb weit hinter solchen Erwartungen zurück. Die Praktiker der Politik, die an der Tagung teilnahmen, mochten den Eindruck gewinnen, den selben Glasperlenspielen praxisentrückter Wissenschaftler beizuwohnen wie auf so vielen anderen Tagungen. Das war gewiss alles sehr interessant: Robert Kappel (Universität Leipzig) führte seine Überlegungen zur Unentwickelbarkeit der afrikanischen Länder weiter und postulierte, Kapital allein bewirke keine Entwicklung, auf die endogenen Faktoren komme es an. Fred Scholz (FU Berlin) stellte sein Modell der globalen Fragmentierung vor und konstatierte, dass es Entwicklung nur noch in den acting global cities gebe, während die ausgegrenzte Restwelt, die neue Peripherie, stagniere.
Welche Handlungsempfehlungen sich daraus für die Politik ergäben , wollte BMZ-Abteilungsleiter Michael Hofmann wissen. Worauf Franz Nuscheler (Universität Duisburg) antwortete, die Politik könne von der Wissenschaft praxisorientierte Beratung nur dann erwarten, wenn sie sie aktiv in die Analyse der Probleme einbeziehe, wie dies das DFID, das britische Entwicklungsministerium tue. Stattdessen baue aber das deutsche Ministerium seinerseits eine Barriere gegenüber der Forschung auf. Mehrere Teilnehmer klagten, dass das BMZ nur solche Forschungsergebnisse akzeptiere, die ihm genehm seien.
Auch so kann die Tagung Frucht tragen. Die Mängel sind deutlich geworden. Am Rande wurde diskutiert, wie denn zu erreichen sei, dass beide Seiten ernsthaft zu einander fänden: dass die Wissenschaftler die Fragestellungen aufnehmen, die ihnen von der Politik vorgehalten werden, und dass die Politiker sich nicht scheuen, Fragen zu stellen und Antworten zur Kenntnis zu nehmen. Lothar Brock (Universität Frankfurt) machte den Vorschlag, eine weltweite Bestandaufnahme zu machen: In welche Richtung geht die Entwicklung der Entwicklungspolitik? Was gilt als state of the art? Dass es ein solches Kompendium nicht gibt, dass es erst noch gefordert werden muss, zeigt, dass beide Seiten ihre Hausaufgaben nicht gemacht haben.
Netressourcen Stiftung Entwicklung und Frieden www.sef-bonn.org
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