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03/2003
 

Genmanipulierte Hilfe für Afrika?

Von Johannes Wendt

„Sollen wir den notleidenden Afrikanern nicht anbieten, was wir selbst essen?“ entrüstete sich der US-amerikanische Botschaftsrat für Wirtschaft, Thomas Engle. Im Afrika-Gesprächskreis der sozialdemokratischen Bundestagsfraktion, der sich am 13. Februar im Reichstag mit der Nothilfe für die Hungerregionen des Kontinents befasste, wies Engle afrikanische Bedenken gegen den Import von genmanipuliertem Mais aus den USA mit Nachdruck zurück. Ein Drittel der amerikanischen Mais-Produktion sei inzwischen genmanipuliert und bestimme die Ernährung der US-Bürger in zunehmendem Maß. Die Amerikaner verstünden nicht, warum die Hilfe, für die sie bezahlten, von den Afrikanern verweigert werde.


Zuvor hatte der sambische Botschaftsrat Major Mulenga betont, dass seinem Land die Mittel fehlten, die Gesundheits- und Umweltrisiken zu erforschen, die sich aus dem Mais-Import ergeben könnten. Anders als Sambia, das sich strikt gegen die Einfuhr entschieden hat, will Simbabwe insgesamt 100 000 Tonnen genmanipulierten Mais importieren - unter der Bedingung, dass er unter Quarantäne gehalten, in Südafrika gemahlen und dann unter staatlicher Kontrolle verteilt wird. Auf diese Weise, so Botschafterin Lucia Muvingi, könne eine Kontamination des Bodens und von lokalem Saatgut vermieden werden.

Manchen Teilnehmern ging die Debatte an der entscheidenden Frage vorbei. Das eigentliche Problem der Nahrungsmittelhilfe sei, dass die Mais- und Getreideexporte Afrika von der subventionierten westlichen Agrarindustrie vollends abhängig zu machen drohten. Um das zu verhindern, müssten Nahrungsmittel für Nothilfe-Programme verstärkt auf afrikanischen Märkten gekauft werden. Hans-Joachim Preuss, der Generalsekretär der Deutschen Welthungerhilfe, und Horst Müller, Leiter des BMZ-Referats für Nothilfe, plädierten dafür, den Aktionsplan gegen die aktuelle Hungersnot im südlichen Afrika mit einer Strukturreform zu verbinden, deren Ziel die Stärkung der einheimischen Landwirtschaft und der lokalen Agrarmärkte sein müsse (siehe auch Bericht "Straßen gegen Hunger" auf Seite ???).